Wie viele Abtreibungen gibt es pro Jahr? Wie viele der Schwangeren bereuen später ihre Entscheidung? Und wie viele Gynäkolog*innen bieten Schwangerschaftsabbrüche überhaupt an?

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Niederbayern

Auf die schlechte Versorgungslage für Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland haben wir bereits mehrfach aufmerksam gemacht. Besonders schlecht ist die Versorgungslage in Bayern, v.a. in Niederbayern.

In der Region mit 1,2 Millionen Einwohner*innen gibt es aktuell nur zwei Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche nach der Beratungsregelung durchführen. Dabei gibt es dort 23 Kliniken und noch viel mehr gynäkologische Praxen.

Eine dieser Praxen hat erst seit kurzem in Passau geöffnet. Vorher gab es ein knappes Jahr niemanden dort, nachdem der letzte Arzt in Rente gegangen war. Dies bedeutete, dass ungewollt Schwangere 120 bis 200 Kilometer weit nach München oder Nürnberg zur nächsten Klinik oder Praxis fahren mussten.

Es gibt viele Gründe, warum immer weniger Ärzt*innen Schwangerschaftsabbrüche durchführen. In Passau ist die Situation jedoch noch einmal besonders: denn ein Stadtratsbeschluss aus den 80er Jahren verbietet es den Kreis-Krankenhäusern explizit, Abbrüche anzubieten. Änderungsanträge von der Stadträtin Erika Träger im Jahr 1998 und 2007 wurden durch den Passauer Stadtrat abgewiesen.

Eigentlich haben Bundesländer laut §13 Abschnitt 3 des Schwangerschaftskonfliktgesetzes eine Pflicht, „ein ausreichendes Angebot ambulanter und stationärer Einrichtungen zur Vornahme von Schwangerschaftsabbrüchen“ sicherzustellen. Leider ist aber nirgendwo geregelt, was "ausreichend" heißt, und darauf ruhen sich die Landesregierungen wohl aus - oder wehren sich sogar noch dagegen, wie das Beispiel Passau zeigt.

Deshalb unterstützen wir die Petition vom Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung Passau in ihren Forderungen, dass das Städtische Klinikum Passau, Schwangerschaftsabbrüche anbieten soll. Wir würden uns freuen, wenn ihr diese ebenfalls unterschreibt.

Update 28.10.2021: nach dem Sammeln von 5000 Unterschriften sagte der OB Jürgen Dupper ein Treffen mit den Initiator*innen zu. Dabei erklärte er, dass das Rathaus Problem anerkenne und an Lösungen arbeite. Er versprach dabei, mit der Initiative weiter in Gespräch zu bleiben. Wie genau und an welchen Lösungen nun gearbeitet wird, bleibt offen. Wenn ihr auf dem Laufenden bleiben wollt, folgt am besten @bfss.passau.

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Rostock

Es werden immer weniger Ärzt*innen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Deshalb haben ungewollt Schwangere in vielen Städten und Regionen bereits jetzt Probleme, einen Arzt oder Ärztin für eine Abtreibung zu finden. Zudem ist es schwer, Ärzt*innen bei einer Online-Recherche überhaupt erst zu finden. Denn durch den §219a StGB dürfen Ärzt*innen beispielsweise auf ihrer Homepage nicht über Schwangerschaftsabbrüche informieren. (Weitere Informationen zu dem Thema, findet ihr in den Posts zu §219 von uns.)

Als Unterstützungsangebot hat die deutsche Bundesregierung deshalb Anfang 2019 eine Liste bei der Bundesärztekammer in Auftrag gegeben, in der sich Praxen und Kliniken, die Abbrüche durchführen, freiwillig eintragen können. Das Problem ist, dass diese Liste alles andere als vollständig ist. Viele Ärzt*innen entscheiden sich z.B. bewusst dagegen, auf der Liste aufzutauchen, weil sie Angst vor den Anfeindungen durch Abtreibungsgegner*innen haben. Außerdem fehlen oft weitere nützliche Angaben: z.B. zu den Methoden oder darüber, bis zu welcher Schwangerschaftswoche die Abbrüche durchgeführt werden. All solche Informationen findet man also erst nach einem ersten Gespräch mit der Praxis heraus.

Aber wie sieht denn die Versorgungssituation in manchen Städten ganz konkret aus? In Rostock - einer Stadt mit ungefähr 200.000 Einwohner*innen - sind von 1059 Praxen mindestens 53 gynäkologische Praxen. [1] Auf der Liste der Bundesärztekammer stehen insgesamt 2 Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Davon bietet eine Praxis beide Methoden an, während die andere Praxis nur operative Schwangerschaftsabbrüche anbietet.

[1] Es gibt keine öffentlichen Statistiken über die Anzahl von Fachpraxen in einer Stadt. Zur Orientierung und groben Annäherung haben wir deshalb die Einträge im Bewertungsportal Jameda gezählt.

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Die Schwangerschaft der anderen hat nichts damit zu tun, dass man selbst nicht schwanger wird

Schwangerschaftsabbrüche sind oft auch deshalb ein Tabu, weil es viele Menschen gibt, die ungewollt kinderlos bleiben. Wenn man sich verzweifelt wünscht, schwanger zu werden, kann es belastend sein, Andere schwanger zu sehen. Vor allem dann, wenn diese viel schneller als man selbst, oder gar unabsichtlich, schwanger werden.

Ein positiver Schwangerschaftstest ist für manche der schönste Moment ihres Lebens und für andere der schrecklichste. Schwangersein und Kinderhaben ist für manche ein großer Lebenstraum und für andere ein Alptraum. Menschen sind unterschiedlich - es ist okay, dass auch die Zukunftspläne unterschiedlich sind. Es ist okay, eine große Familie gründen zu wollen. Und es ist okay, keine Kinder haben zu wollen.

Wichtig ist nur: Kinderwünsche sind nicht übertragbar. Weder von Person zu Person noch von Lebensphase zu Lebensphase. Die Entscheidung für oder gegen eine Schwangerschaft ist eine sehr persönliche und sollte deshalb nicht von anderen kommentiert werden müssen.

Letztendlich fallen alle Fragen zur Versorgung von ungewollt und gewollt Schwangeren, von Menschen nach Fehlgeburten und von ungewollt Kinderlosen unter den Kernbegriff der reproduktiven Selbstbestimmung. Und die Journalistin Teresa Bücker schafft es sehr gut, diese Themen zu verknüpfen:

"Aber man wünscht sich ja nicht das Kind zu bekommen, das andere nicht austragen wollen. Man möchte ein eigenes. Die Schwangerschaft der anderen, ob sie ausgetragen wird oder nicht, hat nichts damit zu tun, dass man selbst nicht schwanger wird. Der Wunsch nach einem Schwangerschaftsabbruch – der nicht immer leicht zu organisieren ist – und der Wunsch, bei einer Schwangerschaft von einer Hebamme begleitet zu werden – der aufgrund des Hebammenmangels nicht immer erfüllbar ist – liegen politisch viel näher beieinander, als man vielleicht denken würde. Diejenigen, die nicht schwanger sein möchten, die, die gern schwanger sein würden und die, die schwanger sind, haben gemeinsame Interessen: eine gute gesundheitliche Versorgung."

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Schwierigste Entscheidung im Leben? Oder eine unter vielen?

Ein erwachsenes Leben ist voller Entscheidungen, die Weichen für unsere Zukunft bedeuten. Dazu gehört die Wahl des Berufs, der Partnerschaften, Trennungen, der Wechsel des Wohnortes, ein Jahr im Ausland... Manche Entscheidungen bereuen wir, viele nicht. Eine ungeplante Schwangerschaft ist für viele Menschen ein Moment, in dem Fragen zur Zukunft gestellt werden: will ich mit dem Mann zusammenbleiben, will ich überhaupt Kinder haben, was wünsche ich mir für die Zukunft?

Eine ungeplante Schwangerschaft gehört zu den belastenden „life events“ (Adler et al. 1990): nicht, weil der Abbruch als traumatisierend erlebt wird, sondern die Umstände, die gesellschaftliche Stigmatisierung und die Ungewissheit, bis der Abbruch durchgeführt wird, belastend sind. NACH dem Abbruch wird dann als häufigstes Gefühl eine Erleichterung angegeben (Rocca et al. 2020).

Für viele Menschen ist sogar schon VOR dem Eintreten klar, dass eine ungeplante Schwangerschaft abgebrochen wird, wenn sie trotz Verhütung eintritt. Diese Menschen brauchen dementsprechend keine Pflichtberatung von fremden Personen und auch keine Wartefrist, sondern eine zeit-und wohnortnahe medizinische Versorgung.

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Vergleich Berlin - München

Es werden immer weniger Ärzt*innen, die Schwangerschaftsabbrüche machen. Deshalb gibt es in vielen Städten und Regionen bereits jetzt Probleme, einen Arzt oder Ärztin für eine Abtreibung zu finden. Dabei gibt es allerdings massive Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen.

Berlin und München sind besonders verschieden:

In Berlin stehen auf der offiziellen Liste der Bundesärztekammer 91 Ärzt*innen, die Schwangerschaftsabbrüche machen. In München stehen auf der Liste nur 4 Ärzt*innen - das sind mehr als 20mal so wenig wie in Berlin. Dabei ist Berlin nur doppelt so groß wie München.

Die Liste der Bundesärztekammer spiegelt auch nicht ganz die Wahrheit wieder. Eigentlich gibt es sowohl in Berlin als auch in München ein paar mehr Ärzt*innen, die Abtreibungen machen. Sie wollen aber nicht auf der Liste stehen. Das kommt daher, weil es dort beispielsweise Abtreibungsgegner*innen gibt, die vor den Praxen demonstrieren und Patient*innen stören. Diese Gruppen sind in Bayern größer und engagierter als in Berlin. Daher lassen sich in München weniger Ärzt*innen auf die offizielle Liste setzen und sind für ungewollt Schwangere schwieriger zu finden.

Quellen:

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Nur bei einem von 350 Schwangerschaftsabbrüchen treten Komplikationen auf

Im Jahr 2020 wurden in Deutschland 99.948 Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Es gab 279 medizinische Komplikationen bei den Eingriffen - das sind 0,28%, also bei einem von 350 Eingriffen gab es eine Komplikation. Der Schwangerschaftsabbruch ist also insgesamt ein sehr sicheres Verfahren. Vor allem der medikamentöse Abbruch und die chirurgische Absaugung (Vakuumaspiration) sind mit sehr wenigen Komplikationen verbunden. Zukünftige Schwangerschaften werden weder durch einen komplikationslosen chirurgischen noch durch einen komplikationslosen medikamentösen Abbruch beeinträchtigt.

Unter den 279 Komplikationen waren beispielweise Nachblutungen oder ein vermehrter Blutverlust am häufigsten (ca. 0,165% - 1 von 600). Aber nur 1 von 1000 Patient*innen mussten wegen der Nachblutung ärztlich behandelt werden, sehr selten war deshalb eine Blutübertragung notwendig (ca. 0,01% - 1 von 10.000). Andere Komplikationen waren Fieber bis 38 Grad Celsius und Entzündungen, sowie eine Durchstoßung bzw. Verletzung der Gebärmutter (0,015% - 1 von 6.666). Es gab keine Narkosezwischenfälle und keine Todesfälle.

Selten, ca. 1 von 200 Fällen, kann es passieren, dass Schwangerschaftsgewebe in der Gebärmutter verbleibt und ein erneuter chirurgischer Abbruch nötig wird. Oder wenn zuvor ein medikamentöser Abbruch erfolgt ist, wird in seltenen Fällen ein chirurgischer Abbruch nötig.

Sehr, sehr selten, kann es zu Verletzungen von umliegenden Organen kommen und eine Bauchspiegelung bzw. Baucheröffnung notwendig machen.

Diese Risikoaufzählung ist allerdings vergleichbar mit einem Beipackzettel von Medikamenten. Die Risiken hören sich alle sehr schlimm an, aber bei den meisten Menschen, eben über 99%, gibt es keine Komplikationen.

Quellen:

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Das Tabu schuf eine Atmosphäre...

In Deutschland ist der Schwangerschaftsabbruch im Strafgesetzbuch geregelt. Er ist illegal, kann allerdings unter bestimmten Voraussetzungen straffrei durchgeführt werden. Viele Verfechter*innen dieser Gesetzeslage argumentieren, dass dies ein guter Kompromiss sei: Ein Schwangerschaftsabbruch ist ja grundsätzlich möglich, warum muss man da noch am Strafgesetz rütteln?

Juristisch gesehen, gibt es aber einen Unterschied zwischen "legal" und "rechtswidrig, aber straffrei". Es beeinflusst nämlich, wie wir in der Gesellschaft über dieses Thema sprechen, ob und wie es in Schule und (Medizin-)Studium behandelt wird, wie im Gesundheitssystem damit umgegangen wird. Aktuell ist der Schwangerschaftsabbruch in all diesen Bereichen extrem tabuisiert. Und das bemerken ungewollt Schwangere, wie z.B. dieser Erfahrungsbericht zeigt:

"Ich weiß nicht, wie ich mich entschieden hätte, wenn ich mich frei gefühlt hätte. Aber das Gefühl, diese schwerwiegende Entscheidung von außen auferlegt zu bekommen, war traumatisch. Und vor diesem Erlebnis bewahrte der §218 mich keinesfalls. Vielmehr schuf das Tabu eine Atmosphäre, in der ich nicht die Möglichkeit empfand, mich genau so frei und unbefangen in meinem Umfeld über das Thema auszutauschen, wie ich es sonst auch tat und bei dieser Entscheidung umso mehr gebraucht hätte."

Wir wünschen uns, dass ungewollt Schwangere an die Informationen und Unterstützungsangebote kommen, die sie benötigen, um eine selbstbestimmte Entscheidung treffen zu können. Wir wünschen uns, dass sie Freund*innen und Familienmitgliedern unbeschwerter davon berichten und sich austauschen können. Und wir wünschen uns, dass sie im Gesundheitswesen gut versorgt werden - egal wie die Entscheidung ausfällt.

Quellen:

Erfahrungsbericht anonym (50) https://wegmit218.de/anonym2/

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Izabela starb, weil Ärzt*innen die lebensrettende Abtreibung nicht durchführen wollten

Izabela ist in Polen gestorben, weil Ärzt*innen die lebensrettende Abtreibung nicht durchführen wollten. Sie hatten Angst vor den strengen Gesetzen und wollten mit dem Abbruch der Schwangerschaft warten, bis der schwer geschädigte Fötus von selbst stirbt.

Mitten in Europa, im 21. Jahrhundert.

Sie ist nicht die Einzige.

Viel Aufsehen erregte der Fall von Valentina Milluzzo, die 2016 in einer italienischen Klinik starb, weil Ärzt*innen ihr aus "Gewissensgründen" die Abtreibung verweigerten. Valentina war mit Zwillingen schwanger. Ein Fötus starb, sie bekam eine schwere Infektion. Mehrere Tage sahen die Ärzt*innen zu, wie sich ihr Zustand dramatisch verschlechterte, weil sie warten wollten, bis auch der zweite Fötus gestorben wäre.⠀

In Irland führte nicht zuletzt der Tod von Savita Halappanavar 2012 dazu, dass die erfolgreiche Kampagne zur Legalisierung von Abtreibungen begann. Savitas Geschichte ist ähnlich wie die von Valentina und Izabela. Sie starb in einem irischen Krankenhaus, weil die Ärzt*innen sich weigerten, die Geburt nach einem vorzeitigen Blasensprung einzuleiten, obwohl sie eine Infektion entwickelte.

Alle drei Frauen wären mit ziemlicher Sicherheit noch am Leben, wenn die Ärztinnen nicht das Leben eines dem Tod geweihten Fötus über ihres gestellt hätten.

Namenlos bleiben hier die mehr als 20.000 Personen, die jährlich vor allem in Asien, Afrika und Lateinamerika bei unsicheren Abtreibungen sterben. Sie alle haben einen Namen, hatten ein Leben, Familie, Partnerinnen und Freundinnen. Tausende von Kindern verlieren so ihre Mutter, Tausende von Eltern ihre Tochter.

Wir fordern mit all ihnen:\ Ni una menos!\ Ani jednej więcej!\ Nicht eine Einzige mehr!\ Sichere Abtreibungen sind Lebensschutz!⠀

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🇵🇱\ Izabela zmarła w Polsce, ponieważ lekarze nie chcieli przeprowadzić ratującej aborcji. Bali się surowych praw i chcieli poczekać, aż ciężko uszkodzony płód umrze, zanim przerwą ciążę.\ Stało się to w środku Europy, w 21. wieku.\ Izabela nie jest jedyna.\ \ Sprawa Valentiny Milluzzo wywołała też poruszenie. W 2016 roku Valentina zmarła we włoskiej klinice, ponieważ lekarze odmówili jej aborcji z "powodów sumienia". Valentina była w ciąży z bliźniakami. Jeden płód zmarł, a ona zachorowała na poważną infekcję. Przez kilka dni lekarze patrzyli, jak jej stan dramatycznie się pogarsza, bo chcieli poczekać, aż drugi płód też umrze.\ \ W Irlandii śmierć Savity Halappanavar w 2012 roku doprowadziła do udanej kampanii na rzecz legalizacji aborcji. Historia Savity jest podobna do historii Valentiny i Izabeli. Zmarła w irlandzkim szpitalu, ponieważ lekarze odmówili wywołania porodu po przedwczesnym pęknięciu błon płodowych, mimo że rozwinęła się u niej infekcja.\ \ Wszystkie trzy kobiety prawie na pewno nadal by żyły, gdyby lekarze nie wybrali życia płodu ponad życie tych trzech kobiet.\ \ Bezimienni są tu ponad 20 000 ludzi, którzy umierają każdego roku w wyniku niebezpiecznych aborcji, głównie w Azji, Afryce i Ameryce Łacińskiej.\ \ Wszyscy oni mają imię, mieli życie, rodzinę, partnerów i przyjaciół. Tysiące dzieci traci swoje matki, tysiące rodziców swoje córki.\ \ Żądamy z nimi wszystkimi:\ Ni una menos!\ Ani jednej więcej!\ Not one single more!\ \ Bezpieczne aborcje to ochrona życia!

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🇬🇧\ Izabela died in Poland because her doctors refused her a life-saving abortion. Intimidated by the country's harsh abortion laws they decided to wait with the abortion for the severely impaired foetus’ heart to stop beating.\ \ Right in the heart of Europe, in the 21st century.\ \ She is not the only one.\ \ In 2016, the case of Valentina Milluzzo received wide attention after she passed away in an Italian clinic as her doctors refused her an abortion based on “conscientious objections”. Valentina was pregnant with twins. One foetus died and Valentina got a severe infection. For several days her doctors stood by to watch how her condition fatally deteriorated, as they were waiting for the second foetus to die.\ \ The death of Savita Halappanavar in 2012 was a crucial case that eventually led to the successful campaign to legalise abortion in Ireland. Savita’s fate is similar to that of Izabela and Valentina. She died from a sepsis in an Irish hospital because her doctors refused to induce her after an examination found that the gestational sac was protruding from her body and a miscarriage would be unavoidable.\ \ It is very likely that all three women would still be alive if the doctors involved had not placed the life of a foetus doomed to die above theirs.\ \ In this post, we cannot name all those 20,000 people that die every year while undergoing an unsafe abortion- most of them in Asia, Africa, and Latin America. But they all have a name, they had a life, a family, partners, and friends. Thousands of children are losing their parent each year this way, thousands of parents are losing their child.\ \ Together with them we demand:\ Ni una menos!\ Ani jednej więcej!\ Not one single one more!\ \ Safe abortions protect lives.

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Fühlt ein Embryo Schmerzen bei einer Abtreibung?

Abtreibungsgegner*innen behaupten oft, dass ein Schwangerschaftsabbruch dem Embryo/Fötus Schmerzen verursachen würde. Das ist falsch, sagen internationale gynäkologische Fachgesellschaften.

Die aktuelle Studienlage zeigt, dass ein Fötus bis zur 24. Schwangerschaftswoche nicht in der Lage ist, Schmerz zu empfinden. Das liegt daran, dass zum Einen das entsprechende Hirnareal, die Großhirnrinde, noch nicht ausgebildet ist und zum Anderen noch nicht genügend neuronale Verbindungen vorhanden sind. So können Signale zwischen Gehirn und dem Rest des Körpers noch nicht übertragen werden.

Zudem ist für die Wahrnehmung von Schmerz mehr als nur die Signalübertragung zum Gehirn notwendig. Erst mit der Entwicklung eines Bewusstseins können diese Signale interpretiert und beispielsweise als "schmerzhaft" oder "nicht schmerzhaft" gedeutet werden. Diese Fähigkeit eines Bewusstseins entwickelt sich auch erst in diesen späten Wochen. Bis zur Geburt befindet sich der Fötus aufgrund seiner chemischen Umgebung im Mutterleib in einer Art Bewusstlosigkeit, vergleichbar mit einer Narkose. Das bedeutet, selbst wenn Schmerz übertragen werden könnte, würde dies nicht wahrgenommen werden können.

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Ein Embryo ist ein Embryo

Wann beginnt menschliches Leben? Ab wann sprechen wir von einem Menschen? Ist ein Embryo/Fötus ein Mensch?

Dies sind Fragen, auf die es neben der ethischen und religiösen Betrachtung biologische Antworten gibt. Einige möchten wir in diesem Post geben:

  1. Nach der Verschmelzung von menschlicher Ei- und Samenzelle beginnt ein Prozess, an dessen Ende eventuell die Geburt eines Menschen steht.
  2. Es wird angenommen, dass etwa 50 % der Embryonen spontan zugrunde gehen, bevor die Schwangere die Schwangerschaft bemerkt. Von den klinisch bemerkten Schwangerschaften enden etwa 10-15 % in einem Abgang.
  3. Von einem Embryo sprechen wir bis zum Ende der 9. Schwangerschaftswoche. Am Ende der 7. Schwangerschaftswoche ist ein Embryo etwa 8 mm groß, am Ende der 9. Schwangerschaftswoche 2 cm.
  4. Ein Embryo ist (noch) kein Mensch, ebensowenig wie eine Kaulquappe ein Frosch ist. Es ist aber auch etwas anderes als ein "Zellhaufen". Ein Embryo hat das Potenzial, ein Mensch zu werden. Nicht weniger-aber auch nicht mehr.
  5. Ab der 10. Schwangerschaftswoche sprechen wir von einem Fötus.
  6. Mit der Geburt wird aus dem Fötus ein Kind/Baby, ein Mensch.

Wir möchten, dass in unseren Posts und Kommentaren die richtigen Begriffe verwendet werden: Ein Embryo/Fötus ist kein Kind/Baby. Ebensowenig ist eine Schwangere gleich eine Mutter und der Mann, dessen Samenzelle die Eizelle befruchtet hat, ist auch (noch) kein Vater.

Bei Abtreibungen wird umgangssprachlich gerne mal von "Die Mutter hat das Kind wegmachen lassen" oder "Baby töten" gesprochen. Das suggeriert falsche Bilder. Deshalb ist uns die Unterscheidung wichtig.

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Mifepriston und Misoprostol stehen auf der "Liste der unentbehrlichen Medikamente" der WHO

Die WHO (World Health Organisation) veröffentlicht alle 2 Jahre Listen der Medikamente, die in einem Gesundheitssystem verfügbar sein sollten. Es gibt eine Liste der Medikamente, deren Anwendung spezialisiertes medizinisches Wissen voraussetzt und eine Liste der unentbehrlichen Medikamente (Model List of essential Medicines) - die also jedes Basisgesundheitssystem zur Verfügung haben sollte.

Die Medikamente, die für einen medikamentösen Schwangerschaftsabbruch notwendig sind, heißen Mifepriston und Misoprostol. (Die Wirkweise haben wir in einem vorherigen Post bereits erklärt). Beide Medikamente wurden 2005 auf die Medikamentenliste gesetzt, die spezialisiertes medizinisches Wissen voraussetzt. Da es danach unzählige Studien gab, die die Sicherheit und einfache Handhabung von Mifepriston und Misoprostol bewiesen, sind sie seit 2019 auf die Liste der unentbehrlichen Medikamente verschoben worden.

Im Klartext heißt das also: die WHO hat die Medikamente, die für den medikamentösen Schwangerschaftsabbruch benötigt werden, als essentiell und unentbehrlich deklariert.

Auch deshalb ist es sehr kritisch zu sehen, dass Cytotec vor ein paar Monaten auf Anweisung des Bundesgesundheitsministerium quasi vom deutschen Markt genommen wurde (siehe vorherige Posts zu Cytotec).

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Viel mehr operative Schwangerschaftsabbrüche als erwünscht?

In Deutschland gibt es jährlich etwa 100.000 Schwangerschaftsabbrüche. Der Anteil der medikamentösen Methode liegt bundesweit bei etwa 30%, in manchen Bundesländern nur bei 10%. Das ist deutlich weniger als in Ländern, in denen beide Methoden gut verfügbar sind (60-70%).

Das bedeutet, dass im Jahr 20.000-30.000 ungewollt Schwangere operiert werden, obwohl sie die medikamentöse Methode wählen würden. Nur deshalb, weil es in ihrer Nähe keine Ärzt*in gibt, die bereit ist, ihnen die Medikamente zu geben.

Wir finden das einen Skandal!

Jede ungewollt Schwangere sollte entscheiden können, wie, wo und mit welcher Unterstützung sie die Schwangerschaft abbricht.

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Länder-Reihe: Was kann Deutschland von Österreich lernen?

Seit 1975 sind Schwangerschaftsabbrüche unter gesetzlich geregelten Bedingungen in Österreich straffrei. Schon 1954 wurde eine Kommission für die Ausarbeitung eines neuen Strafgesetzentwurfes einberufen, doch letztlich trat das neue Gesetz erst 1975 in Form einer Fristenregelung in Kraft. Diese besagt, dass der Abbruch einer Schwangerschaft bis zum dritten Monat ohne Angabe von Gründen straffrei von Ärzt*innen durchgeführt werden kann. Nach jahrzehntelangen Forderungen dürfen niedergelassene Gynäkolog*innen seit dem letzten Jahr die Abtreibungspille Mifegyne verschreiben, die bis zur 9. SSW eingesetzt werden und vor allem Menschen in ländlicheren Gebieten einen Abbruch erleichtern kann.

Das österreichische StGB nennt zwar auch ein Beratungsgespräch vor dem Schwangerschaftsabbruch, diese Beratung wird jedoch nicht im Detail definiert, wodurch eine Beratungspflicht de facto nicht existiert. Damit fallen im Gegensatz zu Deutschland die vorgeschriebene Wartezeit, die Beratung in einer Beratungsstelle und die inhaltlichen Vorgaben für die ärztliche Beratung weg.

Die Kosten für den Schwangerschaftsabbruch werden - außer nach medizinischer Indikation - nicht von der Krankenkasse übernommen.

Was können wir vom österreichischen Abtreibungsrecht lernen?

Ein Beratungsgespräch ist keine gesetzliche Voraussetzung für einen Schwangerschaftsabbruch. Auch die Wartezeit nach einem Beratungsgespräch stellt keine gesetzliche Pflicht dar.
 Obwohl das österreichische Abtreibungsrecht weiterhin zu einer Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen führt, erzeugt es durch die fehlende Beratungspflicht ein Vertrauen in die Entscheidungsfähigkeit ungewollt Schwangerer und ermöglicht einen freieren und selbstbestimmteren Zugang zu einem Schwangerschaftsabbruch.

Die Abbildung zeigt die österreichische Feministin und Politikerin Johanna Dohnal, die sich für das seit 1975 geltende Abtreibungsrecht in Österreich einsetzte. Auch nach der Gesetzesreform im Jahre 1975 endete Donahls Kampf gegen die körperliche Bevormundung und Illegalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen nicht – bis zu ihrem Tod im Jahre 2010 forderte sie eine umfangreiche Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen.

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Länder-Reihe: Was kann Deutschland von Neuseeland lernen?

In Neuseeland stand der Schwangerschaftsabbruch lange im Strafgesetzbuch. Ausnahmen für Inzest oder medizinische Gründen mussten von zwei Ärzt*innen bestätigt werden - was somit zu langen Verzögerungen (ca. 25 Tage!) geführt hat.

Seit März 2020 gehört er nun zu den öffentlichen Gesundheitsleistungen und kann bis zur 20. SSW durchgeführt werden. Danach ist er auch dann noch zulässig, wenn zwei Ärzt*innen dies für "klinisch angemessen" halten. Zur Beurteilung soll sowohl der physische und mentale Gesundheitszustand der Schwangeren sowie der allgemeine Gesundheitszustand und das Gestationsalter des Fötus herangezogen werden. Der Schwangerschaftsabbruch gehört zu den öffentlichen Gesundheitsleistungen und wird von der Krankenkasse übernommen. 

Alle medizinischen Informationen sowie eine Liste mit Adressen kann man direkt auf der Internetseite des Gesundheitsministeriums finden. Diese Liste soll vom Gesundheitsministerium regelmäßig bezüglich regionalen Versorgungslücken überprüft werden. Ungewollt Schwangere haben zudem ein Recht auf Beratung, welche jedoch keine Voraussetzung für den Schwangerschaftsabbruch darstellt.

Bis zur 9. Woche können medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche zu Hause und nicht nur von Ärzt*innen, sondern auch beispielsweise von ausgebildeten Hebammen oder Pflegekräften durchgeführt werden. Das medizinische Personal kann die Durchführung aus Gewissensgründen verweigern ("conscientious objection"), müssen aber die Patient*innen darüber frühestmöglichst (!) informieren und an alternative Ansprechpartner*innen zu verweisen, damit es keine Verzögerungen gibt.

Außerdem wurde im März 2021 ein Gesetzesentwurf in das neuseeländische Parlament eingebracht, welches die Einrichtung sog. "safe zones" um Abtreibungseinrichtungen vorsieht . Es bleibt abzuwarten, ob das Gesetz auch verabschiedet wird. 

Was können wir von Neuseeland lernen?

  • Eine Regelung außerhalb des Strafgesetzbuches ist möglich.
  • Es gibt ein Beratungsangebot, aber keine Beratungspflicht. Eine Beratung stellt also keine Voraussetzung für einen Schwangerschaftsabbruch dar.
  • Die Kosten werden übernommen.
  • Frühe medikamentöse Abbrüche können zu Hause und durch andere Fachkräfte als Ärzt*innen durchgeführt werden.
  • Zugangsbarrieren für ungewollt Schwangere können trotz Gewissensklausel verringert werden, indem Ärzt*innen an Kolleg*innen, die Abbrüche durchführen, verweisen müssen. Informationen und Listen mit Ansprechpartner*innen sind öffentlich verfügbar und leicht zugänglich.

Auf dem Bild ist die Gynäkologin Margaret Sparrow abgebildet, lange Zeit Präsidentin der "Abortion Law Reform Association of New Zealand". Sie sorgte u.a. dafür, dass Mifegyne (Mifepristone) für den medikamentösen Abbruch nach Neuseeland eingeführt wurde. Sie forscht und schreibt über die neuseeländische Geschichte des Schwangerschaftsabbruches. Außerdem hat sie im Laufe ihres Lebens zahlreiche Verhütungsmittel und Abbruchgegenständen gesammelt, die sie später an ein Museum spendete. Sie hat mehrere Auszeichnungen gewonnen und wurde 2020 - im Jahr der Legalisierung - zur "Senior New Zealander of the Year" gewählt.

Quellen:

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Länder-Reihe: Was kann Deutschland von Kanada lernen?

Kanada ist eines der wenigen Ländern, in denen Schwangerschaftsabbrüche nicht per Gesetz geregelt sind. Sie werden daher wie jeder andere medizinische Eingriff behandelt: Es gibt eine Aufklärung durch Ärzt*innen, optional eine professionelle Beratung und die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen.

Wie kam es dazu?

Bis 1969 waren Abtreibungen in Kanada noch illegal und auch danach nur erlaubt, wenn die Gesundheit oder sogar das Leben der schwangeren Person gefährdet war. Und selbst wenn das der Fall war, musste eine Kommission aus drei Mediziner*innen ihre Einwilligung geben.

Der Arzt Dr. Henry Morgentaler wollte ungewollt schwangeren Frauen einen leichteren Zugang ermöglichen und führte Abtreibungen in den 70ern und 80ern in einer privaten, gemeinnützigen Klinik in Montreal durch. Da er sich damit jedoch auf illegalem Terrain bewegte, wurde er mehrmals verhaftet und bestraft. Zwischendurch saß er auch im Gefängnis.

Morgentalers ziviler Ungehorsam zeigte jedoch positive Konsequenzen für die sexuelle Selbstbestimmung von ungewollt Schwangeren: Der Fall ging bis vor das Oberste Gericht und das Gesetz wurde 1988 für verfassungswidrig erklärt. Die Streichung wurde damit begründet, dass das erzwungene Austragen einer ungewollten Schwangerschaft gegen das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit von Frauen verstoßen würde. Seitdem gab es zwar immer wieder Entwürfe, Schwangerschaftsabbrüche juristisch neu zu regeln, aber bis heute gibt es dazu nichts, absolut gar nichts im Gesetzbuch.

Was können wir von Kanada lernen? Es ist möglich, den Schwangerschaftsabbruch ohne negative Folgen aus dem Gesetzbuch zu streichen. Entgegen vieler Befürchtungen in Kanada, dass Schwangere ohne gesetzliche Regelung "bis zur Geburt" abtreiben, kommen die meisten in den ersten Schwangerschaftswochen zum Abbruch. Knapp 95% der Abbrüche finden vor der 14. Schwangerschaftswoche statt. Der freie Zugang hat auch dazu geführt, dass Kanada die geringste Zahl an Komplikationen und Müttersterblichkeit auf der ganzen Welt hat.

Der Schwangerschaftsabbruch sollte in medizinischen Lehrbüchern stehen – nicht im Gesetzbuch!

Quellen:

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Länder-Reihe: Was kann Deutschland von Irland lernen?

Bis 2018 hatte Irland eine der strengsten Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch in Europa, stark geprägt durch die katholische Kirche. Selbst bei Vergewaltigung, Inzest und schwersten Missbildungen des Fötus waren Schwangerschaftsabbrüche nicht erlaubt.

Als eine Schwangere 2012 an einer Blutvergiftung starb, weil Ärzt*innen ihr mit Verweis auf die Gesetzgebung einen Schwangerschaftsabbruch verwehrten, kam es zu Massenprotesten.

Die Regierung geriet zunehmend unter Druck. 2018 wurde mit einer überraschenden Mehrheit von 66,4 % der Stimmberechtigten einer Verfassungsänderung zugestimmt. Nicht zuletzt dank starker Kampagnen wie "together for Yes". Damit wurde der Weg für eine Regelung außerhalb des Strafgesetzbuches geebnet.

Das eigens dafür geschaffene Gesetz zum Schwangerschaftsabbruch legt u.a. fest,

  • dass eine Abtreibung bis zur 12. Woche (p.m.) möglich ist,
  • dass zwischen der ärztlichen Bescheinigung der Schwangerschaftswoche und dem Eingriff 3 Tage liegen müssen,
  • dass aus medizinischen Gründen ein Abbruch auch nach der 12. Woche möglich ist
  • dass die Kosten übernommen werden, wenn die Person in Irland lebt

Ärzt*innen und Kliniken, die keine Abtreibungen anbieten, dürfen niemanden ab-, sondern müssen die Patient*innen überweisen. Auf einer eigens eingerichteten Website und via Hotline können alle Betroffenen erfahren, an wen sie sich wenden können.

Was können wir von Irland lernen?

  • Die Kosten werden übernommen
  • Auch Hausärzt*innen können den medikamentösen Eingriff bis zur 9. Woche vornehmen
  • Keine Beratungspflicht, aber Beratung und Information werden leicht zugänglich durch eine staatliche Stelle angeboten
  • Eine angemessene Regelung außerhalb des Strafgesetzbuches ist möglich, eine Änderung im Grundgesetz dazu u.U. sinnvoll.

Quellen:

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Länder-Reihe: Was kann Deutschland von Frankreich lernen?

Nach jahrzehntelangen Debatten um Verhütung und Abtreibung wurde 1975 in Frankreich La Loi Veil, das französische Gesetz zum "Schwangerschaftsabbruch auf Verlangen", verabschiedet. Benannt wurde das Gesetz nach der damaligen Gesundheitsministerin Simone Veil, die sich für die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs stark machte.

Das Gesetz, das in seiner ursprünglichen Form harte Voraussetzungen für einen Schwangerschaftsabbruch beinhaltete, ist in der Vergangenheit wiederholt überarbeitet und modernisiert worden. So wurde bereits 1982 die Kostenübernahme durch Krankenkassen geregelt, die allgemeine Verpflichtung öffentlicher Krankenhäuser zur Durchführung eines "Abbruchs auf Verlangen" eingeführt und 1992 die Behinderung von Schwangerschaftsabbrüchen zur Straftat erklärt.

Die ursprünglich festgelegte Frist von 10 Wochen wurde auf 12 erweitert und eine weitere Erweiterung auf 14 Wochen steht aktuell zur Debatte.

2001 wurde die bis dahin im Gesetzestext festgelegte „Zwangsberatung“ sowie die zwangsläufige Einwilligung der Eltern bei Schwangerschaftsabbrüchen von Minderjährigen abgeschafft.

Seit 2004 sind medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche auch außerhalb des Krankenhauses in zugelassenen Praxen möglich, seit 2015 dürfen medikamentöse Abbrüche außerdem von Hebammen vorgenommen und operative Abbrüche in Gesundheitszentren durchgeführt werden. Die Möglichkeit des medikamentösen Abbruchs durch das Medikament Mifegyne zog einen Anstieg dieser Methode auf 49% der Gesamtzahl der vorgenommenen Abbrüche seit Gesetzesänderung nach sich. Dies zeigt die Notwendigkeit von rasch durchführbaren Abbrüchen für Betroffene.

Auch die ehemalige Bedenkzeit von 7 Tagen ist 2015 abgeschafft worden. Nun gilt lediglich eine Bedenkzeit von 2 Tagen für Minderjährige, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen möchten.

2014 wurde außerdem der Begriff der „Notlage“ aus dem Gesetz gestrichen. Zuvor hieß es, dass ein Schwangerschaftsabbruch dann erlaubt sei, wenn die Schwangerschaft die betroffene Person „in eine Notlage versetzt.“ Heute gilt die Erlaubnis allgemein Personen, die einen Abbruch der Schwangerschaft wünschen.

Seit 2017 zählt auch die Online-Verbreitung von irreführenden Behauptungen rund um den Schwangerschaftsabbruch zur "Behinderung der Abtreibung". Entsprechende Seiten werden gelöscht und die Betreiber*innen werden mit einer Geld- oder Haftstrafe geahndet.

Was wir von Frankreich lernen können:

  • Regelung zum Schwangerschaftsabbruch im Gesundheitsgesetz und nicht im Strafgesetzbuch
  • Das Behindern von Schwangerschaftsabbrüchen (auch durch Verbreiten von Falschinformationen auf Webseiten) ist eine Straftat
  • Kostenübernahme durch die Krankenkassen
  • Medikamentöse Abbrüche durch Hebammen möglich
  • Operative Abbrüche in Gesundheitszentren
  • Abschaffung der Bedenkzeit

Quellen:

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Länder-Reihe: Was kann Deutschland von Argentinien lernen?

"ES LEY!" ("Es ist Gesetz") - eine Botschaft, die die Leben tausender Argentinier*innen veränderte, als sie am 30.12.2020 vor dem Kongress in Buenos Aires geschrieben stand. Nach Uruguay und Guyana hat Argentinien als drittes südamerikanisches Land Schwangerschaftsabbrüche legalisiert und damit eine Vorreiterrolle in der Region eingenommen. 38 Senator*innen, die für das Gesetz stimmten, setzten sich gegenüber 29 Gegenstimmen durch und ermöglichten die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in den ersten 14 Schwangerschaftswochen p.c..

Bis Ende letzten Jahres galt Argentinien als eines der Länder mit den restriktivsten Abtreibungsgesetzen weltweit. Basierend auf einem Gesetz von 1922 waren Schwangerschaftsabbrüche in Argentinien bis zu diesem Zeitpunkt illegal und ungewollt Schwangeren sowie Hebammen, ärztlichem Personal und anderen Personen, die in den Schwangerschaftsabbruch involviert waren, drohten Haftstrafen zwischen 1 und 15 Jahren.

Ein Schwangerschaftsabbruch war lediglich in zwei Situationen zulässig:

  1. wenn Gefahr für die Gesundheit oder das Leben der ungewollt Schwangeren bestand und diese nicht auf andere Weise abgewendet werden konnte
  2. wenn die Schwangerschaft Folge der Vergewaltigung einer geistig behinderten Frau war*

Seit den 1970ern hatten feministische Bewegungen gegen das strikte Abtreibungsgesetz protestiert und sich für die Option der freiwilligen Beendigung einer Schwangerschaft eingesetzt. Noch 2018 scheiterte ein vom ehemaligen Präsidenten Mauricio Macri vorgelegter Gesetzesentwurf für ein liberales Abtreibungsrecht im Parlament knapp, u. a. auf Druck der katholischen Kirche hin. Sein Nachfolger, der Mitte-links-orientierte Präsident Fernández trieb das aktuelle Gesetz voran und löste mit seiner Verabschiedung ein Wahlversprechen ein.

Die Regierung schätzt, dass bis Ende letzten Jahres jährlich 370.000 bis 520.000 Frauen illegale Abtreibungen vornehmen ließen. Mehr als 38.000 Frauen seien jährlich aufgrund von Komplikationen ins Krankenhaus eingeliefert worden und mehr als 3.000 Frauen seit 1983 deshalb gestorben.

Im Rahmen des neuen Gesetzes werden Ärzt*innen nun verpflichtet, innerhalb eines Zeitraums von zehn Tagen eine gewünschte Abtreibung durchzuführen. Die Kosten für die Beendigung der Schwangerschaft trägt das öffentliche Gesundheitssystem.

Was können wir von Argentinien lernen?

  • Trotz erheblichen Gegenwindes durch konservative Parteien und die katholische Kirche, haben pro-choice Bewegungen sich nicht entmutigen lassen und ihr jahrelanger Widerstand hat Erfolg gezeigt.
  • Die Kosten werden durch das öffentliche Gesundheitssystem getragen. Ärzt*innen sind gesetzlich dazu verpflichtet innerhalb von 10 Tagen einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen.

*übersetzt aus dem originalen Gesetzesentwurf

Quellen:

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Und was ist mit den Männern?

An jeder ungeplanten Schwangerschaft sind auch Spermien beteiligt, die in den meisten Fällen von einem Mann stammen. Da alle Studien dazu von einem heterosexuellen Paar Frau/Mann ausgehen, sprechen wir in diesem Posts ausschließlich von Männern als Partnern.

Häufig wird in der Beratung von Schwangeren bei den Gründen für den Abbruch die Beziehung zum Partner genannt- entweder, weil er abwesend ist, die Beziehung sich schwierig gestaltet, die psychische Belastung für ihn zu groß wäre oder er kein (weiteres) Kind möchte oder die gemeinsame finanzielle Situation problematisch ist.

Viele Männer wünschen sich eine aktive Rolle im Entscheidungsprozess und eine Unterstützung seinerseits wirkt sich positiv auf das Erleben der ungewollt Schwangeren aus. So kann eine gemeinsam getroffene Entscheidung zum Abbruch einer Schwangerschaft wie andere kritische Lebensereignisse eine Partnerschaft auch stärken.

Gleichzeitig müssen wir verstehen, dass eine Schwangerschaft - egal ob sie mit einer Geburt oder einem Abbruch endet - sich 100% im Körper der Schwangeren abspielt und der Schwangeren deshalb das Recht vorbehalten werden muss, über diesen Körper selbstständig entscheiden zu können. Eine schwedische Studie zeigt, dass viele Männer diese Forderung unterstützen, aber am Entscheidungsprozess teilhaben möchten.

Quellen:

Kero, A.: Psychosocial factors. In Rowlands, S. (Hrsg.), Abortion Care (2014). Cambridge University Press

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Statistik zu Schwangerschaftsabbrüchen: Familienstand

Welche Lebensumstände assoziiert ihr mit einem Schwangerschaftsabbruch?

In Serien und Filmen werden oft junge Single-Frauen portraitiert, die "zu dämlich zum Verhüten waren" oder naive Paare, die erst seit kurzem zusammen sind und noch nicht bereit für so eine "Verantwortung" sind. Solche Beispiele gibt es sicherlich auch in der Realität, aber wusstet ihr, dass fast 40% der Personen, die einen Schwangerschaftsabbruch haben, verheiratet sind?

Zwar geben laut der Studie "frauen leben 3" ein Drittel der Befragten die „schwierige Partnerschaftssituation" als Grund für einen Schwangerschaftsabbruch an, aber es bedeutet auch, dass dies bei zwei Drittel keine Rolle gespielt hat. Schwangerschaftsabbrüche können auch in Beziehungen, in Partnerschaften ohne Schwierigkeiten, stattfinden. Eine ungewollte Schwangerschaft muss nicht für ein Beziehungsende sorgen, es kann eine Beziehung auch stärken.

Letztendlich lohnt sich der Blick in die Bundesstatistik sowie Studien zu dem Thema immer, um zu zeigen wie divers und unterschiedlich die Realitäten von ungewollt Schwangeren eigentlich sind. Auch wenn uns Medien dies gerne vorgaukeln, gibt es nicht den "klassischen Typ Frau", der schwanger wird und abtreibt. Es gibt junge und alte, verheiratete und Single-, kinderlose und kinderreiche Schwangere. Es gibt zahlreiche Gründe, eine Schwangerschaft nicht fortsetzen zu wollen oder können. Es wird Zeit, dass wir diese zu hören bekommen und als Gesellschaft respektieren können.

Anmerkung: Hinzu kommt, dass das Statistische Bundesamt beim Familienstand nur die Kategorien "ledig", "verheiratet", "verwitwet" und. "geschieden" unterscheidet. In der Statistik fehlen also noch diejenigen, die nicht verheiratet, aber beispielsweise in einer festen Partnerschaft sind.

Quellen:

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Augsburg

Es werden immer weniger Ärzt*innen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Deshalb haben ungewollt Schwangere in vielen Städten und Regionen bereits jetzt Probleme, einen Arzt oder Ärztin für eine Abtreibung zu finden. Zudem ist es schwer, Ärzt*innen bei einer Online-Recherche überhaupt erst zu finden. Denn durch den §219a StGB dürfen Ärzt*innen beispielsweise auf ihrer Homepage nicht über Schwangerschaftsabbrüche informieren. (Weitere Informationen zu dem Thema, findet ihr in den Posts zu §219 von uns.)

Als Unterstützungsangebot hat die deutsche Bundesregierung deshalb Anfang 2019 eine Liste bei der Bundesärztekammer in Auftrag gegeben, in der sich Praxen und Kliniken, die Abbrüche durchführen, freiwillig eintragen können. Das Problem ist, dass diese Liste alles andere als vollständig ist. Viele Ärzt*innen entscheiden sich z.B. bewusst dagegen, auf der Liste aufzutauchen, weil sie Angst vor den Anfeindungen durch Abtreibungsgegnerinnen haben. Außerdem fehlen oft weitere nützliche Angaben: z.B. zu den Methoden oder darüber, bis zu welcher Schwangerschaftswoche die Abbrüche durchgeführt werden. All solche Informationen findet man also erst nach einem ersten Gespräch mit der Praxis heraus.

Aber wie sieht denn die Versorgungssituation in manchen Städten ganz konkret aus? In Augsburg - einer Stadt mit fast 300.000 Einwohner*innen - findet sich kein einziger Eintrag auf der Liste. Obwohl von den 1595 Arztpraxen mindestens 101 gynäkologische Arztpraxen sind [1], führt wohl keiner dieser Gynäkolog*innen Abbrüche durch. Ungewollt Schwangere müssen ca. 70km nach München zurücklegen, wenn sie einen Schwangerschaftsabbruch haben wollen.

[1] Es gibt keine öffentlichen Statistiken über die Anzahl von Fachpraxen in einer Stadt. Zur Orientierung und groben Annäherung haben wir deshalb die Einträge im Bewertungsportal Jameda gezählt.

Quellen:

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Etwa 10-20% aller Schwangerschaften enden von alleine.

Etwa 10 - 20 % aller Schwangerschaften enden von alleine. Dies wird Spontanabort genannt und passiert meistens vor der 8. Schwangerschaftswoche. Etwa jede 5.-6. Frau erlebt einmal in ihrem Leben einen Spontanabort.

Was passiert denn bei einem Spontanabort genau? In den allermeisten Fällen ist der Grund eine genetische Veränderung, mit der der angelegte Embryo nicht lebensfähig ist. Er stirbt zu einem sehr frühen Zeitpunkt ab, meistens bevor er weniger als 1 cm groß ist. Der Körper merkt dies durch das Fehlen von bestimmten Hormonen und im Verlauf kommt es dazu, dass eine Blutung einsetzt. Manchmal dauert das 2-6 Wochen.

Ein Spontanabort ist nicht gefährlich, es gibt nur sehr seltene Fällen, bei denen die Blutung so stark ist und nicht von alleine aufhört, dass die Betroffenen ärztliche Hilfe brauchen. Wenn eine Schwangere nicht warten will, dass die Blutung von alleine einsetzt, kann sie Medikamente bekommen, die die Blutung auslösen. Dies kann im Krankenhaus oder in einem selbstbestimmten Setting (beispielsweise zu Hause) durchgeführt werden. Oder es kann eine Absaugung gemacht werden. Medizinisch sind alle drei Möglichkeiten (abwarten, Medikamente, OP) gleichwertig.

Im Vergleich dazu: ein medikamentöser Schwangerschaftsabbruch ist quasi ein ausgelöster Abort. Die Blutung verläuft genauso wie bei einem Spontanabort. Der einzige Unterschied ist, dass es durch die Medikamente manchmal zu Nebenwirkungen wie Übelkeit kommen kann.

Was viele nicht wissen: Auch bei einem Spontanabort haben die Schwangeren theoretisch Anspruch auf eine Hebammenbegleitung.

Quellen:

  • RCOG-Guideline: National Institute for Health and Care Excellence. (2019). Ectopic pregnancy and miscarriage: diagnosis and initial management NICE guideline [NG126]. https://www.nice.org.uk/guidance/ng126.
  • García-Enguídanos et al. (2002): Risk Factors in Miscarriage: A Review. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol.
  • Moradinazar et al. (2020): Lifetime Prevalence of Abortion and Risk Factors in Women: Evidence From a Cohort Study. J Pregnancy
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"Ein Kind hätte überhaupt nicht in dieses Leben gepasst."

Es gibt viele Gründe dafür, eine Schwangerschaft abzubrechen. Sie sind so vielfaltig wie die Menschen, die sich dazu entscheiden.

Aus den Zahlen vom Statistischen Bundesamt (2020) wissen wir aus welchen Indikationen ein Abbruch erfolgt:

  • 96,2 % Beratungsregelung
  • 3,8 % medizinische Indikation
  • 0 % kriminologische Indikation

Aber was steckt hinter diesen Zahlen? Eine Studie der BZGA hat Personen, die abgetrieben haben, nach den Gründen gefragt. Folgendes wurde häufig genannt:

  • schwierige/unsichere Partnerschaften
  • finanzielle/berufliche Unsicherheiten
  • fehlende Zukunftsperspektiven hinsichtlich eines oder weiterer Kinder

Diese Gründe fallen alle unter die Beratungsregelung, bei der die ungewollt Schwangere sich in einer staatlich anerkannten Beratungsstelle beraten lassen muss. Sie muss hier aber keine Gründe nennen, wenn sie einen Abbruch möchte und es wird auch von niemanden beurteilt, ob der Grund ausreichend erscheint. Die Bedingung ist, dass die Schwangerschaft nicht weiter ist als 14 Wochen nach der letzten Menstruation.

Eine medizinische Indikation bekommt eine Schwangere, wenn die Schwangerschaft eine körperliche oder psychische Gefährdung für sie darstellt. Diese Indikation wird meistens ausgestellt, wenn Behinderungen des Fötus festgestellt wurden. Es liegt hier aber im Ermessen der Ärzt*innen, ob sie die Gefährdung der Schwangeren ausreichend für eine Indikation findet. Es gibt hier keine Grenze des Schwangerschaftsalters.

Eine kriminologische Indikation wird dann ausgestellt, wenn die Schwangerschaft durch eine Vergewaltigung entstanden ist oder wenn die Schwangere noch nicht 14 Jahre alt ist. In Deutschland wird diese Indikation fast nie ausgestellt. Wir müssen davon ausgehen, dass einige Abbrüche nach der Beratungsregelung durchgeführt werden, obwohl die Schwangere vergewaltigt wurde. Entweder, weil die Schwangere es nicht sagt oder weil Ärzt*innen nicht wissen, dass sie auch eine kriminologische Indikation ausstellen können.

Aber sind die Gründe eigentlich so wichtig für die Beurteilung durch Außenstehende? Wir finden: Letztendlich zählt, dass Schwangere / Paare zum Entschluss kommen, "es passt einfach gerade nicht in unser leben" .

Quellen:

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Was haben Jens Spahn und Ronald Reagan gemeinsam?

Im Februar 2019 kündigte der Gesundheitsminister Jens Spahn im Zuge der geplanten Reform des §219a StGB an, eine große Studie zu den „seelischen Folgen“ eines Schwangerschaftsabbruchs in Auftrag zu geben. Obwohl wissenschaftliche Studien zum Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich fehlen, wurde dieses Vorhaben damals allerdings viel und scharf kritisiert. Denn dass ungewollt Schwangere nach einer bzw. durch eine Abtreibung psychisch krank werden ist schon lange wissenschaftlich widerlegt (wir haben zum sog. "Post-Abortion-Syndrom" bereits einige Posts erstellt)*

Interessant ist, dass Spahn nicht der erste Politiker war, der eine solche Idee hatte. Auch in den USA hat es in den 80er Jahren ganz ähnlich begonnen:

Ein hochkarätiges Panel unter Präsident Ronald Reagan geleitet von Surgeon General C. Everett Koop, (beide aus der „Anti-Abortion“-Bewegung) sollte die psychischen Folgen von Abtreibungen auf wissenschaftlicher Basis feststellen. Nach intensiver Recherche (1987-1989) entschied Koop, dass es keine ausreichende Evidenz dafür gäbe. Der Report wurde nicht veröffentlicht. Anstatt dessen schrieb Koop einen Brief an Reagan, in dem er bedauert, keine Evidenz für gesundheitliche Schäden einer Abtreibung gefunden zu haben.

Was aber aus der Recherche hervorgeht:

  • es gibt keine negativen Folgen wie Unfruchtbarkeit, Fehl- oder Frühgeburten
  • das Risiko an einer Abtreibung zu sterben, fiel nach der Legalisierung von 4 auf 0,5/100.000 und ist damit 7 mal niedriger als das Risiko für einen Tod bei einer normalen Geburt

Zurück zur "Spahn-Studie": glücklicherweise wurde das ursprüngliche Forschungsvorhaben nun etwas ausgedehnt. Die Ausschreibung der Studie hat nämlich eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen gewonnen, deren Fokussierung vor allem darauf liegt, welche Auswirkungen die mangelnde Versorgungslage auf ungewollt Schwangere hat. Wer mehr über diese Studie erfahren will, kann gerne auf www.elsa-studie.de vorbeischauen.

Quellen:

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Abstimmung im Bundestag zur Reform bzw. Abschaffung des §219a StGB

In einigen Wochen ist Bundestagswahl. Die Wahl wird auch sehr wichtig für das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche. Wer überprüfen will, wie die Parteien zu bestimmten Themen stehen, sollte nicht nur einen Blick auf Wahlprogramme und Versprechen für die Zukunft werfen, sondern auch bereits erfolgte Taten aus der Vergangenheit anschauen.

In der letzten Legislaturperiode wurde bereits einmal über den §219a StGB debattiert, nachdem mehrere Parteien Gesetzesentwürfe in den Bundestag eingebracht haben. Die Entwürfe der Grünen und der Linken sahen eine komplette Aufhebung des §219a StGB vor. Das gefiel den Regierungsparteien CDU/CSU und SPD nicht. Deswegen habe sie einen eigenen Gesetzentwurf erarbeitet, der keine Streichung, sondern nur eine Veränderung der Gesetzeslage vorsah.

Wie haben die Parteien denn nun genau über die einzelnen Gesetzesentwürfe im Februar 2019 abgestimmt?

  1. Die Anträge von der Partei Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen wurden mit Stimmen der CDU/CSU, AfD und SPD abgelehnt. Grüne und Linken stimmten geschlossen dafür, die FDP war geteilter Meinung, stimmte mehrheitlich dafür.
  2. Der Antrag von CDU/CSU und SPD wurde hingegen mittels Stimmen der CDU/CSU und SPD angenommen. Die anderen Parteien FDP, Linke, Grüne und AfD (1 Ausnahme) stimmten geschlossen dagegen. Seitdem wurde diese "Gesetzesreform" von vielen kritisiert, denn sie ist alles andere als zufriedenstellend. Ärzt*innen dürfen nun (z.B. auf ihrer Webseite) benennen, dass sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Alle weiterführenden Informationen, wie z. B. die Methoden, bleiben aber weiterhin rechtswidrig. Eine öffentliche Liste mit allen "Abbruchspraxen und -kliniken" ist mehr als unvollständig und unzureichend.

Auch wenn sowohl die Parteien Linke, Grüne, FDP und SPD die Abschaffung des §219a StGB in ihrem aktuellen Wahlprogramm festgelegt haben, sah der Wille zur tatsächlichen Umsetzung dieser Forderung in den einzelnen Parteien in der Vergangenheit sehr unterschiedlich aus. Für uns ist klar: Wer für Rechtssicherheit sorgen möchte und sachliche und fachlich korrekte Aufklärung durch Ärzt*innen ermöglichen möchte, sollte für die Abschaffung des Paragraphen 219a einstehen.

Quellen:

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"Women on Web" auch in Deutschland notwendig: Teil 1

In Ländern mit strengen Abtreibungsgesetzen sind gemeinnützige Organisationen wie “Women on web” für Tausende von ungewollt Schwangeren lebensrettend. Denn die NGO (Nichtregierungsorganisation) verschickt die notwendigen Medikamente nach Hause und berät die Schwangeren komplett telemedizinisch.

Nicht relevant für Deutschland? Aber doch!

Im April 2019 hat "Women on Web" ihren Service auch für Deutschland eröffnet und bis Ende 2019 1205 Anfragen von ungewollt Schwangeren aus Deutschland erhalten.

Als Gründe (Mehrfachnennungen waren möglich) nannten die Betroffenen sowohl die Stärkung der Autonomie und Selbstbestimmung durch die Durchführung im gewohnten, privaten Umfeld (44-48%) als auch den Mangel an Autonomie durch Verurteilung durch die Familie oder ihr nahes Umfeld und daher den Wunsch nach Geheimhaltung (48%). 5% gaben an, Gewalt im häuslichen Umfeld zu erleben und deshalb die Abtreibung geheim halten zu wollen. 6% wurden vergewaltigt. Aber es werden auch andere Gründe genannt: Angst vor Stigmatisierung (37%), finanzielle Gründe (40%), logistische Barrieren (11%) sowie bisherige schlechte, stigmatisierende Erfahrungen bei behandelnden Ärzt*innen.

Das Modellprojekt "Schwangerschaftsabbruch zuhause" möchte diese Versorgungslücke schließen, indem es einen telemedizinisch begleiteten medikamentösen Abbruch anbietet - d. h. wie bei Women on Web finden die Termine per (Video-) Anruf statt und die Medikamente werden nach Hause versandt. Mehr Infos gibt es unter www.schwangerschaftsabbruch-zuhause.de

Quellen:

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Telemedizin: Zu Hause - aber nicht allein

Werde ich bei einem "Schwangerschaftsabbruch zuhause" alleingelassen? Im ersten Moment ist das von Vielen die erste Sorge, wenn sie von dieser Möglichkeit hören. "Zuhause" ist aber nicht gleichzusetzen mit "alleine" oder "alleingelassen". Vielmehr ist die Telemedizin eine Chance, ungewollt Schwangere zu versorgen, wenn es in Wohnortnähe keine Praxis gibt, die Abbrüche durchführt. Oder für die Schwangeren, die lieber von einer vertrauten Person zuhause bei der Blutung unterstützt werden.

Viele Studien zeigen, dass die Patient*innen nach einem telemedizinisch begleitenden Schwangerschaftsabbruch zufrieden mit der Methode sind. Für die Studie von Erlank et al. (2020) wurden Patient*innen genauer zum Ablauf befragt. 97,9% der Patient*innen gaben an, genug Informationen gehabt zu haben, um die Medikamente selbstständig zu Hause einnehmen zu können. 87,4% hatten keinerlei Sorgen bezüglich der Durchführung und Sicherheit im häuslichen Umfeld. Und 96,2% gaben an, die Schmerzen ebenfalls ausreichend zuhause mit Schmerzmittel bewältigen zu können.

In Deutschland gibt es ein Modellprojekt, das die telemedizinische Methode nun auch hier etablieren möchte. Mehr Informationen gibt es auf: www.schwangerschaftsabbruch-zuhause.de und bei @doctorsforchoicegermany.

Quellen:

Erlank et al. (2020): Acceptability of no-test medical abortion provided via telemedicine during Covid-19: analysis of patient- reported outcomes

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Telemedizin: 95% sind mit der Betreuung zufrieden

Telemedizin wird immer häufiger bei verschiedenen medizinischen Problemen angewandt. Durch die Covid-19-Pandemie hat diese Art der Betreuung eine verstärkte Aufmerksamkeit bekommen und einige Regierungen haben auf die Probleme der Versorgungslage mit einer Vereinfachung reagiert. So wurde beispielsweise in Großbritannien der telemedizinische medikamentöse Abbruch bis zur 12. SSW zugelassen. Das bedeutet, die Medikamente werden nach einer telemedizinischen Beratung nach Hause versandt und dort selbstständig eingenommen. Eine vorherige gynäkologische Untersuchung ist nicht zwingend notwendig, die Bestimmung des Schwangerschaftsalters mittels der Menstruation ist ausreichend.

Seitdem sind zahlreiche Studien erschienen, die zeigen, dass "Schwangerschaftsabbruch zuhause" sicher und die Akzeptanz bei den Patient*innen hoch ist.

So geben die aktuellen Studien aus Großbritannien an, dass ca. 95% der Patient*innen mit der telemedizinischen Methode zufrieden und ca. 70-90% sich - im Falle einer erneut notwendigen Abtreibung - wieder für einen "Schwangerschaftsabbruch zuhause" entscheiden würden. Auch Studien aus anderen Ländern berichten über eine hohe Akzeptanz und Zufriedenheit der Patient*innen.

In Deutschland gibt es ein Modellprojekt, was die telemedizinische Methode nun auch hier anbietet. Mehr Informationen gibt es auf: www.schwangerschaftsabbruch-zuhause.de und bei @doctorsforchoicegermany.

Quellen:

  • Aiken et al (2021): Effectiveness, safety and acceptability of no-test medical abortion (termination of pregnancy) provided via telemedicine: a national cohort study
  • Reynolds-Wright et al. (2021): Telemedicine medical abortion at home under 12 weeks’ gestation: a prospective observational cohort study during the COVID-19 pandemic
  • Erlank et al. (2020): Acceptability of no-test medical abortion provided via telemedicine during Covid-19: analysis of patient- reported outcomes
  • Endler et al. (2019): Telemedicine for medical abortion: a systematic review
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Wir suchen Verstärkung!

Wir suchen Mitstreiter*innen!

Ihr interessiert euch für feministische Themen, folgt unserem Kanal und habt euch dadurch mit den §218 und §219a auseinandergesetzt? Jetzt habt ihr auch Lust, politische Missstände zu benennen und aktiv gegen diese zu arbeiten - und das alles mit richtig coolen Leuten? Dann seid ihr bei uns richtig! Denn wir benötigen dringend helfende Hände!

Konkret könntet ihr euch beispielsweise einbringen, indem ihr z.B.:

  • Fakten recherchiert und informationen zum Schwangerschaftsabbruch sammelt
  • Texte schreibt
  • Texte korrigiert
  • Grafiken zu den Texten erstellt
  • die Social-Media-Kanäle (Instagram, Twitter, Facebook) betreibt
  • den Postkartenversand koordiniert
  • die Webseite aktualisiert
  • Fundraising organisiert
  • neue Ideen einbringt und die Kampagne mit und weiterentwickelt

Wir erwarten nicht, dass ihr schon Erfahrung habt, bereits irgendwo aktiv seid oder alle wissenschaftlichen Texte auswendig kennt. Dafür bekommt ihr von uns eine Bezugsperson aus dem Team, die euch einarbeitet und euch für etwaige Fragen zur Verfügung steht. Das einzige was wir uns von euch wünschen: eine aktive Mitarbeit und viel Motivation!

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Abstimmung im Bundestag zum "Gesetz zur reproduktiven Gerechtigkeit"

In einigen Wochen ist Bundestagswahl. Die Wahl wird auch sehr wichtig für das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche. Wer überprüfen will, wie die Parteien zu bestimmten Themen stehen, sollte nicht nur einen Blick auf Wahlprogramme und Versprechen für die Zukunft werfen, sondern auch bereits erfolgte Taten aus der Vergangenheit anschauen.

Erst im März diesen Jahres wurde ein Antrag der Linksfraktion für ein Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung und reproduktive Gerechtigkei in den Bundestag eingebracht. Dabei geht es nicht nur um den Schwangerschaftsabbruch, sondern die allgemeine Forderung an die Bundesregierung ein „Gesetz zur Sicherung reproduktiver Rechte“ zu erstellen. In dem Gesetz soll beispielsweise inkludiert sein:

  • Schwangerschaftsabbrüchen und die Nachsorge als Teil der Gesundheitsversorgung
  • Kostenübernahme von Verhütungsmitteln, Schwangerschaftsabbrüchen und Kinderwunschbehandlungen
  • das Recht auf umfassende (ggf. anonyme) Beratung zu Fragen der Sexualität/ Verhütung/ Familienplanung.

Der Antrag der Linksfraktion wurde am 24.06 im Bundestag abgelehnt. Dabei haben die Parteien CDU/CSU, AfD, FDP und SPD geschlossen dagegen gestimmt, während lediglich die Parteien DIE LINKE und Bündnis 90/Die Grünen für den Antrag gestimmt haben.

Auch wenn es sich bei diesem Antrag nicht ausschließlich um den Schwangerschaftsabbruch drehte, kann es trotzdem interessant und von Bedeutung sein, wie Parteien allgemein zu Themen rund um reproduktive Gerechtigkeit stehen.

Abschließend können wir nur sagen: Augen auf bei der Bundestagswahl. Überlegt, welche Themen euch wichtig sind und informiert euch dann über die einzelnen Parteien: Wofür stehen sie? Was fordern sie? Und wie haben sie in der Vergangenheit gehandelt? Wenn euch das Thema Schwangerschaftsabbruch/ reproduktive Gerechtigkeit und Gesundheit am Herzen liegt, konnten wir euch mit dieser Reihe vielleicht ein wenig Klarheit schaffen.

Quellen:

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Wahlprüfsteine: Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgungslage

Viele Parteien fordern in ihrem Wahlprogramm, dass die Versorgungslage zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland verbessert werden muss. Allerdings fehlten oft konkrete Ideen, wie dies umgesetzt werden soll. Denn auch jetzt ist bereits im Schwangerschaftskonfliktgesetz verankert, dass die Bundesländer ein ausreichendes Angebot an Einrichtungen zur Vornahme von Schwangerschaftsabbrüchen sicherstellen sollen. Doch es ist nirgendwo definiert ist, was "ausreichend" überhaupt bedeutet.

Deshalb hat Doctors for Choice Germany e.V. ganz konkret bei den Parteien nachgefragt: "Es gibt immer weniger Stellen (Praxen und Kliniken), die noch Schwangerschaftsabbrüche durchführen – welche Schritte plant Ihre Partei, um die Versorgungslage in Deutschland zukünftig sicherzustellen?"

Die CDU/CSU will zwar eine gute Versorgungslage sicherstellen, gibt jedoch keine einzige konkrete Maßnahme an, wie dies umgesetzt werden soll.

Die SPD geht primär davon aus, dass die Streichung des §219a StGB "den Zugang zu gynäkologischen Angeboten sicherlich verbessern" würde.

Die FDP sieht das ähnlich und fordert v.a. eine Art gestärkte Ärzteschaft, d.h. Entkriminalisierung der Ärzt*innen, Integration in die medizinische Ausbildung und dann die politische Unterstützung des ärztlichen Engagements.

Die Grünen setzen auf Entstigmatisierung durch Entkriminalisierung, Kostenübernahme, Ausbau von Beratungsangeboten, sowie einem bundeseinheitlichen Schutz vor Anfeidungen und Gehsteigbelästigungen. Das Thema soll in die Ausbildung von Ärzt*innen integriert werden.

Die Linke sieht das ganz ähnlich und wird dabei schon sehr konkret: ein "Gesetz zur Sicherung reproduktiver Rechte"im SGB V soll das Strafgesetzbuch und Schwangerschaftskonfliktgesetz ersetzen. Aus der Beratungspflicht soll ein Beratungsrecht werden. Für die flächendeckende Versorgung sollen Länder sowie die Kassenärztlichen Vereinigung zuständig sein.

Die AfD sieht keinen Grund für weitere Maßnahmen.

Disclaimer: Die AfD ist durch ihre menschenverachtende Haltung, auch im Bezug auf den Schwangerschaftsabbruch, für uns keine wählbare Partei. Wir haben sie deshalb in unseren Übersichts-Grafiken nicht dargestellt. Trotzdem ist sie eine Partei, die aktuell in unserem Bundestag vertreten ist, und damit (leider) politische Entscheidungen beeinflusst und teilweise sogar mitbestimmt. Deshalb wird sie hier erwähnt und eingeordnet.

Quellen:

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Wahlprüfsteine: Schwangerschaftsabbruch

In einigen Wochen ist Bundestagswahl, die auch bezüglich Fragen zu reproduktiven Rechten essentiell sein wird. Doctors for Choice Germany e.V. hat deshalb #6FragenZumAbbruch als Wahlprüfsteine an die im Bundestag vertretenen Parteien im Bundestag eingereicht. Im Folgenden stellen wir die Antworten der Parteien vor.

FDP, Grüne und Linke positionieren sich klar dafür, dass Personen selbst - ohne Einmischung des Staates - entscheiden dürfen, ob sie eine Schwangerschaft weiterführen oder beenden. Die CDU/CSU und AfD positionieren sich klar dagegen. Die SPD weicht der Frage aus mit der Antwort "Wir erkennen die Verantwortung und das Recht von Frauen auf reproduktive und sexuelle Selbstbestimmung an."?????

Den § 218 StGB wollen sowohl Grüne, Linke und SPD streichen. CDU/CSU, FDP und AfD sehen das nicht vor. Die Streichung des § 219 StGB hingegen fordern neben Grüne, Linke und SPD auch die FDP. Nur die CDU/CSU und AfD wollen am Paragraphen festhalten.

Bei der Frage nach Kostenübernahme von Schwangerschaftsabbrüchen und Verhütungsmitteln gehen die Einstellungen der Parteien noch mehr auseinander: Bündnis 90/Die Grünen und die Linke fordern eine grundsätzliche Kostenübernahme in beiden Fällen. Die FDP fordert die Kostenübernahme bei Schwangerschaftsabbrüchen, lehnt die von Verhütungsmitteln allerdings ab. Und die SPD findet die aktuelle Regelung der Kostenübernahme beim Schwangerschaftsabbruch ausreichend, fordert jedoch die Kostenübernahme von Verhütungsmitteln. Im Gegensatz dazu lehnen die CDU/CSU und AfD sowohl die grundsätzliche Kostenübernahme von Schwangerschaftsabbrüchen als auch von Verhütungsmitteln ab.

Eine letzte Frage hat auf die Versorgungslage abgezielt - auf diese gehen wir in einem nächsten Post ausführlich ein.

Disclaimer: Die AfD ist durch ihre menschenverachtende Haltung, auch im Bezug auf den Schwangerschaftsabbruch, für uns keine wählbare Partei. Wir haben sie deshalb in unseren Grafiken nicht dargestellt. Trotzdem ist sie eine Partei, die aktuell in unserem Bundestag vertreten ist, und damit (leider) politische Entscheidungen beeinflusst und teilweise mitbestimmt. Deshalb wird sie hier erwähnt und eingeordnet.

Quellen:

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Wahlprogramm: AfD

Disclaimer: Die AfD ist durch ihre menschenverachtende Haltung, auch im Bezug auf den Schwangerschaftsabbruch, für uns keine wählbare Partei. Trotzdem ist sie eine Partei, die aktuell im Bundestag vertreten ist, und damit (leider) politische Entscheidungen beeinflusst und teilweise mitbestimmt. Deshalb wird sie hier erwähnt und eingeordnet.

Was sagt die AfD also zum Schwangerschaftsabbruch?

Forderungen dazu werden im Kapitel "Willkommenskultur für Kinder" behandelt. Wenn der Titel nicht schon eindeutig ist, wird die Einstellung der Partei zum Schwangerschaftsabbruch spätestens im einleitenden Satz klar: "Ungeborene Kinder haben ein Recht auf Leben." Damit ist auch klar: Das Recht auf körperliche Unversehrtheit und freie Entfaltung der Persönlichkeit der Schwangeren sind zweitrangig.

Die konkreten Forderungen der AfD richten sich primär an die Schwangerschaftskonfliktberatung, die aktuell "eine Bagatellisierung von Abtreibungen" befördern würde (das stimmt nicht.). Konkret fordert die AfD:

  • regelmäßige Überprüfung der Wirksamkeit der Beratungsregelung
  • ggf. Verschärfungen der Gesetzeslage
  • Einbezug der Väter in die Beratungen
  • Aufklärung über sog. "Spätfolgen"

An diesem Wahlprogramm gibt es viel zu kritisieren.

Zum einen werden Mythen und Wortwahl von Abtreibungsgegner*innen reproduziert: Abtreibung sei Mord, es gäbe Spätfolgen wie das "Post-Abortion-Syndrom". Dies ist aber wissenschaftlich und medizinisch nicht korrekt.

Zum anderen die frauenfeindliche und gesundheitsgefährdende Ideologie, die hinter den Forderungen steckt. Dass die AfD Verschärfungen an der Gesetzgebung vornehmen will, bedeutet, dass sie es schwieriger für ungewollt Schwangere machen will, einen Schwangerschaftsabbruch in Deutschland zu durchführen zu lassen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass dies nicht die Anzahl der Schwangerschaftsabbrüche verringert, sondern diese unsicherer macht. Die Anzahl von illegal durchgeführten Abbrüchen wird steigen. Diese werden dann beispielsweise nicht mit dem medizinisch korrekten Material und ausgebildeten Fachkräften durchgeführt. Komplikationen werden häufiger werden. Andere ungewollt Schwangere werden beispielsweise ins Ausland fahren, um einen Abbruch durchführen zu lassen, was zeitlich und finanziell belastend ist.

Wer also wie die AfD eine Verschärfung der Abtreibungsgesetzte fordert, gefährdet bewusst die Gesundheit von ungewollt Schwangeren - ganz im Gegensatz zu dem, was die WHO und die EU fordern.

Quellen:

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Wahlprogramm: Bündnis 90/ Die Grüne

Was sagt Bündnis 90/ Die Grünen zum Schwangerschaftsabbruch?

Dafür gibt es im Wahlprogramm ein gesamtes Kapitel mit dem Titel "Selbstbestimmung durch Gesundheitsversorgung", der mit folgendem Satz eingeleitet wird: "Alle Menschen müssen selbst über ihren Körper und ihr Leben entscheiden können." Und später schreiben sie: "Die Entscheidung, ob eine Frau eine Schwangerschaft abbricht oder nicht, ist allein ihre."

Konkret werden folgende Forderungen genannt:

  • Streichung des §219a StGB
  • Regelung des Schwangerschaftsabbruchs außerhalb des Strafgesetzbuchs
  • Gewährleistung einer ausreichenden und wohnortnahen Versorgung mit Ärzt*innen, Praxen und Kliniken, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen
  • Integration in die Ausbildung von Ärzt*innen nach international anerkannten Standards
  • Schutz vor Anfeindungen und Gehsteigbelästigungen vor Praxen und Beratungsstellen
  • generelle Kostenübernahme von Schwangerschaftsabbrüchen und Verhütungsmitteln (zunächst für Geringverdiener*innen, perspektivisch für alle über die Krankenkasse)

Damit folgen sie den Forderungen der WHO nach Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs. Seit kurzem fordert dies auch die EU (Matić-Resolution). Unklar bleibt jedoch, wo der Schwangerschaftsabbruch statt dem Strafgesetzbuch geregelt werden soll und ob an den aktuellen Fristen und Regelungen festgehalten wird.

Wie die SPD und DIE LINKE nennen die Grünen die Verbesserung der Versorgungslage als eine Forderung. Als konkrete Maßnahmen, wie dies erreicht werden kann, werden hier vor allem die Integration in die medizinische Ausbildung sowie der Schutz vor Gehsteigbelästigungen genannt. Der Schutz vor Gehsteigbelästigung ist gleichzeitig eine Forderung, die wir sehr begrüßen und auch nur im Wahlprogramm von Bündnis 90/Die Grünen finden. Keine ungewollt Schwangere sollte sich vor Abtreibungsgegner*innen rechtfertigen müssen oder durch diese bedrängt werden, bevor sie eine Praxis oder Beratungsstelle betreten. Die Verbesserung der medizinische Ausbildung stellt zudem einen essentiellen Baustein zur Verbesserung der Versorgungslage dar und wird daneben nur von der Partei DIE LINKE gefordert.

Quellen:

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Wahlprogramm: DIE LINKE

Was sagt DIE LINKE zum Schwangerschaftsabbruch?

Dafür gibt es im Wahlprogramm ein gesamtes Kapitel mit dem Titel "Reproduktive Gerechtigkeit: Freie Entscheidung für ein Leben mit und ohne Kinder für alle", der mit folgenden Sätzen eingeleitet wird: "Wir wollen, dass alle Menschen entscheiden können, ob und wie sie mit Kindern leben möchten. Erst dann können wir reproduktive, körperliche und sexuelle Selbstbestimmung für Frauen und queere Menschen erreichen." Das klingt nach einer schönen Vision, die auch wir teilen.

Konkret werden folgende Forderungen genannt:

  • Abschaffung des §218 und des §219 StGB
  • Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung durch öffentliche Krankenhäuser
  • Integration in das Medizinstudium
  • generelle Kostenübernahme von Schwangerschaftsabbrüchen, Verhütungsmitteln und Methoden zur künstlichen Befruchtung durch die Krankenkasse
  • Forschung an neuen Verhütungsmethoden, auch für Männer
  • kostenfreie Hygieneprodukte in öffentlichen Einrichtungen

Damit folgt DIE LINKE den Forderungen der WHO nach Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs. Seit kurzem fordert dies auch die EU (Matić-Resolution). Zudem ist sie die einzige Partei, die ganz klar erklärt, wie Schwangerschaftsabbrüche nach der Streichung aus dem StGB zukünftig geregelt werden sollten: nämlich wie jede andere medizinische Leistung. Das finden wir super und richtig.

Neben einer allgemeinen Kostenübernahme ist DIE LINKE die einzige Partei, die kostenlose Hygieneprodukte explizit in ihrem Wahlprogramm fordert.

Besonders hervorzuheben ist, dass in diesem Wahlprogramm konkret auch trans, nicht-binäre Menschen und Menschen mit Be_hinderung benannt und in diese Forderungen mit eingeschlossen werden. Das finden wir in den Wahlprogrammen der anderen Parteien nicht und ist wichtig, da diesen Menschen oft das Recht auf Sexualität abgesprochen wird. Gleichzeitig sind die Themen Schwangerschaftsabbruch und Verhütung dann in der Wahlprogramm-Version in "leichter Sprache" nicht mehr zu finden. Das finden wir schade.

Quellen:

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Wahlprogramm: FDP

Was sagt die FDP zum Schwangerschaftsabbruch?

Im Wahlprogramm findet sich dazu das Kapitel "Modernes Recht für starke Familien", indem die FDP postuliert, sich für "ein modernes Sorge-, Adoptions-, Reproduktions- und Abtreibungsrecht" einzusetzen.

"Modernes Abtreibungsrecht" heißt für die FDP konkret:

  • Abschaffung des §219 StGB
  • flächendeckendes und objektives Beratungsnetzwerk und die Möglichkeit für Online-Konfliktberatungen.

An dem §218 StGB möchte die FDP nicht rütteln, da hierunter ja bereits ein Schwangerschaftsabbruch "straffrei" möglich wäre. Es gibt aber einen deutlichen Unterschied zwischen "straffrei" und "legal". Und die Empfehlung von internationalen Organisationen wie der WHO sowie der EU an ihre Mitgliedsstaaten ist klar: es muss eine Entkriminalisierung - also eine Legalisierung - des Schwangerschaftsabbruchs her. Unter einem "modernen Abtreibungsrecht" verstehen wir also eines, welches sich an solche Empfehlungen hält.

Bei der Versorgungslage geht die FDP nur auf die Beratungsstellen ein. Die Versorgungslücken liegen aber nicht dort, sondern bei den Einrichtungen, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Seit Jahren verringert sich die Anzahl der Einrichtungen stetig. Hier braucht es politische Maßnahmen, die gegensteuern. Solche Maßnahmen scheint die FDP jedoch im Vergleich zu Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und SPD nicht vorzusehen.

Die FDP verspricht ein "modernes Abtreibungsrecht". "Modern" finden wir an den Forderungen aber nicht viel. Modern wäre beispielsweise, den Schwangerschaftsabbruch zu legalisieren. Modern wäre, klare Maßnahmenpakete (wie z.B. einen Versorgungsschlüssel) vorzuschlagen, die die Versorgungslage verbessern können. Modern wäre, gegen die zahlreichen Fehlinformationen von Abtreibungsgegnerinnen im Internet vorzugehen, wie das in Frankreich schon der Fall ist. Modern wäre, ungewollt Schwangere auf dem Weg zu Einrichtungen und Beratungsstellen vor Protesten von Abtreibungsgegnerinnen ("Mahnwachen") zu schützen. Unter einem "modernen Abtreibungsrecht" können wir uns also so viel mehr vorstellen, als das, was die FDP vorschlägt.

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Wahlprogramm: SPD

Was sagt die SPD zum Schwangerschaftsabbruch?

Die Forderungen dazu lassen sich im Wahlprogramm im Kapitel "Gleichstellung verwirklichen" finden:

  • Abschaffung des §219 StGB
  • §218 soll nicht mehr im StGB stehen
  • Gewährleistung einer ausreichenden und wohnortnahen Versorgung durch Länder und Kommunen
  • generelle Kostenübernahme von Verhütungsmitteln und die Erforschung von Verhütungsmethoden für Männer (Über die Kostenübernahme von Schwangerschaftsabbrüchen lässt sich aber leider nichts finden.)

Nachdem die SPD 2019 gegen eine komplette Streichung des §219 StGB im Bundestag gestimmt hat, verwundert es, dass dies nun Teil des Wahlprogramms ist. Unklar ist zudem, welche Alternative die SPD zum Strafgesetzbuch vorsieht und inwiefern sie an den Inhalten des §218 festhalten möchte. Eigentlich fordern aber sowohl die WHO sowie seit kurzem die EU (Matić-Resolution) klar die Entkriminalisierung.

Die Verbesserung der Versorgungslage wird zwar genannt, allerdings fehlt es hier an konkreten Ideen für Maßnahmen. Auch jetzt steht bereits im Schwangerschaftskonfliktgesetz, dass die Bundesländer ein ausreichendes Angebot an Einrichtungen zur Vornahme von Schwangerschaftsabbrüchen sicherstellen sollen. Doch nirgendwo ist definiert, was "ausreichend" heißt. In den Wahlprogrammen von DIE LINKE und Bündnis 90/ Die Grünen kann man ein paar mehr konkrete Ideen finden: z.B. Behandlung des Schwangerschaftsabbruch als normale medizinische Gesundheitsleistung, die Integration in die medizinische Ausbildung, der Schutz vor sogenannten "Mahnwachen".

Zuletzt ist es auffällig, dass die Version des Wahlprogramms in "leichter Sprache" weder den Schwangerschaftsabbruch noch Verhütung erwähnt. Dabei ist dies doch eine genauso wichtige Informationen für Menschen mit Be_hinderung! Doch wie so oft wird Menschen mit Be_hinderung ein Anspruch auf ihre Sexualität abgesprochen.

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Wahlprogramm: CDU/CSU

Was sagen CDU/CSU zum Schwangerschaftsabbruch?

Das ist einfach: nichts. Leider finden wir im gesamten Wahlprogramm keine einzige Forderung zum Schwangerschaftsabbruch.

Für den Kontext können wir jedoch auf drei Dinge eingehen:

  1. Die Journalistin Teresa Bücker hat sich ebenfalls mit den Wahlprogrammen der einzelnen Parteien auseinandergesetzt und diese in ihrer Kolumne "Freie Radikale" sowie in ihrem Newsletter "Zwischenzeit_en" kommentiert. Dabei weist sie darauf hin, dass im Wahlprogramm der CDU/CSU nur ein einziges Mal überhaupt von "Schwangerschaft" gesprochen wird - und das im Kontext vom Verbot von Schwangerer Sexarbeit. Nicht nur Forderungen zum Schwangerschaftsabbruch fehlen, sondern auch beispielsweise solche im Bereich der Geburtshilfe. Damit ist auch klar, wo die Prioritäten der CDU/CSU (nicht) liegen.
  2. Die CDU/CSU verhinderte in der letzten Wahlperiode die Abschaffung des §219a StGB, als Grüne und Die Linke solche Wahlentwürfe in den Bundestag einbrachten.
  3. Armin Laschets engster Vertrauter gilt als konservativer Hardliner. Nathanael Liminski ist Katholik, "papsttreu", homophob und eng mit der "Lebensschutzszene" und der "Neuen Rechten" verbunden. Bei gesellschaftspolitischen Themen wie Homosexualität und Abtreibungen vertritt er fundamentalistische Positionen, wie der Staat soll die "natürliche Form der Ehe und Familie fördern" oder Abtreibungen seien "ethisch nicht vertretbar". Seit der Wahl Laschets zum NRW-Ministerpräsident tritt Liminski kaum mehr öffentlich auf, allerdings hat er diese Aussagen auch nicht zurückgezogen. Um Patricia Hecht in der taz zu zitieren: "Wie konservativ die Union aber wirklich ist, dürfte sich dann zeigen, wenn der Schreibtisch Nathanael Liminskis tatsächlich im Kanzleramt stehen sollte."

Quellen:

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Wahlprogramm: Wer erwähnt das Thema Schwangerschaftsabbruch?

In einigen Wochen ist Bundestagswahl. Die Wahl wird auch sehr wichtig für das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche. Je nach politischem Kräfteverhältnis wird sich entscheiden, ob ein niedrigschwelliger, legaler und sicherer Zugang zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland möglich werden könnte. Wir schauen uns deshalb in den nächsten Posts die Versprechen der einzelnen Parteien im Bundestag genauer an.

In welchen Wahlprogrammen kommt der Schwangerschaftsabbruch überhaupt vor?

Alle Parteien bis auf die CDU/CSU nennen den Schwangerschaftsabbruch in ihrem Wahlprogramm. Dabei gehen die Wahlprogramme vor allem auf die aktuell unzureichende Versorgungslage und die vielen Zugangsbarrieren ein. Es werden unterschiedliche Gründe dafür genannt und dementsprechend fallen die Forderungen unterschiedlich aus. Die SPD und FDP scheinen dabei das Problem vordergründig in der Kriminalisierung der Ärzt*innen zu sehen. Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke sehen die Ursachen etwas umfassender und nehmen deshalb auch die Politik und Gesellschaft in ihren Forderungen mehr in die Verantwortung.

Auch die AfD nennt den Schwangerschaftsabbruch übrigens in ihrem Wahlprogramm (sie verwendet allerdings immer das Wort "Abtreibung"). Durch ihre menschenverachtende Haltung ist sie für uns keine wählbare Partei und deshalb in der Grafik nicht aufgeführt. Der Vollständigkeit halber sei aber ihr Wahlprogramm ebenfalls einmal erwähnt: im Gegensatz zu den anderen Parteien liegt hier nicht der Fokus auf der ungewollt Schwangeren, sondern auf dem "Ungeborenen". Die schlechte Versorgungslage beim Schwangerschaftsabbruch in Deutschland wird gar nicht thematisiert. Stattdessen scheint das Ziel zu sein, die Anzahl der Abbrüche zu minimieren, durch z.B. Verschärfung der Gesetzeslage. Die Gesundheit von ungewollt Schwangeren ist damit also zweitrangig.

Wir gehen in den nächsten Posts noch genauer auf die einzelnen Wahlprogramme ein.

Quellen:

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Sommerpause

Liebe Mehr-Als-Du-Denkst Freund*innen, wir danken euch für die ersten gemeinsamen Monate!

Um euch weiter mit spannenden Fakten rund um das Thema Schwangerschaftsabbruch zu versorgen, nehmen wir uns eine Social-Media Pause und arbeiten eifrig an weiteren Postings.

++ Habt ihr Themen Ideen/Fragen, Erfahrungsberichte oder Mythen, dann könnt ihr uns die gerne zusenden und wir versuchen, sie zu bearbeiten. ++

Wir wünschen euch eine schöne Zeit, bleibt weiter politisch aktiv und wir sehen uns im September wieder!

Solidarische und sonnige Grüße, euer Mehr-Als-Du-Denkst Team <3

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Abtreibungsmythos: Post-Abortion-Syndrom

Das „Post Abortion Syndrom“ wurde erstmals 1981 von dem Abtreibungsgegner Vince Rue benannt. Gemeinsam mit der Psychologin Anne Speckhard definierte er das Syndrom 1992 als eine Form der posttraumatischen Belastungsstörung (F43.1), die nach einer Abtreibung auftritt. Dieses Diagnose nutzen Abtreibungsgegner*innen, um weiter gegen Abtreibungen zu mobilisieren und sich gleichzeitig als fürsorglich bezüglich der Gesundheit von ungewollt Schwangeren zu zeigen. Bis jetzt findet sich diese Rhetorik auf vielen Internetseiten von Abtreibungsgegner*innen wieder.

Bis heute (2021) ist es jedoch so, dass solch ein Syndrom nicht in den Klassifikationssystemen für medizinische Diagnosen, wie beispielsweise dem ICD-10 oder DSM-5 aufgelistet sind - und das nach bereits mehreren Neuauflagen. Also was passiert hier konkret?

Die Angst vor psychischen Erkrankungen wird - v.a. von Abtreibungsgegner*innen - benutzt, um ungewollt Schwangere einzuschüchtern, Abtreibungen gesellschaftlich zu stigmatisieren und den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen weiter zu erschweren. Fakt ist jedoch: das Risiko einer psychischen Belastung wird durch die Stigmatisierung und der Kriminalisierung erhöht - nicht aufgrund des Eingriffs! Abtreibungsgegner*innen führen also mit ihren Versuchen, den Schwangerschaftsabbruch weiter einzuschränken, indem sie vor dem "Post-Abortion-Syndrom" warnen, eher dazu, dass sie Betroffene psychisch mehr belasten.

Quellen:

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Legaler Zugang zu Abtreibungen erhöht die medizinische Sicherheit

Der internationale Vergleich zeigt, dass der legale, flächendeckende und barrierearme Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen in erster Linie nicht die Anzahl der Abbrüche erhöht, sondern die medizinische Sicherheit.

Ein gutes Beispiel ist Rumänien: Hier sank die Müttersterblichkeit um das 16-fache (!), nachdem die Abtreibungsgesetze gelockert und die medizinische Versorgung verbessert wurden. Im Jahr 1989 lag die Müttersterblichkeit in Rumänien im Zusammenhang mit Schwangerschaftsabbrüchen noch bei 148 Todesfällen pro 100.000 Lebendgeburten. Danach sank die Müttersterblichkeit innerhalb von 13 Jahren auf 9 Todesfälle pro 100.000 Lebendgeburten im Jahr 2002.

Gleichzeitig nahmen Schwangerschaftsabbrüche um 85% ab, dank weiterer Maßnahmen wie z.B. bessere Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln und mehr Informationen zum Thema Familienplanung für die breite Bevölkerung.

Wer also die Anzahl an Schwangerschaftsabbrüchen senken möchte, sollte sich für eine bessere Sexualaufklärung und einen leichten Zugang zu kostenlosen sicheren Verhütungsmitteln einsetzen.

Quellen:

Abortion Worldwide 2017: Uneven Progress and Unequal Access. https://www.guttmacher.org/report/abortion-worldwide-2017

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Tübingen

Seit Jahren ist die Zahl der Ärzt*innen und Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, rückläufig. Dies bedeutet, dass es immer mehr Regionen und Städte gibt, in denen es keine oder kaum Anlaufstellen für ungewollt Schwangere gibt. Diese Anlaufstellen sind außerdem gar nicht so einfach zu finden, denn der §219a StGB hindert Ärzt*innen daran, über Schwangerschaftsabbrüche z.B. auf ihrer Homepage zu informieren. Eine einfache Internetrecherche oder ein Blick auf die Webseite der eigenen Gynäkologin oder des eigenen Gynäkologen reicht also nicht aus. (Weitere Informationen zu dem Thema, findet ihr in den Posts zu §219 von uns.) Als Unterstützungsangebot hat die deutsche Bundesregierung deshalb Anfang 2019 eine Liste bei der Bundesärztekammer in Auftrag gegeben, in der sich solche Praxen und Ärzt*innen freiwillig eintragen können. Das Problem ist, dass diese Liste alles andere als vollständig ist. Viele Ärzt*innen entscheiden sich z.B. bewusst dagegen, auf der Liste aufzutauchen, weil sie Angst vor den Anfeindungen und Diffamierungen durch Abtreibungsgegner*innen haben. Außerdem fehlen oft weitere nützliche Angaben: z.B. zu den Methoden oder darüber, bis zu welcher Schwangerschaftswoche Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden. All solche Informationen findet man also erst nach einem ersten Gespräch mit der Praxis heraus.

Aber wie sieht denn die Versorgungssituation in manchen Städten ganz konkret aus? In der Unistadt Tübingen - einer Stadt mit knapp 90.000 Einwohner*innen - sind von 809 Praxen mindestens 71 gynäkologische Praxen.[1] Auf der Liste der Bundesärztekammer steht allerdings nur eine Anlaufstelle, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen - und zwar die Uniklinik selbst. Angaben zu den Methoden fehlen allerdings.

[1] Es gibt keine öffentlichen Statistiken über die Anzahl von Fachpraxen in einer Stadt. Zur Orientierung und groben Annäherung haben wir deshalb die Einträge im Bewertungsportal Jameda gezählt.

Quellen:

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Abtreibungsmythos: Unfruchtbar durch eine Abtreibung?

Häufig wird uns in der gynäkologischen Praxis oder der Beratungsstelle die Frage gestellt, ob die Abtreibung die Chancen verringert, später einmal Kinder zu bekommen und ob es zu häufigeren Komplikationen bei gewünschten Schwangerschaften gibt.

Es gibt keine Hinweise, dass ein legaler unkomplizierter Schwangerschaftsabbruch die Fruchtbarkeit beeinträchtigt. Dies gilt sowohl für die operative als auch die medikamentöse Methode. Ein erhöhtes Risiko für eine Eileiterschwangerschaft scheint es lediglich nach mehreren Schwangerschaftsabbrüchen per Kürettage (Ausschabung) und/oder Infektionen zu geben. Die Kürettage ist allerdings auch eine veraltete Methode und sollte nicht mehr angewandt werden. Eine Vakuumaspiration (Absaugung) ist schonender. Das Risiko für häufigere Fehlgeburten oder Komplikationen bei einer Schwangerschaft steigt ebenfalls nicht an.

Dies kann man z.B aus einer finnischen Studie ableiten, die sich die Geburtsregister von 2008-2010 (57.406 Personen) und das Schwangerschaftsabbruch-Register von 1983-2007 (5.167 ungewollt Schwangere) angeschaut und verglichen haben. Es gab keine Unterschiede bezüglich der Komplikationen bei Schwangerschaften in den Gruppen von Personen, die vorher abgetrieben hatten oder nicht.

Quellen:

  • Gerdts et al. (2016): Side Effects, Physical Health Consequences, and Mortality Associated with Abortion and Birth after an Unwanted Pregnancy; Womens Health Issues.
  • Holmlund et al. (2016): Induced abortion - impact on a subsequent pregnancy in first-time mothers: a registry-based study. BMC Pregnancy Childbirth
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Alle 3 Monate werden es 5 Einrichtungen für Abbrüche weniger

In den letzten 15 Jahren hat sich die bundesweite Zahl der Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, von ca 2000 auf ca 1100 fast halbiert. Alle 3 Monate werden es im Durchschnitt 5 Einrichtungen weniger.

Für viele Schwangere bedeutet dies, dass sie weite Wege zurücklegen müssen und keine Wahlmöglichkeit bezüglich der behandelnden Ärzt*innen sowie der Methode haben.

Bundesweit haben nur wenige ungewollt Schwangere die Möglichkeit wirklich zu wählen, wo, wie und mit welcher Unterstützung sie eine ungewollte Schwangerschaft abbrechen. Zu einer guten Gesundheitsversorgung gehört diese Wahlmöglichkeit aber dazu.

Quellen:

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Regensburg

Seit Jahren ist die Zahl der Ärzt*innen und Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, rückläufig. Dies bedeutet, dass es immer mehr Regionen und Städte gibt, in denen es keine oder kaum Anlaufstellen für ungewollt Schwangere gibt. Diese Anlaufstellen sind außerdem gar nicht so einfach zu finden, denn der §219a StGB hindert Ärzt*innen daran, über Schwangerschaftsabbrüche z.B. auf ihrer Homepage zu informieren. Eine einfache Internetrecherche oder ein Blick auf die Webseite der eigenen Gynäkologin oder des eigenen Gynäkologen reicht also nicht aus. (Weitere Informationen zu dem Thema, findet ihr in den Posts zu §219 von uns.) Als Unterstützungsangebot hat die deutsche Bundesregierung deshalb Anfang 2019 eine Liste bei der Bundesärztekammer in Auftrag gegeben, in der sich solche Praxen und Ärzt*innen freiwillig eintragen können. Das Problem ist, dass diese Liste alles andere als vollständig ist. Viele Ärzt*innen entscheiden sich z.B. bewusst dagegen, auf der Liste aufzutauchen, weil sie Angst vor den Anfeindungen und Diffamierungen durch Abtreibungsgegner*innen haben. Außerdem fehlen oft weitere nützliche Angaben: z.B. zu den Methoden oder darüber, bis zu welcher Schwangerschaftswoche Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden. All solche Informationen findet man also erst nach einem ersten Gespräch mit der Praxis heraus.

Aber wie sieht denn die Versorgungssituation in manchen Städten ganz konkret aus? In Regensburg - einer Stadt mit ungefähr 150.000 Einwohner*innen - sind von 1324 Praxen mindestens 69 gynäkologische Praxen.[1] Auf der Liste der Bundesärztekammer steht allerdings keine einzige Praxis, die Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Die nächsten Anlaufstellen sind in Nürnberg oder München, jeweils mehr als 100km entfernt.

[1] Es gibt keine öffentlichen Statistiken über die Anzahl von Fachpraxen in einer Stadt. Zur Orientierung und groben Annäherung haben wir deshalb die Einträge im Bewertungsportal Jameda gezählt.

Quellen:

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Nur 5 % der Gründe für einen Schwangerschaftsabbruch werden von einem Großteil der Bevölkerung akzeptiert

Regelmäßige Befragungen der Bevölkerungen zur Akzeptanz von Schwangerschaftsabbrüchen zeigen ein interessantes Phänomen: 90 % aller Befragten finden, dass bei einer Gesundheitsgefährdung der schwangeren Person, einer schweren Fehlbildung des Fötus oder nach einer Vergewaltigung eine Abtreibung erlaubt sein sollte. Alle diese Gründe zusammen machen aber nur einen sehr kleinen Anteil (unter 5 %) der tatsächlich durchgeführten Schwangerschaftsabbrüchen aus.

Der Großteil der Abtreibungen (etwa 96%) findet nach der sogenannten Beratungsregelung statt. Es reicht hier allein die Entscheidung der Schwangeren. Dass dies erlaubt ist, fanden 2012 weniger als die Hälfte der Bevölkerung akzeptabel.

Die meisten ungewollt Schwangeren sind weder sehr jung, noch vergewaltigt worden, noch ist der Embryo/Fötus krank. In einer schwedischen Studie lebten sogar etwa die Hälfte in einer festen Beziehung mit gesicherten finanziellen Verhältnissen.

Hier zeigt sich eine große Diskrepanz zwischen den Mythen für die Gründe einer Abtreibung und der Realität.

Aber geht es andere wirklich etwas an, warum sich eine Person für eine Abtreibung entscheidet? Können wir nicht darauf vertrauen, dass die Schwangere die möglichen Konsequenzen, die die Schwangerschaft für sie bedeutet, selbst am besten beurteilen kann?

Quellen:

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Ärzt*innen verdienen sich mit Abtreibungen eine goldene Nase!

Abtreibungsgegner*innen werfen Ärzt*innen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, oft vor, sie würden das nur für das Geld machen. Aber was verdienen Ärzt*innen denn nun eigentlich an einer Abtreibung?

Ein Schwangerschaftsabbruch muss von der betroffenen Person selbst bezahlt werden, wenn er nach der Beratungsregel durchgeführt wird (96 % der Fälle). Wenn die Schwangere unter einem bestimmten Nettoeinkommen verdient, wird von der Krankenkasse eine Kostenübernahme ausgestellt und der Schwangerschaftsabbruch wird vom Bundesland bezahlt. Die Kosten sind dann festgelegt und von Bundesland zu Bundesland etwas unterschiedlich.

Die Kostenübernahme für einen medikamentösen Schwangerschaftsabbruch beträgt etwa 230-280 Euro. Davon müssen die Kosten für die Medikamente abgezogen werden. Die Kostenübernahme für einen operativen Eingriff beträgt etwa 450 Euro. Hier müssen aber noch die Kosten für den/die Narkoseärzt*in und ggf. die Miete für den OP abgezogen werden - meist bleibt in etwa die Hälfte. Die Bezahlung entspricht damit in etwa anderen kleinen operativen Eingriffen.

Der/Die Ärzt*in verdient sich also keine "goldene Nase" mit Abtreibungen, wird selbstverständlich aber auch für die ärztliche Arbeit bezahlt. Es gibt in der Gynäkologie andere Bereiche, in denen deutlich mehr verdient werden kann, z. B. Ultraschalluntersuchungen bei Schwangerschaften.

Quellen:

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FAQ: was ist die medizinische Indikation

Es gibt in Deutschland drei Umstände, unter denen ein Schwangerschaftsabbruch durchgeführt werden kann und darf: die Beratungsregelung, die medizinische und die kriminologische Indikation.

Stellt die Schwangerschaft eine “Gefahr für das Leben oder den […] körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren” dar, kann ein Schwangerschaftsabbruch nach "medizinischer Indikation" durchgeführt werden. Dabei gelten besondere Regeln:

Die Indikation muss von einem Arzt oder einer Ärztin gestellt werden - das kann frühestens 3 Tage nach Mitteilung der ärztlichen Diagnose geschehen. Dann braucht die schwangere Person keinen Beratungsschein einer Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle.

Im Gegensatz zu den anderen beiden Indikationen ist in diesem Fall ein Schwangerschaftsabbruch auch noch nach der 14. Schwangerschaftswoche (SSW p.m.) möglich. Wie bei der kriminologischen Indikation gilt der Abbruch in diesem Fall als nicht rechtswidrig.

In Deutschland muss ein Schwangerschaftsabbruch in der Regel selbst bezahlt werden. Bei der medizinischen Indikation gilt das nicht. Hier ist die Abtreibung eine Kassenleistung.

In konkreten Zahlen heißt das: Nur etwa 4% der Abtreibungen werden mit einer medizinischen Indikation durchgeführt. Meist ist dies nach der Diagnose einer fetalen Fehlbildung der Fall. Der Grund ist hierbei die psychische Belastung der Schwangeren, nicht die Fehlbildung selbst. Es ist für Schwangere allerdings ungleich schwerer, eine medizinische Indikation bescheinigt zu bekommen, wenn der Fötus gesund, aber die psychische Gesundheit der Schwangeren gefährdet ist.

Quellen:

  • §218a StGB⠀
  • Statistisches Bundesamt - Statistik zu Schwangerschaftsabbrüchen⠀
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FAQ: Was ist die kriminologische Indikation?

Es gibt in Deutschland drei Umstände, unter denen einen Schwangerschaftsabbruch durchgeführt werden kann und darf: die Beratungsregelung, die medizinische und kriminologische Indikation.

Für eine Abtreibung nach einer Vergewaltigung ("kriminologische Indikation") gelten besondere Regeln:

Die schwangere Person braucht keinen Beratungsschein einer Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle und es muss auch keine Wartezeit eingehalten werden. Erlaubt ist der Schwangerschaftsabbruch allerdings nur bis zum Ende der 14. Woche nach der letzten Menstruation (p.m.) - genau wie nach der Beratungsregelung. Im Gegensatz zur Beratungsregelung, ist der Abbruch aber in diesem Fall nicht rechtswidrig.

In Deutschland muss ein Schwangerschaftsabbruch in der Regel selbst bezahlt werden. Nach einer Vergewaltigung gilt das nicht. Hier ist die Abtreibung eine Kassenleistung.

Was viele (auch Ärzt*innen) nicht wissen: Für eine kriminologische Indikation ist keine Strafanzeige oder irgendeine Art von "Beweis" notwendig. Wenn eine ungewollt schwangere Person ihrem Arzt oder ihrer Ärztin sagt, dass sie durch eine Vergewaltigung schwanger geworden ist, reicht es, wenn die Ärzt*innen dies aufschreiben. Das kann von jede*r Ärzt*in (z.B. auch dem\der Hausärzt*in) formlos notiert werden.

Der Abbruch selbst muss dann durch einen anderen Ärzt*in durchgeführt werden, als der- oder diejenige, die die Indikation ausgestellt haben.

Es gibt viele Beratungsstellen, die sehr hilfreich sind, wenn sexueller Missbrauch stattgefunden hat. Egal, ob es dadurch zu einer Schwangerschaft gekommen ist oder nicht.

Dazu gehören beispielsweise

Quellen:

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FAQ: Was ist die Beratungsregelung?

Es gibt in Deutschland drei Umstände, unter denen einen Schwangerschaftsabbruch durchgeführt werden kann und darf: die Beratungsregelung, die medizinische und die kriminologische Indikation.

Bis zur 14. Schwangerschaftswoche (SSW p.m.) kann eine Person, die ungewollt schwanger ist ohne weitere Indikation auf Wunsch einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen.

Dafür muss man eine sogenannte "Schwangerschaftskonfliktberatung" besuchen. Diese soll laut Gesetz zwar "ergebnisoffen" sein, aber soll gleichzeitig auch dem "Schutz des ungeborenen Lebens" dienen - eigentlich ein Widerspruch. Es gibt mehrere staatlich anerkannte Beratungsstellen wie beispielsweise "pro familia" , die solche Beratungen durchführen. Am Schluss des Beratungsgespräches erhält man einen "Beratungsschein" [1], den man für den Schwangerschaftsabbruch benötigt. Erst danach kann eine Termin für den eigentlichen Schwangerschaftsabbruch vereinbart werden. Die Beratungsstellen kennen oft auch Praxen in der Nähe, in den Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden und können bei der Praxissuche hilfreich sein. Ansonsten gibt es auch die öffentliche Liste auf der Bundesärztekammer und die Möglichkeit für einen telemedizinisch begleiteten medikamentösen Abbruch.

Der eigentliche Eingriff darf dann frühestens erst am 3. Tag nach der Beratung durchgeführt werden. Die Zeit dazwischen gilt als “Bedenkzeit”. Wichtig ist auch, dass die Beratung und Durchführung des Eingriffes nicht von derselben Person vorgenommen wird.

In Deutschland muss ein Schwangerschaftsabbruch in der Regel selbst bezahlt werden. Bei einem geringen Einkommen kann eine Kostenübernahme bei der Krankenkasse beantragt werden. Das gilt auch für Personen, die keine Krankenversicherung haben.

[1] Achtung: Es gibt auch Beratungsstellen (meist konfessioneller Träger), die keine Beratungsscheine ausstellen, weil ein Schwangerschaftsabbruch nicht mit ihrem Selbstverständnis vereinbar ist. Bei der Suche nach Beratungsstellen sollte also darauf geachtet werden.

Quellen:

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Köln

Seit Jahren sinkt die Zahl der Ärzt*innen und Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Daraus folgt, dass es immer mehr Regionen und Städte gibt, in denen es keine oder kaum Anlaufstellen für ungewollt Schwangere gibt. Diese Anlaufstellen sind außerdem gar nicht so einfach zu finden, denn der §219a StGB hindert Ärzt*innen daran, über Schwangerschaftsabbrüche z.B. auf ihrer Homepage zu berichten. Eine einfache Internetrecherche oder ein Blick auf die Webseite der eigenen Gynäkologin oder des eigenen Gynäkologen reicht also nicht aus. (Weitere Informationen zu dem Thema findet ihr in den Posts zu §219 von uns.)

Als Unterstützungsangebot hat die deutsche Bundesregierung deshalb Anfang 2019 eine Liste bei der Bundesärztekammer in Auftrag gegeben, in der sich solche Praxen und Ärzt*innen freiwillig eintragen können. Das Problem ist, dass diese Liste alles andere als vollständig ist. Viele Ärzt*innen entscheiden sich z.B. bewusst dagegen, auf der Liste aufzutauchen, weil sie Angst vor den Anfeindungen und Diffamierungen durch Abtreibungsgegner*innen haben. Außerdem fehlen oft weitere nützliche Angaben: z.B. zu den Methoden oder darüber, bis zu welcher Schwangerschaftswoche die einzelnen Praxen Schwangerschaftsabbrüche durchführen. All solche Informationen findet man also erst nach einem ersten Gespräch mit der Praxis heraus.

Aber wie sieht denn die Versorgungssituation in manchen Städten ganz konkret aus?

In Köln - einer Stadt mit mehr als 1 Millionen Einwohner*innen - sind von 5242 Praxen mindestens 343 gynäkologische Praxen [1]. Auf der Liste der Bundesärztekammer stehen nur 4 Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Davon bieten 2 nur die medikamentöse Methode für den Schwangerschaftsabbruch an.

[1] Es gibt keine öffentlichen Statistiken über die Anzahl von Fachpraxen in einer Stadt. Zur Orientierung und groben Annäherung haben wir deshalb die Einträge im Bewertungsportal Jameda gezählt.

Quellen:

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"Andere wünschen sich so sehr ein Kind"

Dass manche Menschen sich verzweifelt wünschen, schwanger zu werden und es einfach nicht klappen will, kann eine enorme Belastung für die Person selbst, ihre Partnerschaft und ihr Umfeld darstellen. Da ist es absolut verständlich, dass Gefühle wie Trauer, Wut oder Neid aufkommen, wenn man von anderen Menschen hört, die sofort - vielleicht sogar ungeplant - schwanger werden.

Nichtsdestotrotz können die eigenen Träume anderer Menschen Flüche sein. Nur weil man selbst sich von ganzem Herzen ein Kind wünscht, kann ein positiver Schwangerschaftstest bei einer anderen Person (oder sogar bei einem selbst, in einer anderen Lebensphase) negative Gefühle, Angst und Verzweiflung auslösen.

Ob eine gebärfähige Person sich dazu entschließt ein Kind zu bekommen, hängt, neben ihrer aktuellen Lebenssituation und der emotionalen und finanziellen Unterstützung durch ihr Umfeld, auch davon ab, ob Kinder überhaupt Teil ihrer Lebensplanung sind. Jungen, gebärfähigen Menschen wird häufig unterstellt, dass jeder sich irgendwann ein Kind wünscht und vielleicht gerade noch auf den richtigen Moment oder den*die passenden Partner*in wartet.

Tatsächlich waren laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2018 jedoch 21% aller 45- bis 49-jährigen in Deutschland lebenden Frauen kinderlos. Es ist schwierig zu erfassen, wie viele von ihnen gewollt kinderlos sind, aber Umfragen deuten darauf hin, dass sich immer mehr Menschen bewusst für eine kinderlose Familienplanung entscheiden.

Das oben genannte Zitat impliziert außerdem, dass man egoistisch handelt, wenn man sich für eine Abtreibung entscheidet. Tatsächlich haben jedoch 60% der Menschen, die abtreiben, bereits Kinder. Sie wissen, was es bedeutet ein Kind großzuziehen und können sich eine weitere Schwanger- bzw. Elternschaft nicht vorstellen. Vielleicht stellen Kinder durchaus einen Teil ihrer Lebensplanung dar, aber sie möchten ihre emotionalen und finanziellen Ressourcen für die Erziehung der Kinder nutzen, die sie bereits geboren haben.

Kinderwünsche sind nicht übertragbar. Weder von Person zu Person noch von Lebensphase zu Lebensphase. Die Entscheidung für oder gegen eine Schwangerschaft ist eine sehr persönliche und Aussagen, wie die in unserem Post, können sehr verletzend sein.

Quellen:

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Einfluss der Covid-19-Pandemie auf Familienplanung

Die Covid-19 Pandemie hatte (und hat vermutlich immer noch) enorme Auswirkungen auf den Zugang zu reproduktiven gesundheitlichen Dienstleistungen weltweit. So schätzt der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (englisch United Nations Population Fund, UNFPA), dass ca. 12 Millionen Frauen wegen der Pandemie keinen Zugang zu medizinischen Dienstleistungen im Bereich Familienplanung hatten.

Als Folge dieser Unterbrechungen könnten bis zu 1,4 Millionen ungewollte Schwangerschaften entstanden sein, bevor Frauen und gebärfähige Menschen wieder in der Lage waren, Familienplanungsdienste in Anspruch zu nehmen.

Es ist wichtig, dass in Krisenzeiten auch diese Zugangsbarrieren ernst genommen und Lösungen geschaffen werden. Die UNFPA schreibt selbst dazu: "Die Gesamtkosten der Pandemie sind noch nicht bekannt. Wenn der volle Tribut errechnet wird, müssen auch die außerordentlichen Folgen berücksichtigt werden, die Frauen und Mädchen zu tragen haben, einschließlich derer, deren Zukunft neu geschrieben wurde, deren Körper verletzt wurden oder die ihr Leben verloren haben, weil der Zugang zu Verhütungsmitteln und medizinischer Versorgung unterbrochen wurde."

Quellen:

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Keine Leitlinien zum Schwangerschaftsabbruch

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern gibt es in Deutschland (noch) keine Leitlinie zum Schwangerschaftsabbruch.

Leitlinien sind Hilfestellungen für Ärzt*innen zur Entscheidungsfindung bei der Behandlung. Sie beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Verfahren und sorgen für mehr Sicherheit in der Medizin. So gibt es in der Gynäkologie beispielsweise Leitlinien für häufige Fragestellungen wie Harnwegsinfekte, Vermeidung von Frühgeburtlichkeit oder die Therapie von Brustkrebs. Es finden sich aber auch Leitlinien zu sehr speziellen Situationen wie Schwangerschaft und Geburt bei Frauen mit Querschnittslähmung oder sehr seltenen Krebserkrankungen. Die Leitlinie zum Schwangerschaftsabbruch, einem der häufigsten Eingriffe in der Gynäkologie, gibt es jedoch bisher noch nicht.

Dabei würden Leitlinien helfen, dass sich mehr Ärzt*innen, Praxen und Kliniken mit dem Schwangerschaftsabbruch beschäftigen bzw. dass sie diesen erlernen können. Viele Ärztinnen sind beim Thema Schwangerschaftsabbruch auch deshalb zurückhaltend, weil sie sich unsicher sind, was erlaubt ist und was nicht. Wenn sie ihre fachärztliche Ausbildung in einer Klinik absolviert haben, in der keine Abbrüche durchgeführt wurden, fehlen ihnen solche Hilfestellungen und Anleitungen. Vor allem in katholischen Krankenhäusern finden keine Schwangerschaftsabbrüche statt und damit auch keine Lehre dazu.

Im Zuge der Änderung des § 219a StGB wurde im März 2019 vom Bundesministerium auch eine Leitlinie zum Schwangerschaftsabbruch versprochen. Es bleibt abzuwarten, ob und wann diese erscheinen wird.

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Schwangerschaftsabbrüche als Teil der gynäkologischen Ausbildung?

In Deutschland ist der Schwangerschaftsabbruch kein offizieller Bestandteil der gynäkologischen fachärztlichen Ausbildung. Das heißt, es ist möglich in Deutschland Gynäkolog*in zu sein, ohne jemals einen Abbruch gesehen und/oder etwas darüber gelernt zu haben. Dies hängt vor allem von der Klinik ab, in der die angehenden Gynäkolog*innen ihre fachärztliche Ausbildung absolvieren. Vor allem kirchliche Krankenhäuser bieten oftmals keine Abtreibungen an und damit auch keine Ausbildung zu dem Thema.

Dabei kann das Erlernen von Schwangerschaftsabbrüchen bzw. der Umgang mit ungewollt Schwangeren positive Effekte auf die spätere gynäkologische Berufslaufsbahn haben - auch dann, wenn die Ärzt*innen sich entscheiden, selbst keine Abbrüche durchzuführen. Das hat eine Studie von Steinauer et al. aus den USA gezeigt. Dort berichtete der Großteil der Assistenzärzt*innen, dass sie durch die Rotation in eine "Abbruchsklinik" ihre Fähigkeiten im Bereich der Schwangerenberatung, Familienplanung, sowie im Umgang mit Fehlgeburten verstärkt schulen konnten. Gerade letzteres wäre ein großer Gewinn für angehende Ärzt*innen, da auch das Thema Fehlgeburt oft noch tabuisiert ist.

Es wäre also durchaus sinnvoll, den Schwangerschaftsabbruch verpflichtend in die gynäkologische Ausbildung einzuführen. Es würde nicht nur die Versorgungslage für Schwangerschaftsabbrüche verbessern, weil dadurch mehr Ärzt*innen befähigt wären, Abbrüche durchzuführen, sondern könnte auch die ärztliche Versorgung von Betroffenen nach einer Fehlgeburt bereichern.

Quellen:

  • Steinauer et al. (2012): Opting out of abortion training: benefits of partial participation in a dedicated family planning rotation for ob-gyn residents
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Pearl-Index 1

"Contraception fails...and we fail to use it." (Ann Furedi)

Keine Verhütungsmethode ist 100% sicher. Die meisten Personen, die ungewollt schwanger werden, verhüten grundsätzlich sicher. Aber jede Methode hat ihre Grenzen. Kondome können reißen und Pillen vergessen werden. Selbst bei einer absolut zuverlässigen Einnahme der Pille oder einem Hormonring kann es trotzdem zu einem Eisprung und damit zu einer Schwangerschaft kommen.

Viele ungewollt Schwangere geben an, dass sie schon VOR dem Eintreten der Schwangerschaft sicher waren, dass sie abtreiben würden, falls die Methode versagen sollte. Trotzdem haben Menschen Sex und wissen, dass es auch bei richtiger Anwendung eines Verhütungsmittel zu einer Schwangerschaft kommen könnte.

Viele ungewollt Schwangeren sind erwachsene, verantwortliche Menschen, bei denen es trotz Anwendung von Verhütungsmitteln zu einer Schwangerschaft kam - und entgegen des Vorurteils naive, unwissende Teenager (42 % sind zwischen 20-30 Jahren und ebenso viele zwischen 30-40 Jahren).

Eine Gesellschaft braucht sichere, legale und akzeptierte Abtreibung als Möglichkeit, wenn Verhütungsmethoden versagen.

Quellen:

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Pearl Index 2

"Contraception fails...and we fail to use it." (Ann Furedi)

Keine Verhütungsmethode ist 100% sicher. Die meisten Personen, die ungewollt schwanger werden, verhüten grundsätzlich sicher. Aber jede Methode hat ihre Grenzen. Kondome können reißen und Pillen vergessen werden. Selbst bei einer absolut zuverlässigen Einnahme der Pille oder einem Hormonring kann es trotzdem zu einem Eisprung und damit zu einer Schwangerschaft kommen.

Viele ungewollt Schwangere geben an, dass sie schon VOR dem Eintreten der Schwangerschaft sicher waren, dass sie abtreiben würden, falls die Methode versagen sollte. Trotzdem haben Menschen Sex und wissen, dass es auch bei richtiger Anwendung eines Verhütungsmittel zu einer Schwangerschaft kommen könnte.

Viele ungewollt Schwangeren sind erwachsene, verantwortliche Menschen, bei denen es trotz Anwendung von Verhütungsmitteln zu einer Schwangerschaft kam - und entgegen des Vorurteils naive, unwissende Teenager (42 % sind zwischen 20-30 Jahren und ebenso viele zwischen 30-40 Jahren).

Eine Gesellschaft braucht sichere, legale und akzeptierte Abtreibung als Möglichkeit, wenn Verhütungsmethoden versagen.

Quellen:

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Jede 6-7. Frau mindestens eine Schwangerschaft abgebrochen

Die genaue Anzahl der Personen, die einen Schwangerschaftsabbruch in ihrem Leben hatten, ist nur zu schätzen. In Deutschland gibt es jährlich auf 10.000 Frauen im fruchtbaren Alter 59 Schwangerschaftsabbrüche. Bei etwa 25-30 fruchtbaren Jahren kann so angenommen werden, dass dies jede 6.-7. Frau am Ende ihres Lebens mindestens einmal betrifft.

Du kannst ja selbst einmal überlegen: Wie viele Frauen und Menschen mit Uterus zählen zu Deinem engen Freundes- und Familienkreis? Von wie vielen weißt Du, ob sie jemals eine Abtreibung hatten? Wie würdest Du reagieren, wenn Du davon erfährst?

Noch immer ist das Thema ein großes Tabu - und das ist manchmal für die ungewollt Schwangeren die größere Belastung als die Abtreibung selbst.

Zum Vergleich: etwa jede 7.-9. Frau erkrankt in ihrem Leben an Brustkrebs. Obwohl auch dies ein tabuisiertes Thema ist, wissen wir doch fast in jedem Freundes- und Familienkreis von mehr Fällen mit Brustkrebs als von Menschen, die einen Schwangerschaftsabbruch haben durchführen lassen.

Wir schreiben hier "Frau" und meinen damit alle Menschen, die schwanger werden können. Mehr zu unserem Sprachgebrauch findest Du auf unserer Website www.mehralsdudenkst.org/glossar.

Quellen:

Schätzungen aus den Angaben des statistischen Bundesamt und Studie der Bzga. Genaue Statistiken gibt es dazu nicht.

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Kosten von unsicheren Schwangerschaftsabbrüchen

Ein unter sicheren Umständen durchgeführter Abbruch ist eine medizinische Behandlung, die zu extrem wenigen Komplikationen führt (in Deutschland ca. 270 Komplikationen bei 100.000 Abbrüchen). Umso erschreckender sind die Zahlen, die Komplikationen bei unsicher durchgeführten Abbrüchen und ihre Folgen betreffen. Jedes Jahr erkranken 7 Millionen Menschen weltweit infolge unsicherer Schwangerschaftsabbrüche. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass jährlich mehrere zehntausend Menschen an abtreibungsbedingten Komplikationen versterben und spricht von einer "vermeidbaren Pandemie"(1).

Neben den Todesfällen und Krankheitsfolgen, die durch unsichere Abtreibungen verursacht werden, entstehen erhebliche soziale und finanzielle Kosten für die Betroffenen, ihre Familien, Gemeinden und Gesundheitssysteme.

Im Jahr 2006 wurden geschätzte 553 Millionen US-Dollar für die Behandlung von schwerwiegenden Komplikationen unsicherer Schwangerschaftsabbrüche ausgegeben. Zusätzlich wären 373 Millionen US-Dollar nötig gewesen, um den unbefriedigten Bedarf an Behandlungen von Komplikationen unsicherer Schwangerschaftsabbrüche zu decken.

Die Kosten für abtreibungsbedingte Komplikationen, wie zum Beispiel Beckenentzündungen (PID) und Unfruchtbarkeit, müssen viele Menschen selbst tragen. Wir fordern, dass weltweit keine finanziellen Nachteile für Menschen, die eine Schwangerschaft abbrechen, entstehen und ihre medizinische Versorgung keine Frage des Einkommens ist.

Unsichere Abtreibungen, welche häufiger in Ländern stattfinden, in denen Schwangerschaftsabbrüche illegal sind, führen zu vermehrten abtreibungsbedingten Komplikationen. Deshalb ist die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen weltweit unerlässlich, um die Gesundheit von gebährfähigen Menschen zu schützen.

Quellen:

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Restriktive Gesetzgebung und unsichere Schwangerschaftsabbrüche

Fast die Hälfte (45%) der weltweit durchgeführten Schwangerschaftsabbrüche gelten als 'unsicher'. Dabei definiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unsichere Schwangerschaftsabbrüche als solche, die durch nicht-qualifiziertes Personal oder nicht-empfohlene Methoden, wie z.B. den Drahtkleiderbügel in unserer Abbildung, durchgeführt werden. Dies erhöht das Risiko für Komplikationen nach dem Eingriff, wie z.B. starke Blutungen, Infektionen, Schädigung oder Durchstechen der Gebärmutter oder Verwachsungen in der Gebärmutter.

Die größte Rate an unsicheren Schwangerschaftsabbrüchen haben v.a. Afrika, Asien und Latein-Amerika bzw. Länder mit niedrigem Bruttonationaleinkommen. Es gibt aber darüber hinaus regionale Unterschiede: je strenger die Gesetzgebung der Länder zum Schwangerschaftsabbruch, desto mehr Schwangerschaftsabbrüche wurden unter unsicheren Bedingungen durchgeführt. Oft argumentieren Abtreibungsgegner*innen, dass strengere Gesetze die Anzahl der Schwangerschaftsabbrüche senken würden. In der Realität führen die strengeren Gesetze allerdings vor allem dazu, dass die Schwangerschaftsabbrüche unsicherer werden und die Gesundheit von ungewollt Schwangeren gefährden.

Quellen:

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Todesopfer unsichere Schwangerschaftsabbrüche weltweit

Die Abbildung zeigt ein schwarzes Kreuz und einen Drahtkleiderbügel mit der Bildunterschrift: "Mehr als 22.800 Menschen sterben weltweit an unsachgemäßen Schwangerschaftsabbrüchen."\ ⠀\ Weltweit werden jedes Jahr durchschnittlich 73,3 Millionen Schwangerschaftsabbrüche (SAB) durchgeführt. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind 45% davon unsicher. Deshalb sterben jedes Jahr mehr als 22.800 Menschen weltweit an unsachgemäßen SAB. In früheren Studien war sogar von 68.000 Todesfällen die Rede. Genaue Todeszahlen zu ermitteln, ist jedoch enorm schwierig, da die Datenlage in den verschiedenen Ländern stark variiert. Außerdem ist die Dunkelziffer der unsicheren Abbrüche sehr hoch - denn in vielen Ländern sind Abtreibungen strafbar.\ ⠀\ Insgesamt sind etwa 4.7% – 13.2% der weltweiten Müttersterblichkeit auf unsichere SAB zurückzuführen. Das sind zwischen 22.800 - 31.000 ungewollt Schwangere. Diese treten größtenteils (zu 97%) in Ländern in Afrika, Asien und Latein-Amerika auf, in denen das Gesetz Abtreibungen entweder gar nicht oder nur in ganz wenigen Notsituationen erlaubt. Dort werden unsichere Abbrüche von Menschen durchgeführt, die keine bis kaum medizinische Kenntnisse haben, und mit Methoden, die veraltet oder hoch gefährlich sind. Die bekannteste ist das Einführen von spitzen Gegenständen in die Gebärmutter, wie einer Fahrradspeiche oder eines Draht-Kleiderbügels.\ ⠀\ Somit ist von jährlich mehreren zehntausenden Todesfällen auszugehen, die relativ leicht zu verhindern wären: Indem der Zugang zu sicheren, medizinisch begleiteten Abbrüchen ermöglicht wird. Die WHO schreibt dazu, dass fast jeder Todesfall oder bleibende Schäden durch eine Abtreibung hätten verhindert werden können: durch eine gute Sexualaufklärung, den Gebrauch von effektiven Verhütungsmitteln und Zugang zu sicheren, legalen Abbrüchen und eine gute medizinische Versorgung von eventuellen Komplikationen.

Quellen:

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Münster

Seit Jahren sind die Anzahl an Ärzt*innen und Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, rückläufig. Dies bedeutet, dass es immer mehr Regionen und Städte gibt, in denen es keine oder kaum Anlaufstellen für ungewollt Schwangere gibt. Diese Anlaufstellen sind gar nicht so einfach zu finden, denn der §219a StGB hindert Ärzt*innen daran, über Schwangerschaftsabbrüche z.B. auf ihrer Homepage zu berichten. Eine einfache Internetrecherche oder ein Blick auf die Webseite der eigenen Gynäkologin oder des eigenen Gynäkologen reicht also nicht aus. (Weitere Informationen zu dem Thema findet ihr in den Posts zu §219 von uns.)⠀

Als Unterstützungsangebot hat die deutsche Bundesregierung deshalb Anfang 2019 eine Liste bei der Bundesärztekammer in Auftrag gegeben, in der sich solche Praxen und Ärzt*innen freiwillig eintragen können. Das Problem ist, dass diese Liste alles andere als vollständig ist. Viele Ärzt*innen entscheiden sich z.B. bewusst dagegen, weil sie Angst vor den Anfeindungen und Diffamierungen durch Abtreibungsgegner*innen haben, wenn sie auf der Liste öffentlich erscheinen. Außerdem fehlen oft weitere nützliche Angaben: z.B. die Angaben der Methoden, bis zu welcher Schwangerschaftswoche sie Schwangerschaftsabbrüche anbieten. All solche Informationen findet man also erst nach einem ersten Gespräch mit der Praxis heraus.⠀

Aber wie sieht denn die Versorgungssituation in manchen Städten ganz konkret aus?

In Münster - einer Stadt mit mehr als 300.000 Einwohner*innen - sind von 1943 Praxen mindestens 136 gynäkologische Praxen [1]. Auf der Liste der Bundesärztekammer steht nur eine einzige Praxis, die Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Hier wird nur die operative Methode angeboten.⠀

[1] Es gibt keine öffentlichen Statistiken über die Anzahl von Fachpraxen in einer Stadt. Zur Orientierung und groben Annäherung haben wir die Einträge im Bewertungsportal Jameda gezählt.⠀ ⠀

Quellen:

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"Nein zu §218" - Kristina Hänel

Die deutsche Einigung erfordert die Vereinheitlichung zweier konträrer Gesetzgebungen zum Schwangerschaftsabbruch. Das Verfassungsgericht weist 1993 die Richtung: Es stellt den Lebensschutz des Embryos klar über das Recht von Schwangeren, selbstbestimmt über ihr Leben entscheiden zu dürfen.

So wird 1995 mit dem Schwangerschaftskonfliktgesetz eine Mischung aus Indikationen- und Fristenregelung mit Pflichtberatung eingeführt. Der §218 bleibt. Eine Abtreibung ist strafbar, außer es handelt sich um eine kriminologische oder medizinische Indikation. Findet der Eingriff nach einer Pflichtberatung gemäß §219 in den ersten 12 Wochen nach Empfängnis statt, bleibt er rechtswidrig, aber straffrei.

Diese Gesetzgebung stigmatisiert ungewollt Schwangere und führt zur Verschlechterung der medizinischen Versorgungslage. Denn immer weniger Ärzt*innen sind bereit den Eingriff durchzuführen - die Kriminalisierung zeigt ihre Wirkung.

Die Ärztin Kristina Hänel erlangt bundesweite Bekanntheit, nachdem sie mehrfach wegen “Werbung für Schwangerschaftsabbrüche” nach §219a verurteilt wurde. Um auf ihrer Website weiterhin sachlich informieren zu dürfen, zieht sie nun vor das Bundesverfassungsgericht. Ihr Widerstand stößt die Debatte über die Regelung zum Schwangerschaftsabbruch neu an und treibt die Pro-Choice-Bewegung in Deutschland an. Viele Menschen setzen sich nun wieder für eine Neuregelung außerhalb des Strafgesetzbuches ein.

Quellen:

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"Nein zu §218" - BRD/DDR

Deutschland ist seit 1949 ein geteiltes Land - auch im Umgang mit Schwangerschaftsabbrüchen. Die DDR orientiert sich an den sowjetischen Nachbarländern und liberalisiert den Zugang für Betroffene. In Westdeutschland besteht §218 zunächst unverändert im Strafgesetzbuch fort. 1953 fällt zwar der vom NS-Regime hinzugefügte Absatz zur angedrohten Todesstrafe weg, insgesamt bleibt es aber bei der Gesetzgebung aus der Weimarer Republik. Und auch in der DDR sind Abbrüche seit 1950 nur noch aus medizinischen Gründen und bei schwerer Erbkrankheit erlaubt. Die konservativen Gesetze fördern in BRD und DDR unsichere und illegale Abbrüche.

Im Zuge der neuen feministischen Bewegung im Westen der 60er und 70er Jahre erstarkt die Kritik an der Fremdbestimmung, es werden jedoch nur kleinere Änderungen am Gesetz vorgenommen. Erst 1976 bekommt die BRD nach christlich-ethischen Bedenken und Urteilen vom Verfassungsgericht eine weitreichende Indikationslösung im §218. Die DDR erkennt dagegen bereits seit 1972 das Recht auf Abtreibung an. Dies nicht aus Gründen der Emanzipation und Selbstbestimmung, sondern weil die Arbeiterinnen zur Produktionssteigerung benötigt werden. Zudem fordern auch Ärzt*innen ein Ende der illegalen Abbrüche. Ob Ost, ob West, die Regime machen ihre Ansprüche auf "Frauenkörper und -rollen" unterschiedlich geltend.

Quellen:

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"Nein zu §218" - Margarete Hilferding

Margarete Hilferding ist 1903 die erste Frau, die im Fach Medizin an der Wiener Universität promoviert und ab 1910 unter anderem als Frauenärztin und Psychologin in Berlin und Wien praktiziert. Im Jahr 1926 erscheint ihr zentrales Werk "Geburtenregelung", in dem sie auch für liberalere Abtreibungsbestimmungen eintritt. Ihren Einsatz für die Rechte der Frauen begründet sie darin damit, „daß die Frau, die Mutter darüber zu entscheiden habe, wann und wie viele Kinder sie zur Welt bringen wolle“.

Durch die nationalsozialistische Machtergreifung 1933 ändert sich zunächst einmal nichts am §218. Es kommt jedoch mit §219a das Verbot dazu, für Schwangerschaftsabbrüche zu werben. Dadurch wird selbst die Bereitstellung sachlicher und notwendiger Informationen zum Schwangerschaftsabbruch durch Ärzt*innen bis heute erschwert.⠀\ ⠀\ §218 wird 1942 dahingehend verschärft, dass der „Täter“ einer Abtreibung zum Tode verurteilt werden kann, wenn durch den Abbruch “die Lebenskraft des deutschen Volkes” beeinträchtigt wird. Schwangerschaftsabbrüche sind jedoch nicht grundsätzlich verboten. Im Gegenteil: von Gerichten angeordnete Zwangsabbrüche sind an der Tagesordnung, sofern die Betroffenen entweder als erbkrank oder als nicht-arisch gelten. Als Anhängerin der sozialistischen Bewegung und als Jüdin erschwert der Nationalsozialismus Margarete Hilferding ihr Engagement in der Frauenbewegung und verbietet ihr später die Ausübung ihres Berufes. Ihre Familie wird auseinandergerissen, sie selbst 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Eine Verlegung in ein weiteres Lager, Treblinka, überlebt sie nicht.

Quellen:

  • Bundeszentrale für politische Bildung: Kurze Geschichte des §218⠀
  • ANNO: Historische Österreichische Zeitschriften und Zeitungen ⠀
  • Podcast: mariaundderparagraph.de Folge 3⠀
  • Ärzteblatt: Margarethe Hilferding: Aufbruch aus Rollenbildern
  • Illustration: Kati Szilágyi
  • Layout: Studio Cabrio
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"Nein zu §218" - Else Kienle

Schon nach dem Ende des Ersten Weltkriegs formiert sich der Widerstand gegen den “Gebärzwang” neu. Die häufig prekären Lebensumstände ungewollt Schwangerer und die hohe Müttersterblichkeit werden jetzt auch von Ärzt*innen als gravierendes Problem erkannt. Unter ihnen Else Kienle.

1920 lehnt der Reichstag den Antrag der SPD für straffreie Abtreibungen in den ersten drei Monaten ab. Erst 1926 kommt es zu einer enttäuschenden Änderung des §218, der statt Zuchthaus nun Gefängnis vorsieht. Doch das Reichsgericht urteilt schon 1927, dass Schwangere aus medizinischen Gründen abtreiben dürfen. ⠀

Dennoch bleibt ein gesellschaftlicher Unmut bestehen, der zu einer Massenbewegung führt. Diese geht auch in die Kultur der Zeit ein. Friedrich Wolfs Schauspiel “Cyancali” wird 1929 zum erfolgreichsten Stück der Spielzeit. Es erzählt von einer Arbeiterin, die an den Folgen einer verpfuschten Abtreibung stirbt.

Der Protest gipfelt 1931 mit der Verhaftung der Ärzt*innen Kienle und Wolf, die trotz §218 Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Wolf, der auch bei der KPD aktiv ist, kommt schnell wieder auf Kaution frei, doch Kienle bleibt in Haft. Währenddessen wächst die deutschlandweite Protestbewegung auch um bekannte Personen wie Käthe Kollwitz, Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht und Albert Einstein, die die Abschaffung des “Schandparagraphen” fordert. Erst durch ihren Hungerstreik wird Kienle nach sechs Wochen freigelassen. 1932 flieht Kienle aus Angst vor einer erneuten Verhaftung in die USA.⠀

Quellen:

  • Else Kienle, Fembio - Frauen Biographienforschung
  • Bundesstiftung Magnus Hirschfeld
  • Bundeszentrale für politische Bildung, Kurze Geschichte des Paragrafen 218 StGB⠀
  • Illustration: Kati Szilágyi
  • Layout: Studio Cabrio
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"Nein zu §218" - Helene Stöcker

Strafgesetzbuch § 218 von 1871:

(1) Eine Schwangere, welche ihre Frucht vorsätzlich abtreibt oder im Mutterleibe tödtet, wird mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren bestraft.\ (2) Sind mildernde Umstände vorhanden, so tritt Gefängnißstrafe nicht unter sechs Monaten ein.\ (3) Dieselben Strafvorschriften finden auf denjenigen Anwendung, welcher mit Einwilligung der Schwangeren die Mittel zu der Abtreibung oder Tödtung bei ihr angewendet oder ihr beigebracht hat.

Mit diesem Gesetz wird der Schwangerschaftsabbruch seither unter hohe Strafe gestellt. In einer eigenständigen Familienplanung sieht die konservative Führung eine Gefahr für ihre Machtfülle und Heeresgröße. Helene Stöcker ist seit 1905 Vorsitzende des Bundes für Mutterschutz und Sexualreform und plädiert als eine der ersten Widerstandskämpfer*innen dafür, dass Frauen selbstbestimmt ihre Sexualität ausleben. Durch ihren Zusammenschluss mit Sexualwissenschaftler*innen wie Magnus Hirschfeld und anderen Akteur*innen erreicht die Diskussion alle politischen Lager. Linke wehren sich gegen den “Klassenparagraphen”, weil nur Reiche sich Verhütungsmittel und illegale Abtreibungen leisten können. Aber auch menschenverachtende Argumente finden ihren Weg in die Widerstandsbewegung. Schon 1914 kommt sie mit dem Start des ersten Weltkriegs zum Erliegen.

Quellen:

  • Digitales Deutsches Frauenarchiv
  • Bundeszentrale für politische Bildung, Kurze Geschichte des Paragrafen 218 StGB ⠀
  • Bundeszentrale für politische Bildung, Was ihr zusteht. Kurze Geschichte des Feminismus
  • Illustration: Kati Szilágyi
  • Layout: Studio Cabrio
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150 Jahre §218

Am 15.5.21 existiert der §218 seit 150 Jahren im Strafgesetzbuch. Seither ist Abtreibung strafbar und wird kurz nach Mord und Totschlag im Gesetzbuch genannt. Von Anfang an ist die Gesetzgebung umstritten und löste immer wieder heftige Widerstände aus. Wir zeigen Euch in den kommenden Tagen einige der mutigen Widerstandskämpferinnen. Wunderschön illustriert von Kati Szilágyi. Und weil wir sie so toll finden, sind auch als Plakat erhältlich und stehen auf unserer Webseite zum Download bereit!

In den nächsten Tagen sind in ganz Deutschland Aktionen im Zeichen des Widerstandes gegen die aktuelle Gesetzeslage geplant. Höchste Zeit, dass dieser Paragraf aus dem Strafgesetzbuch verschwindet. Wir wollen eine gute Gesundheitsversorgung statt Bevormundung und Kriminalisierung. Mehr Infos dazu ebenfalls auf der Mobilisierungs-Seite "wegmit218.de".

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Er sagte, sie sagte..

"Führt sie die Schwangerschaft fort, zerstöre sie sein Leben. Sie zwinge ihm ein Kind auf, dass er nie wollte. Meint ihr Freund. Bricht sie die Schwangerschaft ab, sei sie eine Mörderin, weil Abtreibung gleich Mord sei. Meint ihre Mutter."

Egal wie sie sich entscheidet, es ist falsch und sie ist schuld. Das ist ihr Gefühl.

Es ist schwer, in so einer Situation herauszufinden, was man für sich möchte. Die Zeit drängt, die Hormone spielen schon verrückt, man fühlt sich "neben sich", ist total müde, doch schlafen kann man nicht, denn die Gedanken kreisen um die Frage "was ist die richtige Entscheidung?".

DIE richtige Entscheidung gibt es allerdings nicht. Bei beiden Wegen, wird man später zurück schauen und sie für richtig oder falsch bewerten können, abhängig davon, wie der weitere Verlauf sein wird. Partnerinnen, Freundinnen und Familien können in der Entscheidungsfindung eine enorm wichtige Unterstützung sein, so lange kein Druck ausgeübt sondern Rückhalt signalisiert wird. Und das egal wie die Entscheidung ausfällt.

Wichtig und richtig ist, der eigenen Stimme Gehör zu verschaffen, möglichst in Ruhe abzuwägen, mit welcher Entscheidung und deren Konsequenzen man sich eher anfreunden kann. Richtig ist, sich davon frei zu machen, im Leben immer alles richtig und es jedem Recht machen zu müssen. Und sich für das zu entscheiden, was für sich persönlich, im Moment, der richtige Weg erscheint.

Quellen:

Isabel, 26, Schwangerschaftskonfliktberatung

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Gründe stigmatisiert zu werden

Gar nicht so einfach mit der "richtigen Familienplanung". Und dabei läuft es eben oft nicht nach Plan. 29,9 % der Schwangerschaften sind nicht beabsichtigt. Sich dann frei entscheiden zu können, ob man ein Kind in einer ggf. ungünstigen Ausgangslage bekommt oder einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lässt, ist ein elementares Menschenrecht. Deswegen müssen Abtreibungen legal und sicher zugänglich sein.

Quellen:

  • frauen leben 3. Familienplanung im Lebenslauf von Frauen – Schwerpunkt: Ungewollte Schwangerschaften. Eine Studie im Auftrag der BZgA
  • Parlamentarische Versammlung des Europarates, Resolution 1607 (2008), 7.3, 7.6, 7.7.
  • UN-Frauenrechtskonvention, Art. 16 Ziff
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Ungeplant schwanger - und nun?

Stell Dir vor Du bist ungeplant schwanger und Deine aktuelle Lebenssituation ist nicht optimal, wie würdest Du Dich entscheiden? Welche Faktoren wären sehr wichtig, um die Schwangerschaft fortzusetzen, welche weniger? Wem würdest Du von der Schwangerschaft sofort erzählen, wem lieber erstmal nicht?

Laut der Studie Frauen Leben 3 (BzGA 2016) ist der Hauptgrund für ein Schwangerschaftsabbruch bei Frauen unter 35 Jahren eine schwierige oder keine Partnerschaft. Berufliche und finanzielle Unsicherheit steht altersübergreifend an zweiter Stelle der Hauptgründe. Der Aspekt sich "zu jung und unreif" zu fühlen oder noch in Studium / Ausbildung zu sein ist v.a. für unter 25-Jährige relevant, gesundheitliche Bedenken hingegen äussern v.a. die über 35-Jährigen.

Daneben gibt es noch viele weitere Gründe, die in der Studie nicht explizit erhoben wurden, wie z.B. unsicherer Aufenthaltsstatus, Druck aus der eigenen Familie / Umfeld, kulturelle Anforderungen, psychische Belastung des Partners oder der Partnerin / Pflege von Familienangehörigen u.a.

Die Erfahrung aus der Praxis zeigt, dass es oft eine Summe von mehreren erschwerenden Faktoren sind, die zur Entscheidung führen, eine Schwangerschaft zu beenden.

Gut jede Zweite als anfänglich "ungewollt" eingestufte Schwangerschaft wird jedoch ausgetragen. Betroffene tun dies laut der Studie meistens, weil es für sie "sofort klar und selbstverständlich" war, das Kind zu bekommen, sie "einen Abbruch grundsätzlich ablehnen" oder sie "die Meinung geändert" haben. Wesentliche Faktoren sind zu dem ebenfalls das Alter, eine stabile Partnerschaft und eine beruflich und finanziell sichere Position.

Quellen:

frauen leben 3. Familienplanung im Lebenslauf von Frauen – Schwerpunkt: Ungewollte Schwangerschaften. Eine Studie im Auftrag der BZgA

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Bremen

Seit Jahren sind die Anzahl an Ärzt*innen und Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, rückläufig. Dies bedeutet, dass es immer mehr Regionen und Städte gibt, in denen es keine oder kaum Anlaufstellen für ungewollt Schwangere gibt. Diese Anlaufstellen sind gar nicht so einfach zu finden, denn der §219a StGB hindert Ärzt*innen daran, über Schwangerschaftsabbrüche z.B. auf ihrer Homepage zu berichten. Eine einfache Internetrecherche oder ein Blick auf die Webseite der eigenen Gynäkologin oder des eigenen Gynäkologen reicht also nicht aus. (Weitere Informationen zu dem Thema findet ihr in den Posts zu §219 von uns.)⠀

Als Unterstützungsangebot hat die deutsche Bundesregierung deshalb Anfang 2019 eine Liste bei der Bundesärztekammer in Auftrag gegeben, in der sich solche Praxen und Ärzt*innen freiwillig eintragen können. Das Problem ist, dass diese Liste alles andere als vollständig ist. Viele Ärzt*innen entscheiden sich z.B. bewusst dagegen, weil sie Angst vor den Anfeindungen und Diffamierungen durch Abtreibungsgegner*innen haben, wenn sie auf der Liste öffentlich erscheinen. Außerdem fehlen oft weitere nützliche Angaben: z.B. die Angaben der Methoden, bis zu welcher Schwangerschaftswoche sie Schwangerschaftsabbrüche anbieten. All solche Informationen findet man also erst nach einem ersten Gespräch mit der Praxis heraus.⠀

Aber wie sieht denn die Versorgungssituation in manchen Städten ganz konkret aus? ⠀

In Karlsruhe - einer Stadt mit mehr als 300.000 Einwohner*innen - sind von 1321 Praxen mindestens 93 gynäkologische Praxen.[1] Auf der Liste der Bundesärztekammer steht nur eine einzige Praxis, die Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Angaben zu Methoden fehlen allerdings.

In Bremen - einer Stadt mit fast 600.000 Einwohner*innen - sind von 2394 Praxen mindestens 166 gynäkologische Praxen. [1] Auf der Liste der Bundesärztekammer stehen nur 4 Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Davon bieten nur 2 Praxen die medikamentöse Methode an.⠀ ⠀

[1] Es gibt keine öffentlichen Statistiken über die Anzahl von Fachpraxen in einer Stadt. Zur Orientierung haben wir die Einträge im Bewertungsportal Jameda gezählt.⠀ ⠀

Quellen:

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"Schwanger - ist das eine gute oder schlechte Nachricht?"

Eine Gynäkologin erzählt uns: "Ein Pärchen kommt zum Schwangerschaftsabbruch in meine Praxis und erzählt von den überschwänglichen Glückwünschen ihrer Frauenärztin nach der Bestätigung der frühen Schwangerschaft. 'Aus der Nummer kommen wir nicht mehr raus...', dachte das Pärchen. Die Schwangerschaft war allerdings eine Verhütungspanne und nicht gewollt. Das Paar fühlte sich also von den Glückwünschen der Frauenärztin überrumpelt und unverstanden. Wir sollten als Gynäkolog*innen also lernen zu fragen: 'Schwanger. ist das eine gute oder schlechte Nachricht für Sie?' "

Dieser Appell ist so wichtig. Viele Paare wissen schon vor dem Eintreten einer Schwangerschaft, dass eine Abtreibung folgen wird, falls die Verhütungsmethode versagt. Diese Schwangeren brauchen keine Pflichtberatung, keine Wartezeit und auch keine Ärztin, die sich über die Schwangerschaft freut oder ihnen ggf. sogar ein schlechtes Gewissen einredet. Sie brauchen eine zeit- und wohnortnahe Versorgung mit den unterschiedlichen Methoden und Ärzt*innen, die einer ungewollt Schwangeren wertfrei und emphatisch begegnen.

Quellen:

  • Kero, A. et al. (2001): Legal abortion: a painful necessity. Soc. Sci Med; 53:1481-90
  • Rowlands, S. (Hrsg.): Abortion care (2014). Cambridge University Press
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Abtreibungs-Mythos Fehlgeburt-Risiko

"Nach einer Abtreibung ist das Risiko viel größer, später mal eine Fehlgeburt zu haben." Dieser Satz beinhaltet einen Mythos, der sich immer noch hartnäckig hält, auch bei medizinischem Personal. Diese Annahme ist aber schlichtweg falsch.

Dieser Mythos kommt möglicherweise daher, dass früher die operative Methode mit mehr Komplikationen verbunden war. Es wurde häufiger die Kürettage (Ausschabung) angewendet, welche mit bedeutend mehr Risiken und Komplikationen verbunden ist. Eine Komplikation ist das sogenannte "Asherman-Syndrom". Hierbei kommt es zur Verklebungen und Verwachsungen der Gebärmutterwand, weshalb sich neue befruchtete Eizellen schwieriger einnisten können und damit weniger Schwangerschaften entstehen. Außerdem kommt es vermehrt zu Fehlgeburten. Obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Kürettage als unsicher einstuft, werden in Deutschland auch heute noch 12% der Abbrüche mit dieser veralteten Methode durchgeführt.

Heutzutage werden insgesamt aber schonende Methoden zum Schwangerschaftsabbruch verwendet: die operative Absaugung (Vakuumaspiration) und der medikamentöse Abbruch. Hierbei gibt es keine erhöhte Rate an Fehlgeburten bei nachfolgenden Schwangerschaften. Außerdem wird heutzutage ein Medikament namens Mifepriston verwendet, welches den Gebärmutterhals weicher macht, wodurch es zu weniger Verletzungen kommt. Früher gab es noch keine Möglichkeit der medikamentösen Vorbereitung der Gebärmutter auf einen Schwangerschaftsabbruch. Auch dies würde erklären, warum die Rate an Komplikationen stark gesunken ist.

Fazit: Heutzutage gibt es kein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten nach einem Schwangerschaftsabbruch.

Quellen:

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Medikamentöse Methode - im europäischen Vergleich

Ein Schwangerschaftsabbruch kann - je nach Schwangerschaftswoche - grundsätzlich mittels operativer oder medikamentöser Methoden durchgeführt werden. In den letzten beiden Posts haben wir die beiden Methoden schon etwas genauer angeschaut.

Die medikamentöse Methode gibt es seit den 80er Jahren, als das Steroidhormon Mifepriston in Frankreich entdeckt und 1988 zugelassen wurde. Weitere Zulassungen in europäischen Ländern wie Schweden und Großbritannien folgten. Knapp zehn Jahre später, im Jahr 1999, erfolgte dann erst die Zulassung in Deutschland. Bis heute wird allerdings noch zögerlich zu dieser Methode gegriffen: Im Jahr 2019 wurden nur ca. 28,3% der Schwangerschaftsabbrüche medikamentös durchgeführt, obwohl 73,8% der Schwangerschaftsabbrüche vor der 9. SSW stattfanden - und damit für die medikamentöse Methode in Frage kämen.

Andere Länder sind da schon weiter. In der Schweiz ist das Verhältnis mit 74% medikamentösen Abbrüchen im Jahr 2019 beispielsweise quasi gegenteilig zu Deutschland, obwohl die Zulassung von Mifepriston fast zeitgleich mit Deutschland erfolgte. Weitere Länder sind beispielsweise Schweden (94,5%), Norwegen (92,4%) oder Großbritannien (73%).

Allerdings scheint sich auch in Deutschland langsam ein Wandel anzubahnen. So berichtete das statistische Bundesamt, dass im 3. Quartal 2020 32% der Schwangerschaftsabbrüche medikamentös stattfanden. Dieser Trend wird sicherlich u.a. auch durch die Pandemiesituation beeinflusst worden sein. Es bleibt abzuwarten wie die Statistik sich langfristig entwickelt.

Quellen:

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Karlsruhe

Seit Jahren sind die Anzahl an Ärzt*innen und Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, rückläufig. Dies bedeutet, dass es immer mehr Regionen und Städte gibt, in denen es keine oder kaum Anlaufstellen für ungewollt Schwangere gibt. Diese Anlaufstellen sind gar nicht so einfach zu finden, denn der §219a StGB hindert Ärzt*innen daran, über Schwangerschaftsabbrüche z.B. auf ihrer Homepage zu berichten. Eine einfache Internetrecherche oder ein Blick auf die Webseite der eigenen Gynäkologin oder des eigenen Gynäkologen reicht also nicht aus. (Weitere Informationen zu dem Thema findet ihr in den Posts zu §219 von uns.)⠀

Als Unterstützungsangebot hat die deutsche Bundesregierung deshalb Anfang 2019 eine Liste bei der Bundesärztekammer in Auftrag gegeben, in der sich solche Praxen und Ärzt*innen freiwillig eintragen können. Das Problem ist, dass diese Liste alles andere als vollständig ist. Viele Ärzt*innen entscheiden sich z.B. bewusst dagegen, weil sie Angst vor den Anfeindungen und Diffamierungen durch Abtreibungsgegner*innen haben, wenn sie auf der Liste öffentlich erscheinen. Außerdem fehlen oft weitere nützliche Angaben: z.B. die Angaben der Methoden, bis zu welcher Schwangerschaftswoche sie Schwangerschaftsabbrüche anbieten. All solche Informationen findet man also erst nach einem ersten Gespräch mit der Praxis heraus.⠀

Aber wie sieht denn die Versorgungssituation in manchen Städten ganz konkret aus? ⠀

In Karlsruhe - einer Stadt mit mehr als 300.000 Einwohner*innen - sind von 1321 Praxen mindestens 93 gynäkologische Praxen.[1] Auf der Liste der Bundesärztekammer steht nur eine einzige Praxis, die Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Angaben zu Methoden fehlen allerdings.

[1] Es gibt keine öffentlichen Statistiken über die Anzahl von Fachpraxen in einer Stadt. Zur Orientierung haben wir die Einträge im Bewertungsportal Jameda gezählt.⠀ ⠀

Quellen:

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Blumenstrauß

Eine Gynäkologin berichtet uns: "Nur ein einziges Mal habe ich erlebt, dass ein Mann seine Partnerin mit einem Blumenstrauß von dem Abbruch abgeholt hat. Das wünsche ich jeder ungewollt Schwangeren: eine gemeinsam getroffene Entscheidung und seine liebevolle Anerkennung für die körperliche Belastung, die sie trägt."

Eine ungewollte Schwangerschaft kann eine belastende Situation sein und die Entscheidung für eine Abtreibung trifft niemand leichtfertig. Umso wichtiger ist es deshalb, dass die Betroffenen Unterstützung aus ihrem Umfeld erfahren - von Partner*innen, Freund*innen, Familienmitgliedern oder Bekannten.

Studien wie die von Biggs et al. zum Beispiel zeigen jedoch, dass die meisten Menschen, die einen Schwangerschaftsabbruch in Erwägung ziehen oder durchführen, irgendeine Form der Stigmatisierung erleben. Und je stärker die Stigmatisierungen sind, desto mehr darunter auch später psychisch leiden. Und auch die Erfahrungen dieser Gynäkologin demonstrieren, dass der Weg in der Realität oft sehr einsam ist.

Auch wir wünschen uns, dass sich das ändert. Wir sollten offener und unvoreingenommener über das Thema sprechen, damit Betroffene sich zunehmend trauen, von ihren Erfahrungen zu erzählen.

Wie würdet ihr reagieren, wenn jemand aus eurem Freundes- oder Bekanntenkreis erzählt, dass sie ungewollt schwanger ist und eine Abtreibung durchführen will?⠀

Quellen:

  • Biggs, Antonia et al. (2020): “Perceived abortion stigma and psychological well-being over five years after receiving or being denied an abortion.” PloS one⠀
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"Ihre Schwangerschaft ist [für mich] schon zu weit fortgeschritten!"

Viele Ärzt*innen legen für sich eine bestimmte Schwangerschaftswoche (SSW) fest, bis zu der sie operieren und häufig liegt diese unter der gesetzlich erlaubten Grenze von 13+6 SSW (nach Beratungsregelung). Die Festlegung wird individuell und persönlich getroffen. Rein operativ gesehen, macht es keinen Unterschied, ob eine Absaugung bei 10+0 SSW oder 11+0 SSW durchgeführt wird.

Diese Grenzen führen dazu, dass ungewollt Schwangere in manchen Regionen Probleme haben, eine Praxis zu finden, die den Eingriff vornimmt. Durch den §219a StGB ist es zudem schwieriger, an diese Information überhaupt erst heranzukommen. Der Paragraph im Strafgesetzbuch verbietet es Ärzt*innen, auf ihrer Webseite beispielsweise genau solche Informationen niederschreiben zu können. Auch die Liste der Bundesärztekammer, die als Online-Informationsquelle dienen soll, ist in Hinblick auf solche Informationen unzureichend.

Für die Betroffenen bedeutet dies also manchmal mehrere Anrufe, bei denen ihnen gesagt wird: "Tut mir leid, die Schwangerschaft ist schon zu weit fortgeschritten".

Nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz sind die Bundesländer allerdings verpflichtet für ein ausreichendes Angebot an Einrichtungen, die Abbrüche vornehmen, zu sorgen. Dabei ist leider nirgendwo festgelegt, was als ausreichend gilt, weshalb sich die wenigsten Bundesländer zum Handeln gezwungen fühlen und den Status Quo als ausreichend ansehen.

Quellen:

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In Deutschland bevorzugen Ärzt*innen die Operation. Aber hätten Patient*innen die Wahl...

Ein Schwangerschaftsabbruch kann - je nach Schwangerschaftswoche - grundsätzlich mittels operativer oder medikamentöser Methoden durchgeführt werden. Dabei gibt es keine Methode, die aus medizinischer Sicht als "die Überlegenere" angesehen wird - beide sind sehr wirksam und haben ein niedriges Risiko für Komplikationen. Entscheidender für die Zufriedenheit und das Wohlergehen der Patient*innen ist, dass ihnen die Methoden aufgezeigt werden und bei der Wahl ein Mitspracherecht eingeräumt wird. So ziehen manche die Operation vor, da dies rascher geht, während andere die medikamentöse Methode wählen, um eine Narkose zu vermeiden oder die Beendigung der Schwangerschaft bewusst miterleben zu können, um sich z.B. noch zu verabschieden.

Im 3. Quartal 2020 wurden in Deutschland 32% der Schwangerschaftsabbrüche medikamentös (im Gegensatz zu 28,3% in 2019) und 67,2% operativ (im Gegensatz zu 71% in 2019) durchgeführt.

Studien zeigen allerdings, dass sich ca. 60-80% der ungewollt Schwangeren - wenn sie die Wahl haben - für die medikamentöse Methode entscheiden. In Deutschland bemerken wir aber aktuell einen Rückgang an Ärzt*innen und Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Solange solche Anlaufstellen nicht flächendeckend zur Verfügung stehen, wird es vielen Schwangeren nicht möglich sein, über die Methode frei zu entscheiden. Dies muss sich unbedingt ändern.⠀ ⠀

Quellen:

  • Winikoff B. et al. (1995): Acceptability of medical abortion in early pregnancy, Family Planning Perspectives
  • Cameron ST et al. (1996): Impact of the introduction of new medical methods on therapeutic abortions at the Royal Infirmary in Edinburgh, British Journal of Obstetrics and Gynaecology
  • Howie et al. (1997): Medical abortion or vacuum aspiration? Two year follow up of a patient preference trial
  • Statistisches Bundesamt - Statistik zu Schwangerschaftsabbrüchen
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Stuttgart

Seit Jahren sind die Anzahl an Ärzt*innen und Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, rückläufig. Dies bedeutet, dass es immer mehr Regionen und Städte gibt, in denen es keine oder kaum Anlaufstellen für ungewollt Schwangere gibt. Diese Anlaufstellen sind gar nicht so einfach zu finden, denn der §219a StGB hindert Ärzt*innen daran, über Schwangerschaftsabbrüche z.B. auf ihrer Homepage zu berichten. Eine einfache Internetrecherche oder ein Blick auf die Webseite der eigenen Gynäkologin oder des eigenen Gynäkologen reicht also nicht aus. (Weitere Informationen zu dem Thema findet ihr in den Posts zu §219 von uns.)⠀

Als Unterstützungsangebot hat die deutsche Bundesregierung deshalb Anfang 2019 eine Liste bei der Bundesärztekammer in Auftrag gegeben, in der sich solche Praxen und Ärzt*innen freiwillig eintragen können. Das Problem ist, dass diese Liste alles andere als vollständig ist. Viele Ärzt*innen entscheiden sich z.B. bewusst dagegen, weil sie Angst vor den Anfeindungen und Diffamierungen durch Abtreibungsgegner*innen haben, wenn sie auf der Liste öffentlich erscheinen. Außerdem fehlen oft weitere nützliche Angaben: z.B. die Angaben der Methoden, bis zu welcher Schwangerschaftswoche sie Schwangerschaftsabbrüche anbieten. All solche Informationen findet man also erst nach einem ersten Gespräch mit der Praxis heraus.⠀

Aber wie sieht denn die Versorgungssituation in manchen Städten ganz konkret aus? ⠀

In Stuttgart - einer Stadt mit mehr als 630.000 Einwohner*innen - sind von 2895 Praxen mindestens 191 gynäkologische Praxen.[1] Auf der Liste der Bundesärztekammer stehen nur 2 Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Davon bietet eine Praxis sogar nur die medikamentöse Methode an.

[1] Es gibt keine öffentlichen Statistiken über die Anzahl von Fachpraxen in einer Stadt. Zur Orientierung haben wir die Einträge im Bewertungsportal Jameda gezählt.⠀ ⠀

Quellen:

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"Es war nicht leicht. Aber es war das Beste..."

Wir erleben in den Erfahrungsberichten von ungewollt Schwangeren oft, dass es für die Betroffenen der Abbruch keine leichte Entscheidung war. Nicht nur die eigenen Emotionen und Ressourcen spielen eine große Rolle, sondern auch wie ungewollt Schwangere von außen stigmatisiert werden.

Studien zeigen, dass die meisten Menschen, die einen Schwangerschaftsabbruch in Erwägung ziehen oder durchführen, irgendeine Form der Stigmatisierung erleben. Diese Stigmatisierungen sowie eine mangelnde soziale Unterstützung werden mit negativen Emotionen verbunden und können die Betroffenen noch später psychisch belasten. Trotzdem berichten 99% der Teilnehmenden, dass ein Schwangerschaftsabbruch auch nach 3 Jahren die richtige Entscheidung war.

Richtige Entscheidungen sind nicht immer leicht getroffen und können für jede Person anders aussehen. Wir würden uns wünschen, dass die Entscheidung ungewollt Schwangerer respektiert wird und sie Unterstützung durch ihr Umfeld erfahren.

Quellen:

  • Erfahrungsbericht Fatma (29 Jahre)
  • Rocca et al. (2015): "Decision Rightness and Emotional Responses to Abortion in the United States: A Longitudinal Study" PloS one ⠀
  • Biggs et al. (2020): “Perceived abortion stigma and psychological well-being over five years after receiving or being denied an abortion.” PloS one⠀ ⠀
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Methoden der Schwangerschaftsabbrüche

Ein Schwangerschaftsabbruch kann - je nach Schwangerschaftswoche - grundsätzlich mittels operativer oder medikamentöser Methoden durchgeführt werden. Dabei gibt es keine Methode, die aus medizinischer Sicht als "die Überlegene" angesehen wird - beide sind sehr wirksam und haben ein niedriges Risiko für Komplikationen.

Entscheidender für die Zufriedenheit und das Wohlergehen der Patient*innen ist, dass ihnen die Methoden aufgezeigt werden und bei der Wahl ein Mitspracherecht eingeräumt wird. So ziehen manche die Operation vor, da diese schneller geht, während andere die medikamentöse Methode wählen, um die Beendigung der Schwangerschaft bewusst miterleben zu können, um sich z.B. noch zu verabschieden oder eine Narkose zu vermeiden.

Im 3. Quartal 2020 wurden in Deutschland 32% der Schwangerschaftsabbrüche medikamentös (im Gegensatz zu 28,3% in 2019) und 67,2% operativ (im Gegensatz zu 71% in 2019) durchgeführt.⠀ ⠀

Als Goldstandard der operativen Verfahren gilt die Vakuumaspiration ("Absaugung"). In Deutschland wird aber noch ein weiteres operatives Verfahren genutzt: die Kürettage („Ausschabung“). Da sie mit mehr Risiken verbunden ist, wird sie in internationalen Leitlinien und von internationalen Organisationen, wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausdrücklich nicht mehr empfohlen. Im 3. Quartal 2020 wurden trotzdem noch beachtliche 11,2% der Schwangerschaftsabbrüche (das sind 2 703 Eingriffe) mit dieser Methode durchgeführt. Im Vergleich: 2019 waren es sogar noch 14,1%.⠀ ⠀

Dies liegt wahrscheinlich unter anderem daran, dass es anders als in vielen europäischen Ländern, in Deutschland keine Leitlinien und keine Qualitätssicherung zum Schwangerschaftsabbruch gibt. Dazu werden wir noch ausführlicher berichten.

Quellen:

  • Statistisches Bundesamt - Statistik zu Schwangerschaftsabbrüchen⠀
  • RCOG Guidelines "Best practice in comprehensive abortion care"⠀
  • WHO Guidelines "Safe abortion: technical and policy guidance for health systems"
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FAQ: Wie wirken Abtreibungspillen?

Für den medikamentösen Schwangerschaftsabbruch werden zwei Medikamente benötigt: Mifepriston und Misoprostol.

Mifepriston blockiert das Hormon, das für die Schwangerschaft notwendig ist: das Gelbkörperhormon (Progesteron). Misoprostol wird 2 Tage später genommen. Dadurch wird eine Blutung ausgelöst. Diese Blutung ist wie bei einer Fehlgeburt. Wir sprechen deshalb bei der medikamentösen Abtreibung auch von einer "ausgelösten Fehlgeburt".

Über Misoprostol wird gerade viel diskutiert, da es Probleme bei Geburtseinleitungen gab und jetzt der Zugang zu dem Medikament deswegen deutlich erschwert werden soll.⠀ Diese Probleme treten aber nicht bei medikamentösen Abbrüchen auf.

Die Wirksamkeit des medikamentösen Schwangerschaftsabbruchs ist sehr hoch. Nur in etwa 1 von 200 Fällen geht die Schwangerschaft weiter und es müssen entweder nochmal die Medikamente eingenommen werden oder eine Operation gemacht werden. Es gibt sehr wenige Komplikationen bei der Methode. Nur in etwa 1 von 1000 Fällen muss die Schwangere nach der Blutung ärztlich behandelt werden.

Quellen:

  • WHO Medical management of abortion (2018)⠀
  • Cleland et al. (2013): Significant adverse events and outcomes after medical abortion. doi: 10.1097/aog.0b013e3182755763⠀ ⠀
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Cytotec®

Cytotec® (Misoprostol) ist die Tablette, die bei einem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch als zweites Medikament benötigt wird.

Misoprostol steht seit 2009 auf der WHO-Liste der "essentiellen Medikamente". Diese Medikamente sollen laut WHO in einem funktionierenden Gesundheitssystem in notwendiger Dosierung und zu einem vernünftigen Preis verfügbar sein.⠀

Misoprostol macht den Gebärmutterhals weich und löst Kontraktionen der Gebärmutter.

Es wird in der Geburtshilfe und Gynäkologie für viele Situationen verwendet und dringend benötigt:⠀

  • medikamentöser Schwangerschaftsabbruch
  • medikamentöse Behandlung von Fehlgeburten
  • Vorbereitung bei operativen Abbrüchen (Fehlgeburten, vor Einlage einer "Spirale", vor Gebärmutter-OPs bei älteren Frauen)
  • Geburtseinleitung
  • schwere Blutungen nach Geburten⠀

Bei einer Geburtseinleitung braucht man von Misoprostol nur sehr wenig, viel weniger als bei allen anderen Situationen. Da es in den letzten Jahren wegen Überdosierungen oder falscher Anwendung bei Geburtseinleitungen zu Komplikationen kam, gab es viele Pressemitteilungen zur Gefährlichkeit von Cytotec®. Große gynäkologische Fachgesellschaften haben daraufhin geschrieben, dass das Risiko von Cytotec® bei richtiger Anwendung sehr gering ist und es das am besten untersuchteste und sicherste Mittel für eine Geburtseinleitung ist.

Trotzdem hat Jens Spahn nun dringend empfohlen, dass Cytotec® nicht mehr nach Deutschland importiert werden soll! Die Pharmafirmen sind dieser Empfehlung gefolgt und haben angekündigt, ab sofort nicht mehr zu importieren.

Zur Geburtseinleitung wird es ein neues Präparat geben, dass aber für Schwangerschaftsabbrüche viel zu niedrig dosiert ist (dafür bräuchte es 32 Tabletten, vor einer OP 16 Stück). Das einzige andere Präparat, das in einer ausreichenden Dosierung verfügbar ist, muss kompliziert direkt beim Hersteller bestellt und jede einzelne Tablette extra registriert werden. Außerdem ist es etwa fünfmal so teuer wie Cytotec®.

Wir fordern daher eine Zurücknahme des Importstopps!

Quellen:

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Nicht dieselben Muttergefühle

So individuell wie Menschen sind, so individuell können die Gefühle zu einer Schwangerschaft sein. Eine Schwangerschaft bedeutet nicht sofort, dass die Person auch Muttergefühle oder eine Verbundenheit spürt, auch wenn dies genauso vorkommt wie fehlende Muttergefühle - beides ist vollkommen normal und in Ordnung.

Leider ist es oft so, dass der ungewollt Schwangeren durch die gesellschaftliche und rechtliche Lage vermittelt wird, dass es eine "richtige" und "falsche" Entscheidung gäbe und ein Schwangerschaftsabbruch immer automatisch eine Konfliktsituation sei. Allerdings ist jede Entscheidung in Ordnung, sowie auch jegliche Gefühle in Bezug auf die Schwangerschaft in Ordnung sind. Wichtig ist nur, dass die Entscheidungen selbstbestimmt getroffen werden können. Hierbei können wir als Außenstehende oder medizinisches Personal einen Beitrag leisten, indem wir aufklären, indem wir Empathie und Verständnis zeigen, indem wir diese Selbstbestimmung anerkennen

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"Jede Frau will doch Mutter werden"

Der Spruch fällt öfter mal beim Thema Abtreibung, gerne gefolgt von "Das wirst Du später bereuen".

Wir fragen, warum nur sollte jede Person mit Gebärmutter den Wunsch haben Mutter zu werden? Wie kommen manche Leute darauf, das bestimmte Lebensweisen naturgegeben und deshalb universell auf alle übertragbar sind?

Wissen wir inzwischen nicht, dass Menschen vielfälltig sind? Manche homo-, manche bi-, manche hetereo-, manche asexuell. Manche sind karriereorientiert, manche nicht. Manche sportlich, manche nicht. Manche tierlieb, manche nicht. Manche haben braune, manche schwarze, manche blonde, rote oder auch gar keine Haare.

Wie kommen manche in der heutigen Zeit noch immer darauf, dass bestimmte Körpermerkmale (z.B. das Vorhandensein einer Gebärmutter) auf das Wesen eines Menschen schliessen lassen, auf seine Lebensvorstellungen? ⠀ Wir verbrennen doch auch keine Rothaarigen mehr, weil wir davon ausgehen, dass es Hexen sind. Genauso wenig sollte Menschen mit Uterus die Mutterrolle aufgedrückt werden, schon gar nicht mit der Begründung, dies sei doch natürlich!

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Schwangerschaftsabbrüche nach Schwangerschaftswoche

Zeitpunkt der Abtreibung nach Schwangerschaftswochen (SSW) seit der letzten Regel (p.m.) [1] in Deutschland in 2019: 8,2 % aller Schwangerschaftsabbrüche unter 7. SSW 31,2 % 7.-8. SSW⠀ 34,4% 9.-10. SSW⠀ 23,3 % 11.-13. SSW ⠀ 2,9 % 14. SSW und mehr⠀

97,1 % aller Schwangerschaftsabbrüche finden vor der 14. SSW p.m. statt; 2,9% aufgrund einer medizinischen Indikation noch danach.

Im 3. Quartal 2020 fanden die Schwangerschaftsabbrüche in folgenden Wochen statt: 97% bis zur vollendeten 14. SSW⠀ 2,3 % von 14-23. SSW (medizinische Indikation)⠀ 0,7 % nach 23. SSW (medizinische Indikation)⠀

Schwangere, die ihre Entscheidung gefällt haben, sind froh, wenn sie den Eingriff so schnell wie möglich durchführen können. Zu zeitlicher Verzögerung und damit zur unnötigen Weiterentwicklung des Embryos/ Fötus kommt es oft aufgrund der Beratungsregel, der damit zusammenhängenden Wartefrist und der mangelnden, wohnortnahen Versorgungslage an Praxen, die Abbrüche durchführen.

[1] Wie Schwangerschaftswochen in der Gynäkologie gezählt werden, und was p.m. bedeutet, erfährst du in unserem Glossar.

Quellen:

  • Stat. Bundesamt, 2019 (Fachserie 12 Reihe 3)⠀
  • Stat. Bundesamt, 3. Quartal 2020
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München

Seit Jahren sind die Anzahl an Ärzt*innen und Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, rückläufig. Dies bedeutet, dass es immer mehr Regionen und Städte gibt, in denen es keine oder kaum Anlaufstellen für ungewollt Schwangere gibt. Diese Anlaufstellen sind gar nicht so einfach zu finden, denn der §219a StGB hindert Ärzt*innen daran, über Schwangerschaftsabbrüche z.B. auf ihrer Homepage zu berichten. Eine einfache Internetrecherche oder ein Blick auf die Webseite der eigenen Gynäkologin oder des eigenen Gynäkologen reicht also nicht aus. (Weitere Informationen zu dem Thema findet ihr in den Posts zu §219 von uns.)⠀

Als Unterstützungsangebot hat die deutsche Bundesregierung deshalb Anfang 2019 eine Liste bei der Bundesärztekammer in Auftrag gegeben, in der sich solche Praxen und Ärzt*innen freiwillig eintragen können. Das Problem ist, dass diese Liste alles andere als vollständig ist. Viele Ärzt*innen entscheiden sich z.B. bewusst dagegen, weil sie Angst vor den Anfeindungen und Diffamierungen durch Abtreibungsgegner*innen haben, wenn sie auf der Liste öffentlich erscheinen. Außerdem fehlen oft weitere nützliche Angaben: z.B. die Angaben der Methoden, bis zu welcher Schwangerschaftswoche sie Schwangerschaftsabbrüche anbieten. All solche Informationen findet man also erst nach einem ersten Gespräch mit der Praxis heraus.⠀

Aber wie sieht denn die Versorgungssituation in manchen Städten ganz konkret aus? ⠀

In München - einer Stadt mit mehr als 1,4 Millionen Einwohner*innen - sind von 9377 Praxen mindestens 611 gynäkologische Praxen.[1] Auf der Liste der Bundesärztekammer stehen nur 4 Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Davon bieten beide Praxen beide Methoden an, eine Praxis nur die operative, und eine Praxis nur die medikamentöse Methode an.⠀

[1] Es gibt keine öffentlichen Statistiken über die Anzahl von Fachpraxen in einer Stadt. Zur Orientierung haben wir die Einträge im Bewertungsportal Jameda gezählt.⠀ ⠀

Quellen:

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"Ein Kind ist doch ein Geschenk..."

Dennoch werden viele ungewollt Schwangere mit diesem Spruch konfrontiert. Leider hinkt der Vergleich, denn ein Kind kann nicht einfach weiter verschenkt, zurückgeben oder nicht angenommen werden. Für ein Geschenk muss niemand viel Lebenszeit aufbringen. Im Gegensatz dazu, braucht ein Kind emotionale und materielle Fürsorge, viel Aufmerksamkeit, Liebe, Respekt und Verantwortung, um glücklich und gesund aufzuwachsen - und das über viele Jahre hinweg. ⠀

Dass genau diese Punkte ausschlaggebend für einen Schwangerschaftsabbruch sein können, zeigte eine Studie aus dem Jahre 2013: so gaben 40% der Schwangeren finanzielle Gründe für den Abbruch an, 36% einen unpassenden Zeitpunkt der Schwangerschaft und 29% sahen keine Möglichkeit, dem Kind genug Aufmerksamkeit zu schenken. 64% der Befragten gaben mehrere, zusammenhängende Gründe an, weswegen für sie das Austragen der Schwangerschaft nicht möglich war.

Fazit: Für ein Geschenk muss die beschenkte Person nicht all diese Faktoren in Erwägung ziehen, für das Austragen der Schwangerschaft schon. Für manche ungewollt Schwangere ist eine Schwangerschaft kein Geschenk. Und es ist okay, wenn sich die schwangere Person gegen das Austragen der Schwangerschaft entscheidet. Eine ungewollte Schwangerschaft muss man nicht annehmen.

Quellen:

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"Meine Abtreibung war zu 100% meine Entscheidung"

Durch die gesellschaftliche Debatte und die Stigmatisierung wird ungewollt Schwangeren oft vermittelt, dass es eine absolut "richtige" und eine "falsche" Entscheidung im Falle einer ungewollten Schwangerschaft geben würde. Über richtig und falsch kann jedoch nur die Schwangere selbst entscheiden und das kann auch einen empowernden Charakter haben, wie dieser Erfahrungsbericht demonstriert.⠀

Alison ist für sich selbst eingestanden, hat die Konsequenzen einer Schwangerschaft und damit einhergehend die eines Kindes für sich abgewogen, hat sich mit ihren Ressourcen auseinandergesetzt und bemerkt: "das kann weder für ein Kind noch für mich funktionieren." Und damit hat sie die richtige Entscheidung für sich getroffen. Das ist es was zählt.

Quellen:

Alison, Canada (Women on Web)

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Vorgeschriebene Wartefrist nach Beratungstermin

Jede ungewollt schwangere Person, die in Deutschland abtreiben möchte, muss sich von einer unabhängigen Beratungsstelle beraten lassen, bevor sie die Schwangerschaft abbrechen kann. Diese Schwangerschaftskonfliktberatung muss mindestens drei Tage vor dem Schwangerschaftsabbruch stattfinden und darf nicht von der/ dem behandelnden Ärztin/ Arzt durchgeführt werden, sondern nur von dafür anerkannten Beratungsstellen.

Da ein Schwangerschaftsabbruch im Rahmen der sogenannten Beratungsregelung nur bis Ende der 12. Woche nach der Empfängnis zulässig ist, geraten manche Menschen, die ihre Schwangerschaft vielleicht gerade erst bemerkt haben, in Zeitnot. Die Terminvergabe und die drei Tage Wartezeit können große Hürden für die Durchführbarkeit eines Schwangerschaftsabbruchs darstellen.

Diese spezifischen Regelungen und Fristen gelten nur in Deutschland. Während es in vielen Nachbarstaaten, wie zum Beispiel Dänemark, Österreich, Schweiz, Großbritannien und Frankreich, gar keine Wartefristen gibt, ist die vorgeschriebene Wartezeit zwischen Beratung und Schwangerschaftsabbruch in Belgien oder den Niederlanden mit sechs bzw. fünf Tagen sogar noch länger als in Deutschland.

Aber wieso sind die gesetzlich geregelten Wartefristen zwischen den europäischen Ländern so unterschiedlich?

Ganz einfach: Es gibt keine medizinische Grundlage für eine verpflichtende Wartezeit und auch nicht dafür, wie kurz oder lang sie sein sollte. Die Vorschriften, ob und wie lange ungewollt Schwangere mit ihrer Abtreibung warten müssen, beruhen also viel weniger auf wissenschaftlich fundierten Fakten als auf politischen Entscheidungen.

Quellen:

  • pro familia, "Schwangerschaftsabbruch. Fakten und Hintergründe" 2017 ⠀
  • Dr. Fiala, Fachtag "Der §219 in 2019", Hochschule Merseburg⠀
  • https://abort-report.eu/ (letzter Besuch 13.01.21)
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Ihre Entscheidung muss erstmal überprüft werden.

Jede ungewollt schwangere Person, die in Deutschland abtreiben möchte, muss sich von einer unabhängigen Beratungsstelle beraten lassen, bevor sie die Schwangerschaft abbrechen kann. Diese Schwangerschaftskonfliktberatung muss mindestens drei Tage vor dem Schwangerschaftsabbruch stattfinden und darf nicht von der/dem behandelnden Ärztin/Arzt durchgeführt werden, sondern nur von dafür anerkannten Beratungsstellen. ⠀

Da ein Schwangerschaftsabbruch nach sogenannter Beratungsregelung nur bis Ende der 12. Woche nach der Empfängnis zulässig ist, geraten manche Menschen, die ihre Schwangerschaft vielleicht gerade erst bemerkt haben, in Zeitnot. Die Terminvergabe und die drei Tage Wartezeit können große Hürden für die Durchführbarkeit eines Schwangerschaftsabbruchs darstellen.⠀

Es ist unerlässlich, dass ungewollt Schwangere die Möglichkeit haben sich unkompliziert und ergebnisoffen hinsichtlich der Fortführung oder Beendigung ihrer Schwangerschaft beraten zu lassen. Vorausgesetzt sie wünschen eine solche Beratung. In Deutschland ist dies allerdings kein Angebot, sondern eine Verpflichtung. In unseren Augen bevormundet diese im Paragraph 218a festgelegte Regelung ungewollt Schwangere und stellt ihre Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit infrage. ⠀

Zum Vergleich: Wie wäre es denn, wenn man auch gewollt Schwangere, die einen aktuellen Kinderwunsch haben, zu einer Schwangerschaftskonfliktberatung verpflichten würde? Käme da nicht der Verdacht auf, man unterstelle ihnen, dieser Entscheidung und ihrer Konsequenzen nicht gewachsen zu sein? ⠀

Quellen:

  • pro familia, "Schwangerschaftsabbruch. Fakten und Hintergründe" 2017⠀
  • Dr. Fiala, Fachtag "Der §219 in 2019", Hochschule Merseburg
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"Danke, dass Sie so nett zu mir sind."

Eine wertfreie und empathische Haltung gegenüber Patient*innen unabhängig von der persönlichen Meinung ist ein selbstverständliches ärztliches Grundverständnis.

Leider erleben ungewollt Schwangere von Seiten des medizinischen Personals häufig Missbilligung, weil auch in medizinischen Kreisen das Thema noch stark tabuisiert und stigmatisiert ist. Eine schlechte Behandlung ist neben der gesellschaftlichen Stigmatisierung und der Notwendigkeit einer Geheimhaltung im Familien- und Freundeskreis ein Faktor, der zu einer schlechten Verarbeitung des Abbruchs beiträgt.

Keine gewollt schwangere Person würde sich bei ihrer Frauenärzt*in dafür bedanken, dass sie nett zu ihr ist. Davon gehen wir ganz selbstverständlich aus. Warum sollten es ungewollt Schwangere also tun?

Quellen:

  • Bericht einer Gynäkologin⠀
  • Biggs MA, Brown K, Foster DG (2020): Perceived abortion stigma and psychological well-being over five years after receiving or being denied an abortion.⠀
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Nur 10% aller Gynäkolog*innen führen Abbrüche durch

Geschätzt führt nur 1 von 10 Gynäkolog*innen Schwangerschaftsabbrüche durch. Das ist nicht so sehr verwunderlich, wenn man überlegt, dass der Schwangerschaftsabbruch nicht nur gesellschaftlich, sondern auch in der Medizin noch stark tabuisiert ist. Er nimmt eine Sonderstellung in der Medizin und auch in der Gynäkologie ein.

Für die gynäkologische Facharztausbildung muss eine gewisse Zeit im Bereich der Geburtshilfe und Schwangerenvorsorge absolviert werden, um dort Erfahrungen zu sammeln - ist ja verständlich. Der Schwangerschaftsabbruch ist allerdings dabei kein verpflichtender Teil der Facharztausbildung. Zudem gibt es auch keine offiziellen Weiterbildungsmöglichkeiten dafür. Das bedeutet, dass selbst die Ärzt*innen, die aus eigenem Interesse und Motivation ihr Wissen und ihre Erfahrungen im Bereich 'Schwangerschaftsabbruch' erweitern möchten, wenig offizielle Fortbildungskurse finden.

Schon allein deshalb bieten viele Gynäkolog*innen den Schwangerschaftsabbruch nicht an. Durch die sogenannte Gewissensklausel wird Ärzt*innen aber auch noch eine weitere Möglichkeit eingeräumt, sich grundsätzlich gegen die Durchführung eines Schwangerschaftsabbruchs "aus persönlichen Gewissensgründen" zu entscheiden. Auch das hat ein Alleinstellungsmerkmal in der Medizin.

So kommt es dazu, dass nur circa 10% der Gynäkolog*innen tatsächlich Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Und ungewollt Schwangere deshalb manchmal viel telefonieren, rumfragen und reisen müssen, um eine*n Ansprechpartner*in zu finden.

Wir wünschen uns, dass Schwangerschaftsabbrüche endlich als das gesehen werden, was sie sind: Teil unserer Gesellschaft, Teil von Sexualität, Teil der Medizin. Und wir wünschen uns, dass Ärzt*innen ihren Patient*innen helfen und diese medizinisch versorgen, egal ob gewollt oder ungewollt schwanger.⠀

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Schwangerschaftsabbruch in der Facharztausbildung Gynäkologie

Ungewollte Schwangerschaften sind eine sehr häufige Fragestellung in der gynäkologischen Praxis. In Deutschland werden jährlich etwa 100.000 Schwangerschaften abgebrochen bei etwa 780.000 Geburten. Trotzdem wird zu diesem Thema wenig gelehrt und geforscht. Im Medizinstudium gibt es dazu sehr wenig Lehrveranstaltungen und auch auf Kongressen oder in Fachzeitschriften kommt das Thema Schwangerschaftsabbruch selten vor.

Wenn jemand die gynäkologische Facharztausbildung in einem Krankenhaus absolviert, in dem keine Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden, kann es sein, dass sie oder er kein einziges Mal mit einem Schwangerschaftsabbruch in Kontakt kommt.

Insbesondere die medikamentöse Methode wird kaum gelehrt, da in den Kliniken vor allem operative Abbrüche durchgeführt werden. Das gilt auch für die medikamentöse Behandlung einer Fehlgeburt, wo viel häufiger ein operativer Eingriff durchgeführt wird als es notwendig wäre.

Laut der Ärztestatistik 2019 gibt es in Deutschland über 26.000 Gynäkolog*innen. Schwangerschaftsabbrüche führen aber geschätzt nur etwa 10-20 % durch. Kein Wunder, wenn es kaum gelehrt und ausgebildet wird.

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§219a StGB

Das deutsche Strafgesetzbuch regelt in §219a das Verbot unerlaubter "Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft". Unter Strafe fallen auch sachliche Informationen von Ärzt*innen auf ihren Internetseiten, wie z.B. welche Methoden des Schwangerschaftsabbruchs (SAB) sie anbieten oder wie so ein Termin genau abläuft. Wir haben im letzten Post bereits betrachtet, welche Konsequenzen diese rechtliche Regelung für Ärzt*innen hat.

Aber auch für ungewollt Schwangere hat sie Konsequenzen:

Der §219a verhindert, dass sich ungewollt Schwangere informieren können. Er erschwert es ihnen, Ärzt*innen in ihrem Umkreis zu finden, die SAB durchführen. Er verhindert, dass sie sich vorab über die verschiedenen Methoden (operativ oder medikamentös), den Ablauf, rechtliche und organisatorische Voraussetzungen informieren können. Informationen erhalten sie sonst nur auf den Webseiten der Ärztekammern oder Beratungsstellen - oder absurderweise auf Webseiten von Abtreibungsgegner*innen. Letzteres ist natürlich alles andere als sachlich informativ und medizinisch korrekt und hat als einziges Ziel, ungewollt Schwangere zu verängstigen und abzuschrecken.

Für eine selbstbestimmte Entscheidung ist die Voraussetzung eine umfassende Information. Das ist in anderen medizinischen Fragestellungen und Eingriffen selbstverständlich. Du willst dir die Hormonspirale einsetzen lassen? Dann findest du vorab schon alle Informationen zum Ablauf, Nebenwirkungen und der Webseite des Arztes oder der Ärztin deines Vertrauens. Aber ausgerechnet im Fall der ungewollten Schwangerschaft, eine für viele schwierige Lebenssituation, wird es diesen Menschen unnötig schwer gemacht, Informationen und Unterstützung zu finden.

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Egoistisch und naiv?

Oft wird Menschen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen wollen oder durchgeführt haben, Naivität, Unüberlegtheit bis hin zu “Dämlichkeit” vorgeworfen. Diese Menschen haben v.a. das Bild der jungen, kinderlosen Frau vor Augen. ⠀

Ein erster Blick in die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zu Schwangerschaftsabbrüchen vom Jahr 2019 räumt mit diesen Klischees auf: Die Gruppe der 20- bis 30-Jährigen ist genauso groß wie die der 30- bis 40-Jährigen. Zudem haben ca. 60% aller Betroffenen bereits mindestens ein Kind. Sie sind sich also der Verantwortung bewusst, die eine Austragung der Schwangerschaft und die Erweiterung der Familie um ein weiteres Kind mit sich bringen würde.

Die Entscheidung zum Abbruch ist gut durchdacht. Die Mehrzahl der ungewollt Schwangeren trifft sie alles andere als leichtfertig. Dies zeigt sich u.a. an den Ergebnissen aus einer großen Studie aus den USA: auch 5 Jahre nach dem Abbruch finden 99% der Betroffenen, dass sie die richtige Entscheidung getroffen haben. Das sollten wir als Außenstehenden respektieren.⠀

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29% aller Schwangerschaften enden weltweit in einem Schwangerschaftsabbruch

29% aller Schwangerschaften weltweit enden in einem Schwangerschaftsabbruch.

Wir sollten aufhören so zu tun, als sei ein Schwangerschaftsabbruch ein seltener, abnormaler Eingriff. Die Statistik beweist klar das Gegenteil. Lasst uns uns lieber dafür einsetzen, dass fachliche, sichere Abbrüche für Betroffene leicht in Anspruch zu nehmen sind - ohne geografische Hürden und ohne gesellschaftliche Ächtung. Es könnte jede*n von uns treffen. Egal in welchem Land wir leben.

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"Ich habe elf, zwölf Praxen abtelefoniert, immer in der Angst, dass es am Ende zu spät sein könnte."

"Ich habe elf, zwölf Praxen abtelefoniert, immer in der Angst, dass es am Ende zu spät sein könnte. Diese entsetzliche Ohnmacht, das hängt mir bis heute nach"⠀

Im März 2019 wurde aufgrund der vielen Kritik eine Neuregelung des §219a StGB verabschiedet.

Seitdem dürfen Ärzt*innen auf ihrer Internetseite darüber informieren, dass sie Schwangerschaftsabbrüche (SAB) durchführen. Allerdings dürfen sie weiterhin nicht darüber informieren, welche Methode sie anbieten.

Zur Verbesserung der Information über einen SAB hat die Bundesärztekammer eine Liste mit Ärztinnen veröffentlicht, die Abbrüche anbieten. Diese Liste ist aktuell allerdings mehr als unvollständig.

Für ungewollt Schwangere ist es also schwierig, herauszufinden, welche Ärzt*innen in ihrer Umgebung Abbrüche mit der Methode ihrer Wahl durchführen. Für Betroffene heißt es also: eine Praxis nach der anderen abtelefonieren. Dies ist nervenauftreibend, wie Annas Erfahrungsbericht zeigt. Denn viel Zeit ist nicht: Ein SAB nach Beratungsregelung ist nur bis zur 12. Schwangerschaftswoche nach Empfängnis straffrei möglich. Die Möglichkeit des medikamentösen Abbruchs steht nur bis zur 9. Woche, der operative bis zur 12. Woche nach Empfängnis zur Verfügung.

Wenn du auch möchtest, dass der SAB nicht mehr im Strafgesetzbuch geregelt wird, dann unterschreibe diese Petition. Das muss auch nicht heißen, dass es keine Regelungen mehr zum SAB geben wird, sondern nur, dass sie neu verhandelt werden und evtl. woanders niedergeschrieben werden, wie z.B. im Bürgerlichen Gesetzbuch.⠀

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§218 StGB

Der Schwangerschaftsabbruch ist ein Straftatbestand im deutschen Strafgesetzbuch und gehört wie Mord und Totschlag zu den Straftaten gegen das Leben. Ein Schwangerschaftsabbruch ist also immer illegal. Nur unter bestimmten Umständen wird von einer Strafe abgesehen:

1.) Die schwangere Person kann mit einer offiziellen Bescheinigung nachweisen, dass sie sich mindestens 3 Tage vor dem Eingriff zum Schwangerschaftsabbruch beraten lassen hat.

2.) Der Eingriff wird von einem*r Ärzt*in durchgeführt.

3.) Seit der Empfängnis sind nicht mehr als 12 Wochen vergangen.

Dass hier ein medizinischer Eingriff neben schweren Delikten aufgelistet wird, ist - neben der sog. "Sterbehilfe" ein Einzelfall in der Medizin.

Bei allen anderen medizinischen Eingriffen müssen Patient*innen über alle möglichen Komplikationen, Folgen und Nebenwirkungen aufgeklärt werden und können sich dann selbst dafür oder dagegen entscheiden.

Medizinische Eingriffe werden also normalerweise nicht als Straftat angesehen, solange Patientinnen nach einer guten Aufklärung ihre Zustimmung abgeben. Dass der Schwangerschaftsabbruch (SAB) so anders als alle anderen medizinischen Eingriffe behandelt wird, schafft Zugangsbarrieren und Verunsicherung bei den Ärztinnen und Betroffenen. Und es führt zu Hilflosigkeit in einer Situation, in der ungewollt Schwangere sich vor allem Sicherheit und Unterstützung wünschen.

Internationale Organisationen wie die WHO oder der Frauenrechtskonvention der UN (CEDAW) fordern deshalb die Legalisierung des SAB. Ein SAB sollte eine öffentliche Gesundheitsleistung sein. Regelungen zum SAB sind außerhalb des Strafgesetzes möglich, beispielsweise in Sozialgesetzbüchern oder innerhalb der für den Gesundheitsbereich geltenden Rechtsordnungen.

Wenn du das genauso siehst und auch möchtest, dass der SAB nicht mehr im Strafgesetzbuch geregelt wird, dann unterschreibe gerne diese Petition.⠀

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"Schon mal was von Verhütung oder Sterilisation gehört? Vorher überlegen!!!"

Wenn Menschen von ihrer Abtreibung erzählen, wird des Öfteren nachgefragt, ob sie nicht richtig verhütet hätten - gerade in den Kommentarspalten in den Sozialen Medien lassen sich diese Vorwürfe oft auffinden. Wie in unserem Beispiel auf Facebook: "Schon mal was von Verhütung oder Sterilisation gehört? Vorher überlegen!!!" Damit geht die Annahme einher, dass Verhütungsmittel in jedem Fall eine ungewollte Schwangerschaft verhindern könnten.⠀

Fakt ist jedoch, dass kein einziges Verhütungsmittel zu 100% sicher ist. Selbst bei fehlerfreier Anwendung können Menschen ungewollt schwanger werden. Um die Sicherheit eines Verhütungsmittels anzugeben, gibt es den sogenannten "Pearl-Index". Je kleiner der Pearl-Index, desto sicherer ist das Verhütungsmittel. Wenden 100 Frauen ein Jahr lang das gleiche Verhütungsmittel an und treten in diesem Zeitraum drei Schwangerschaften auf, so beträgt der Pearl-Index 3.

Ganz konkret bedeutet der Pearl-Index vom Kondom (2-12), dass 20 bis 120 von 1000 gebärfähigen Menschen, die diese Methode über 12 Monate anwenden, schwanger werden. Selbst bei der Sterilisation, die als endgültige und sicherste Verhütungsmethode gilt, können 1-3 von 1000 Menschen über einen Zeitraum von einem Jahr schwanger werden.

Allerdings sind die Angaben zum Pearl-Index in verschiedenen Quellen teilweise sehr unterschiedlich und können nur als Anhaltspunkt gesehen werden. Hersteller*innen der Produkte geben den Pearl-Index beispielsweise ohne Anwendungsfehler an. Das bedeutet also, dass trotz perfekter Anwendung noch soundso viele Menschen schwanger werden.

Pearl-Index der einzelnen Verhütungsmethoden:⠀ Hormonspirale: 0,16
Pille: 0,1 – 0,9
Mini-Pille: 0,5 – 3
Kupferspirale: 0,3 – 0,8
Diaphragma: 1 – 20⠀

Kondom: 2 – 12
Keine Verhütung: 85
Sterilisation der Frau: 0,2 – 0,3
Sterilisation des Mannes: 0,1

Anmerkung: Dieser Pearl-Index gilt nur, wenn man das Verhütungsmittel zusammen mit Verhütungsgel verwendet.⠀

Quellen:

  • Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe Juli 2004, pro familia https://www.profamilia.de//theme (letzter Recherchezeitpunkt 15.01.2021)⠀
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Strafanzeigen gegen Ärzt*innen

Das deutsche Strafgesetzbuch regelt in Paragraph 219a das Verbot unerlaubter "Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft". Wörtlich heißt es: "Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten eines Inhalts seines Vermögensvorteils wegen oder in grob anstößiger Weise 1.) eigene oder fremde Dienste zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruchs [...] anbietet, ankündigt, anpreist oder Erklärungen solchen Inhalts bekanntgibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."

Unter Strafe fallen auch sachliche Informationen von Ärzt*innen auf ihren Internetseiten, wie z.B. welche Methoden des Schwangerschaftsabbruch sie anbieten oder wie so ein Termin genau abläuft.

Für Ärzt*innen bedeutet das:

  • Einen fundamentalen Grundstein des ärztlichen Berufs, nämlich Aufklärung und Informationsweitergabe, nicht umfassend durchführen zu können. Während Ärzt*innen auf ihren Webseiten alle Informationen für z.B. den Einsatz einer Hormonspirale ausführlichst beschreiben können, wird ihnen das beim Schwangerschaftsabbruch verwehrt. Sie können lediglich auf die unvollständige Liste der Bundesärztekammer hinweisen.
  • Für diese ärztliche Aufklärung angezeigt werden zu können. Bekanntes Beispiel: Kristina Hänel, sie wurde 2017 zu einer Geldstrafe von 6000€ verurteilt. Jahrelang wurde dieser Paragraph faktisch nicht angewandt. In den letzten Jahren ist die Zahl der Anzeigen gegen Ärzt*innen aber stark gestiegen, da Abtreibungsgegner*innen sich genau diesen Paragraphen zu nutze machen, um Ärzt*innen, die Abbrüche durchführen, einzuschüchtern und es ungewollt Schwangeren unnötig schwer zu machen.
  • Insgesamt führt das unter Ärzt*innen zu Verunsicherung und Angst: Verunsicherung darüber, was an Aufklärung erlaubt ist und was nicht, sowie Angst vor Diffamierungen oder Strafanzeigen durch Abtreibungsgegner*innen. Auch das ist ein Grund, warum einige Ärzt*innen keine Schwangerschaftsabbrüche durchführen, wie der Präsident der Bundesärztekammer Dr. Frank Ulrich Montgomery selbst klarstellt: "Wir haben großes Verständnis für jeden Arzt, der unter den derzeit herrschenden Bedingungen keine Schwangerschaftsabbrüche vornehmen möchte. [...] Wir würden sehr begrüßen, wenn die Politik sicherstellt, dass Ärztinnen und Ärzte betroffene Frauen nach medizinischen Standards versorgen können, ohne von so genannten "Lebensschützern"[1] diffamiert und in der Ausübung ihres Berufes zum Teil massiv gestört zu werden."

[1] Wir distanzieren uns von dem Wort "Lebensschützer*in". "Lebensschützer*in" ist eine Selbstbezeichnung von Abtreibungsgegner*innen und ist ein Euphemismus für das was sie tatsächlich tun: Diese Personengruppe schützt keine Leben, sie möchte lediglich den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen erschweren. Damit werden Abbrüche allerdings nicht verhindert, sie werden nur unsicherer und damit für die Schwangeren gefährlicher und komplikationsreicher. Zutreffender wäre es also, diese Personengruppe als z.B. "Abtreibungsgegner*innen" oder "anti-choice-Gruppe" zu nennen.

Quellen:

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Ich hätte niemals gedacht, dass ich ungewollt schwanger werden würde

"Ich hätte niemals gedacht, dass ich ungewollt schwanger werden würde. Das passte nicht in mein Selbstbild. Erst als ich es war, wurde mir deutlich wie extrem klischée- und stereotypbehaftet ungewollte Schwangerschaften sind und wie sehr ich diese selbst verinnerlicht hatte."

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Schwangerschaftsabbrüche weiterhin mit Egoismus oder mangelndem Wissen über Verhütung assoziiert sind - dabei handelt es sich um frauenfeindliche Klischees. Gründe für einen Schwangerschaftsabbruch sowie die Betroffenen sind sehr viel vielfältiger und vielschichtiger.

Doch nicht nur im breiten gesellschaftlichen Diskurs lassen sich solchen Klischees finden, sondern auch in medizinischen Kreisen bleiben diese teilweise bestehen. ⠀

Quellen:

Erfahrungsbericht Lisa L. (23), medikamentöser Abbruch 8. SSW

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§218 StGB

§218 Strafgesetzbuch: "Wer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."

Der Schwangerschaftsabbruch ist ein Straftatbestand im deutschen Strafgesetzbuch und gehört wie Mord und Totschlag zu den Straftaten gegen das Leben. Ein Schwangerschaftsabbruch ist also immer illegal und kann nur unter bestimmten Umständen straffrei bleiben.

In unserem Bild sieht man eine Betroffene und eine*n Ärzt*in, die eine schwere Metallkugel am Fuß haben, auf der §218 StGB steht. Dieses Bild soll symbolisieren, dass dieser Paragraph sowohl für die Betroffenen, als auch für Ärzt*innen eine Belastung darstellt und ihnen das Leben erschwert.

Die Möglichkeit, sich strafbar zu machen, verängstigt Ärzt*innen und ist eine von vielen denkbaren Ursachen für den Rückgang von Ärzt*innen und Kliniken, die Abbrüche durchführen. Von 2003 bis 2018 ist die Zahl von Praxen und Kliniken, die Schwangerschaftsabbrüch durchführen, von 2050 auf 1170, also um rund 40%, gesunken.

Abtreibungsgegner*innen nutzen die schwierige rechtliche Lage aus und stellen Strafanzeigen gegen Ärzt*innen. Wie das genau aussieht und welche Folgen das hat, zeigen wir euch in bald in einem weiteren Post.

Wenn du auch möchtest, dass der Schwangerschaftsabbruch nicht mehr im Strafgesetzbuch geregelt wird, dann unterschreibe gerne diese Petition.

Quellen:

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